Kultur
18.04.2011 16:42 Artikel drucken

Sterben und Tod wahrnehmen – um des Lebens willen

caritas

Die Hospizbewegung der Caritas über Bedürfnisse von Sterbenden
Foto: caritas

Bozen – In Erinnerung an den Tod Jesu setzen sich Christen in der Karwoche in besonderer Weise mit Krankheit, Leiden, Sterben und Tod auseinander. Die Caritas-Hospizbewegung nimmt dies zum Anlass, um auf die Bedürfnisse sterbender Menschen hinzuweisen. „Sterben ist die Zeit vor dem Tod. Es ist ein natürlicher, zum Leben gehöriger Prozess“, betont der Leiter der Hospizbewegung, Günther Rederlechner. Leider werde das Sterben heute oft wie eine Krankheit betrachtet - mit dem Ziel, den Tod zu vermeiden. Die Caritas Hospizbewegung plädiert für eine ganzheitliche Betreuung, die die sterbenden Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dazu seien neben einer guten medizinischen Betreuung vor allem auch Zuwendung und Aufmerksamkeit vonnöten. Zudem brauche es eine interprofessionelle und gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben.

Durch den Fortschritt der Medizin sind heute viele Krankheiten behandelbar, die noch vor hundert Jahren zu einem schnellen Tod führten. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag vor 150 Jahren bei 40 Jahren. Sie hat sich bis heute verdoppelt. Gleichzeitig hat sich die Zeit des Sterbens verlängert. Vor 150 Jahren forderten Seuchen, Hunger und Kriege die meisten Todesopfer. Heute sind die häufigsten Todesursachen Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und degenerative Leiden. Obwohl auch diese Krankheitsbilder unheilbar sind, führen sie wesentlich langsamer zum Tod.

 „Die Zeit des Sterbens ist eine der intensivsten Phasen im Leben. Es ist ein natürlicher Prozess, der alle Menschen betrifft“, sagt der Leiter der Hospizbewegung, Günther Rederlechner. Und als solcher solle diese Zeit auch wahrgenommen werden. „Durch eine Krankheit, die das Sterben in den meisten Fällen begleitet, gerät der Mensch, der stirbt, oft in den Hintergrund. Im Zentrum stehen die verschiedenen Behandlungsmethoden, der Kampf gegen den Tod“, so der Caritas-Mitarbeiter. Die soziale, spirituelle und psychische Ebene kommen dabei oft zu kurz.

Rederlechner plädiert dafür, die Aufmerksamkeit wieder auf den Lebensabschnitt des Sterbens zu richten und nicht nur auf die jeweilige Erkrankung. Die „Behandlung“ in dieser Zeit müsse demzufolge als eine zwischenmenschliche Begleitung und Fürsorge verstanden werden. Die Begleiterscheinung Krankheit müsse durch Schmerzbehandlung und Symptomkontrolle medizinisch und pflegerisch so behandelt werden, dass sie das Sterben nicht stört. „Wenn die belastenden Symptome einer Krankheit erleichtert werden, dann haben selbst in der Zeit des Sterbens alle anderen Bedürfnisse und Dimensionen des menschlichen Lebens eine Chance, gelebt zu werden“, so Rederlechner.

„Heute fällt das Sterben oft auseinander in ein körperliches, psychisches und soziales Sterben“, erklärt der Leiter der Hospizbewegung. Deutlich werde das in der intensivmedizinischen Behandlung eines schwer erkrankten Menschen. Dabei gehe es vorrangig um den Erhalt der Organfunktionen. Umgekehrt passiere es oft, dass ein Mensch zwar körperlich noch lebt, aber durch die Krankheit ins soziale Abseits gerät und das Gefühl hat, dass er für die anderen längst „gestorben“ ist. „Diese Menschen erleben den sozialen Tod noch vor ihrem physischen Ende“, bedauert Rederlechner.

Die 180 Freiwilligen der Hospizbewegung wollen dem „sozialen Sterben“, der Einsamkeit und dem Gefühl des Allein-Gelassen-Seins entgegenwirken „Sterbende Menschen brauchen neben einer lindernden Palliativmedizin und Pflege ein verstehendes Dasein der sie umgebenden Menschen. Sie suchen Anerkennung für das Geleistete im Leben und Unterstützung bei unbewussten und unbekannten Problemen“, erklärt Rederlechner. Diese Bedürfnisse seien umfassend, beeinflussen einander und könnten nicht von einem Fachbereich allein abgedeckt werden. Sie erfordern eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärzteschaft, PflegerInnen und Angehörigen. Weiters sei in Südtirol ein Ausbau von Palliative-care-Versorgungssystemen im ambulanten und stationären Bereich notwendig. „Das Ehrenamt ist dabei ein nicht wegzudenkender Bestandteil dieses Betreuungssystems. Wichtig sind authentische Menschen, die gut zuhören können“, so der Leiter der Hospizbewegung.

Interessierte, die die Angebote der Caritas Hospizbewegung in Anspruch nehmen möchten, können sich zu Bürozeiten an die Hospiz-MitarbeiterInnen in den Büros in Bozen (Sparkassenstraße 1, Tel. 0471 304 370), Meran (Rennweg 52, Tel. 0473 258328), Brixen (Pfarrplatz 4, Tel. 0472 268418) und Bruneck (Paul-von-Sternbach-Str. 6, Tel. 0474 413 978) wenden.

Von: kra

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