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09.03.2010 18:29 Artikel drucken

Missbrauchsfällen - Ulli Mair : "Verharmlost Bischof Golser?"

Bischof Golser und Ulli Mair

Vogel-Strauß-Politik wird die Kirche nicht aus ihrer tiefen Krise bringen
Foto: Bischof Golser und Ulli Mair

Die freiheitliche Landtagsabgeordnete Ulli Mair zeigt sich in einer Presseaussendung über die Aussagen des Bischofs Karl Golser zu den Missbrauchsfällen innerhalb der katholischen Kirche bestürzt und fordert den Bischof auf, zumindest einige seiner Aussagen zurückzunehmen, die er in der gestrigen „Tagesschau“ des RAI Sender Bozen gemacht hat.

„Es ist erschreckend und beschämend, wenn unser Bischof, ehemals Moraltheologe der Diözese, öffentlich meint, dass es sich angesichts der jüngsten Erkenntnisse und Diskussionen rund um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche um eine Kampagne handeln würde, welche die Kirche in Misskredit bringen solle und dass die Kirche keinesfalls ihre ethische und moralische Legitimation dadurch verliere. Das glatte Gegenteil ist der Fall: die Kirche steht wieder einmal völlig unglaubwürdig da und wird sehr vorsichtig sein müssen, mit dem was sie sagt und vor allem, wie sie mit der Affäre umgeht. Wer für sich selbst beansprucht, ex catedra Tugendwächter der Moral zu sein, muss als erster Kritik ernst nehmen und Fehlverhalten zugeben. Hat sich der Herr Bischof tatsächlich Gedanken darüber gemacht, wie sich Missbrauchsopfer nach solchen Aussagen fühlen? Glaubt er tatsächlich, dass es den Opfern um eine Entschädigung geht? Nebenbei geht es hier nicht um den Missbrauch innerhalb der Familien, den der Bischof krampfhaft versucht hat heranzuziehen, um vom eigentlichen Skandal abzulenken und um Missbrauch an sich zu rechtfertigen. Nach dem Motto: Kindesmissbrauch gibt es in allen Gesellschaftsschichten, also solle hier kein großes Aufsehen darum gemacht werden, da man ohnehin nur die Kirche beschädigen will. So einfach darf es sich der Bischof, aber auch die Gesellschaft selbst, nicht machen. Es geht um den Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche, der seit eh und je bekannt ist und der – vor allem vom Vatikan –seit eh und je ignoriert, geleugnet, totgeschwiegen und relativiert wurde. Warum findet der Bischof keine Worte der Entschuldigung, der Entrüstung, der Distanzierung, auch der Verurteilung? Warum fällt es den Kirchen- und Ordensleuten so schwer, öffentlich auch einmal zuzugeben, dass die Kirche, übrigens in vielen Bereichen, Fehler macht, dass die kirchlichen Amtsträger auch Mitschuld und Mitverantwortung tragen und die Kirche generell in einer tiefen Krise steckt? Nicht die Gesellschaft muss in solchen Fällen versöhnlich mit den Tätern, Mittätern und all den Wegsehern umgehen. Es ist menschlich, dass die Gesellschaft das wohl schrecklichste, übelste und widerwärtigste Vergehen, nämlich den Missbrauch an Kindern, verurteilt. Diese Gesellschaft braucht gerade in solchen Momenten eine starke, gefestigte Kirche, die unerschütterlich ist in ihren Grundsätzen und Werten, die sich auf die Würdenträger ihrer Religion verlassen kann, weil sie Klartext sprechen und Halt geben. Die Gesellschaft wird durch kirchliche Amtsträger, die in Krisenmomenten lieber den Kopf in den Sand stecken, durch fadenscheinige Phrasen vom Thema ablenken und die Tragweite des Skandals ignorieren und leugnen noch mehr verunsichert und wiederum werden sich viele von der Kirche abwenden, da sie unglaubwürdig wird. Die „außenstehenden“ Menschen, gläubig oder nicht, hinterfragen sehr vieles in der Kirche, da für sie nicht mehr nachvollziehbar ist, dass sich die Kirche nach wie vor weigert, sich in bestimmten Bereichen neu zu orientieren und sich den Herausforderungen der Zeit offener und gelassener zu nähern. Es ist durchaus menschlich, dass zahlreiche Priester nicht abstinent leben können oder wollen und dass sie im Umgang mit ihrer eigenen Sexualität – auf die jeder Mensch (!) ein Recht hat – schon mal ins Schleudern geraten (können). Deswegen darf sich aber kein Mensch an Kindern vergreifen – egal ob sexuell oder gewalttätig. Kindesmissbrauch ist durch nichts zu rechtfertigen, innerhalb der Kirche am allerwenigsten.  Die Kirche, auch unser Bischof, äußern sich mittlerweile zu allen Themen – egal, ob es in ihre Zuständigkeit fällt oder nicht. Themen wie Rechtsextremismus, Alkoholmissbrauch, Einwanderung, politisches Fehlverhalten – sind für die Gesellschaft sicherlich bedeutungsvoll und wichtig. Die Kirche braucht aber nicht die Aufgaben der Politik zu übernehmen und umgekehrt sollte es auch so sein. Der Bischof hat vor der eigenen Kirchentüre zu kehren und ich – als bekennender, aber zweifelnder Christ – erwarte mir von meinem obersten Hirten klare Aussagen zu den brennenden Fragen und Problematiken meiner eigenen Kirche. Ich würde mir wünschen, dass der Herr Bischof zumindest einige seiner Aussagen zum Missbrauch in der Kirche zurücknimmt“, schreibt Mair.

Von: um

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