Italien
13.06.2011 10:31 Artikel drucken

Tremonti verteidigt sich nach Angriff Maronis

ansa

Innenminister Maroni will schnelle Lösungen
Foto: ansa

Rom - Innenminister Maroni, Wirtschaftsminister Tremonti, Lega-Chef Bossi und Ministerpräsident Berlusconi sind sich dieser Tage alles andere als einig. Die Forderung der Europäischen Zentralbank gegenüber dem hoch verschuldeten Italien, 40 Milliarden Euro einzusparen, lässt die Politik verschiedene Lösungsansätze finden. Während Maroni schnelle Reformen und konkrete Schritte fordert, beharrt Tremonti darauf, mit Vorsicht und in kleinen Schritten Lösungen anzustreben.

Die Steuerreform sei bereit, einziges Hindernis seien jetzt nur noch die 80 Milliarden Euro, die zur Deckung der italienischen Staatsschuld aufgebracht werden  müssen, erklärte Tremonti jetzt vor dem Gewerkschaftsbund Cisl in Levico Terme. Er nahm damit die Herausforderung seines Kollegen Maroni an und antwortete zu diesem Anlass auf die Anschuldigungen des Innenminister, der Tremontis Vorgehen nur 24 Stunden zuvor verurteilt hatte.

Maroni hatte eine schnelle Reform gefordert, die nur dann möglich sei, wenn Tremonti die übertriebene Vorsicht eines Buchhalters ablege, sich einen Ruck gebe und damit aufhöre, sich durch die restliche Legislaturperiode zu schmuggeln. Alles andere sei verheerend für die Regierung, so Maroni.

Tremonti suchte den Angriff Maronis abzuwehren - es sei nicht seine persönliche Einstellung, die ein solch rasches Reagieren verhindere. Er habe diesbezüglich gute Ideen, allerdings sei das Problem ein finanzielles. "Ich kann nicht in eine Bar gehen, für alle etwas zu trinken bestellen und auf die Frage, 'wer zahlt' antworten, 'das macht ihr'. Ich bin versucht zu sagen, ich mache euch die Reform und ihr bringt mir 80 Milliarden Euro", so Tremonti. Man dürfe die Staatsschuld aber nicht weiter vergrößern, schließlich sei Italien unter den meist verschuldetsten Staaten Europas, daher müsse man vorsichtig vorgehen.

Unterstützung bekam der Wirtschaftsminister kurz darauf von Lega-Chef Bossi, der die Zurückhaltung seines Kollegen guthieß. Spekulationen müssten vermieden werden, um nicht wie Griechenland zu enden, erklärte Bossi.

Innenminister Maroni rief indes auch Premier Berlusconi auf, zu agieren - Berlusconi solle sich mutig zeigen und schon am 22. Juni in der Abgeordnetenkammer sein Programm präsentieren. Neben der Steuerreform solle er sich vermehrt darum kümmern, den nordafrikanischen Flüchtlingsstrom in Süditalien zu stoppen.

Von: iri

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