Südtirol (Vermischtes)
05.10.2010 16:13 Artikel drucken

FPS: Aushöhlung der Grundversorgungskrankenhäuser

Bozen – Die heutige Pressekonferenz von Sanitätslandesrat Richard Theiner sowie der Führungsspitze des Sanitätsbetriebes (Generaldirektor Fabi, Sanitätsdirektor Mayr und Pflegedirektor Peer) zur Klinischen Reform hat für den Freiheitlichen Landtagsabgeordneten Thomas Egger wenig Neues gebracht.

Im Gegenteil: die bisherigen Befürchtungen wurden nicht nur bestätigt, sondern sogar noch übertroffen. Unter dem Deckmäntelchen schöner Worte („Stillstand ist Rückschritt“, „hochwertige und flächendeckende Versorgung“....) scheint die Sanitätsführung gewillt, die bisherigen Leistungen in den drei Grundversorgungskrankenhäusern Schritt für Schritt abzubauen.

Dies gilt für die Bereiche Gynäkologie und Pädiatrie, welche künftig – wie befürchtet – in Innichen, Schlanders und Sterzing „neu organisiert“ werden sollen. Unter dieser neuen Organisation ist schlicht und einfach die Abschaffung der bezüglichen Bettenabteilungen zu verstehen, wobei die Dienste künftig nur noch in ambulanter und tagesklinischer Form erbracht werden sollen. Eine stationäre Aufnahme ist in diesen beiden Abteilungen künftig nur noch unter gewissen Voraussetzungen möglich, und diese erfolgt in Belegbetten anderer Abteilungen.

Auch die onkologische Versorgung wird - wie befürchtet – „betriebsweit neu geregelt“. Es werden „Schwerpunktbereiche für die Tumorchirurgie geschaffen“ und es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis in den peripheren Krankenhäusern nur noch Nachbehandlungen zu Tumoroperationen durchgeführt werden, aber nicht mehr die entsprechenden Operationen. Dies bedeutet nicht nur eine Abwertung des peripheren Chirurgen selbst, sondern auch einen unbestreitbaren Verzicht auf die chirurgische Grundversorgung sowie die Ausbildungsfunktion in den kleinen Häusern.

Die Geburtshilfeabteilungen sollen nur bei mindestens 300 Geburten pro Jahr auch in Innichen, Sterzing und Schlanders erhalten bleiben. Sollten in einem KH weniger Geburten erfolgen (Innichen hatte im letzten Jahr 260 Geburten) so können die interessierten Gemeinden einen Differenzbetrag bezahlen um die Abteilung zu retten.

Dies stellt für mich einen bedenklichen, sanitätspolitischen Präzedenzfall dar. Erstmals werden damit in Südtirol die Gemeinden und Bürgermeister vom Land massiv unter Druck gesetzt. Dies nach dem Motto: falls ihr nicht zahlt, schließen wir die Abteilung! Die politischen Versprechungen, wonach die bestehende Grundversorgung garantiert bleibe, scheinen den Sparzwängen zum Opfer zu fallen.

Aber um welche Summen geht es hier überhaupt: Fachleuten zufolge kostet eine Geburt den Sanitätsbetrieb ungefähr 2.800 Euro. Dies würde, hochgerechnet auf die fehlenden 40 Geburten in Innichen, einen Betrag von 112.000 Euro ergeben, welchen die Gemeinden des Hochpustertales zu berappen hätten.

Und vielleicht müssen ja in Zukunft - Primar Thöni geht in Pension – auch die Wipptaler Gemeinden zuzahlen.

Auch die groß angekündigte Neuansiedlung von Abteilungen und die damit verbundene Aufwertung der kleinen Krankenhäuser konnte auf der heutigen Pressekonferenz allgemein nicht bestätigt werden. So wird hinsichtlich des KH Sterzing nur von einer „Überprüfung“ der Errichtung einer neurologischen Reha gesprochen.

Zusammenfassend, und ohne jede Panikmache Herr Landesrat Theiner, muss leider festgestellt werden, dass die

Grundversorgungskrankenhäuser von Innichen, Schlanders und Sterzing einer schleichenden Aushöhlung entgegensehen und dass man zur Abfederung dieser Aushöhlung nun auch die Gemeinden zur Kasse beten will.

Landesrat Theiner und die gesamte Landesregierung werden abschließend aufgefordert, die geplante Klinische Reform auch im Südtiroler Landtag zur Sprache und auch zur grundsätzlichen Abstimmung zu bringen. Die alleinige Entscheidung der Landesregierung erscheint, angesichts der Tragweite der Reform, nicht angemessen.

Von: FPS

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