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11.01.2011 10:00 Artikel drucken

Ein Jahr nach dem Erdbeben in Haiti: Die Hilfe der Caritas geht weiter

Caritas

1.719.550 Euro an Südtiroler Spenden
Foto: Caritas

Genau zwölf Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti bleibt die Situation der Menschen weiter dramatisch. Die Choleraepidemie fordert derzeit 40 Menschenleben am Tag. 1,5 Millionen Menschen leben nach wie vor in den großteils spontan entstandenen Notlagern. Trümmer und Müll bedecken die Straßen in den betroffenen Städten. Dank der Solidarität der SüdtirolerInnen, die über 1,7 Millionen Euro gespendet haben, kann die Caritas Diözese Bozen-Brixen den Menschen in Haiti weiter beistehen. Mehrere Wiederaufbauprojekte sind bereits in Planung.

Ein Jahr ist vergangen, seit ein verheerendes Erdbeben den Karibikstaat Haiti verwüstet hat. Fast 300.000 Menschen sind gestorben, zehntausende Menschen wurden zum Teil schwer verletzt und verstümmelt. Drei Millionen Menschen haben ihr meist weniges Hab und Gut verloren.

Die Situation im Katastrophengebiet ist immer noch dramatisch. Jeden Tag sterben 40 Menschen an der Cholera, die sich seit mehreren Monaten im Inselstaat ausbreitet. 130.000 Menschen sind krank und brauchen ärztliche Versorgung. 1,5 Millionen Menschen leben in den über 1.300 Notlagern, die nach dem Erdbeben großteils spontan entstanden sind. Ohne Hilfe von außen haben sie keine Chance zum Überleben. In den Städten herrscht weiterhin Chaos. Trümmer und Müll bedecken die Straßen. Bisher konnten erst 3% der Trümmer weggeräumt werden. Von den zugesagten internationalen Unterstützungshilfen sind erst 26% angekommen.

Das Internationale Caritas-Netzwerk, in das die Caritas Diözese Bozen-Brixen eingebunden ist, war bereits vor dem Erdbeben auf Haiti aktiv und konnte daher sofort nach dem Beben Nothilfe leisten. Die Südtiroler Caritas kann sich dank der Solidarität und Hilfsbereitschaft von fast 8.300 SpenderInnen aus Südtirol, die 1.719.550 Euro auf die Konten der Caritas eingezahlt haben, an den Hilfsmaßnahmen beteiligen.

Sofort nach dem Beben richteten Teams von KatastrophenhelferInnen mit Unterstützung von Freiwilligen Sammelstellen in 32 Pfarreien ein, wo seither Lebensmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel und überlebenswichtige Güter an 300.000 Familien verteilt werden. Weiters wurden in acht großen Zeltstädten Latrinen, Duschen und Wasserauffangbecken errichtet. Die dort lebenden Menschen erhielten Zelte, Matratzen, Notbetten, Moskitonetze, Hygieneartikel und Desinfektionsmaterial, sowie medizinische und psychologische Unterstützung. Sieben medizinische Teams waren in mobilen Kliniken auch außerhalb der Notlager im Einsatz. Insgesamt hat die Südtiroler Caritas dafür 430.000 Euro eingesetzt. “Wir werden uns mit weiteren 462.000 Euro an der Nothilfe beteiligen, damit die Menschen in Haiti überleben”, erklären die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana. Damit versorgt die Caritas in den kommenden sechs Monaten 300.000 Menschen mit Haushalts- und Hygienekits, Lebensmitteln und Trinkwasser.

Weitere 100.000 Euro fließen in die Programme zur Behandlung der Cholerakranken und Verletzten. In zwei Krankenhäusern wurden damit die Wasserleitungen und Operationssäle wieder instand gesetzt. Insgesamt können dort täglich 460 PatientInnen versorgt werden. In sechs weiteren Zentren werden außerdem Medikamente, Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel ausgegeben.

Um vor allem den Kindern nach der Katastrophe ein Stück Normalität zurückzugeben, beteiligt sich die Caritas Diözese Bozen-Brixen außerdem an einem Schulprogramm des Salesianerordens. Sie stellt 6.500 Buben und Mädchen Bücher, Hefte und Schreibutensilien zur Verfügung. Mit den 50.000 Euro, die dafür aus Südtirol eingesetzt wurden, werden auch Schul- und Spielprogramme in acht Zeltstädten mitfinanziert.

Für den Wiederaufbau hat die Caritas insgesamt 430.000 Euro aus Südtirol zur Verfügung gestellt. In Gressier, einem Außenbezirk der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince beteiligt sie sich am Aufbau von 500 erdbebensicheren Häusern für 2.500 sozial schwache und besonders bedürftige Menschen. In Croix de Bouquets, das ebenfalls in der Peripherie von Port-au-Prince liegt, unterstützt die Caritas den Aufbau einer Siedlung für Waisenkinder nach dem uns bekannten Kinderdorf-Modell. 150 Waisenkinder und Sozialwaisen zwischen sechs und 15 Jahren bekommen in der neuen Siedlung ein sicheres Zuhause und schulische Bildung. Die Siedlung umfasst zehn komplett eingerichtete Familienhäuser mit Bädern, ein Haus für LehrererInnen und das Hauspersonal, einen Speisesaal, eine Waschküche, eine Krankenstation und Spielplätze. Die Materialen für den Bau und die Ausstattung werden dabei im Land selbst eingekauft, die Arbeiten an lokale Betriebe ausgegeben. Das bringt zusätzliche Unterstützung für die Wirtschaft des Landes - vor allem für kleinere Familienbetriebe.

Besondere Unterstützung erhalten Familien im Rahmen eines Kleinkreditprogramms, für das die Caritas 15.000 Euro eingesetzt hat. Weitere 200.000 Euro sind dafür vorgesehen. Damit werden 3.000 Familien beim Neuanfang unterstützt. „Mit den Kleinkrediten können die Menschen ihre Familienbetriebe wieder aufbauen und sich eine Existenzgrundlage sichern“, erklären die Caritas-Direktoren Heiner Schweigkofler und Pio Fontana, die sich herzlich bei allen Südtiroler SpenderInnen bedanken. „Dank Ihrer Unterstützung kann unsere Hilfe in Haiti weitergehen. Viele Menschen leben noch in Notlagern und zwischen den Trümmern ihrer Häuser. Sie brauchen Hilfe um zu überleben, Vertrauen und Perspektiven für die Zukunft“, so Schweigkofler und Fontana.

Von: caritas

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