Südtirol (Vermischtes)
02.08.2011 16:39 Artikel drucken

Tätigkeiten des vergangenen Betriebsjahres im Sozialbericht 2011

Bozen - Gestern hat sich die Ratskommission mit dem Sozialbericht des BSB befasst, heute Vormittag wurde er im Rathaus zuerst dem Stadtrat und dann den Medien vorgestellt: Die Veröffentlichung enthält sämtliche Zahlen und Fakten zu den Sozialdiensten in Bozen und ist damit eine "soziale Momentaufnahme" der Stadt, die auch Trends erahnen lässt und neue Ziele vorwegnimmt.

Der BSB ist eines der ersten Südtiroler "Unternehmen in öffentlicher Hand" und wurde vor knapp über zwölf Jahren von der Stadtregierung mit der Aufgabe betraut, die Sozialdienste autonom zu verwalten; er ist damit dem Stadtrat zu Rechenschaft verpflichtet und berät diesen in seiner Sozialpolitik.

Die Veröffentlichung des Sozialberichtes ist ein jährlicher Fixpunkt: Anlass, um Bilanz zu ziehen und das Datenmaterial allen Interessensträgern vorzustellen - Stadt Bozen, Land Südtirol, Sanitätseinheit und Körperschaften im Sozialbereich, aber auch MitarbeiterInnen und ehrenamtlichen HelferInnen und, nicht zuletzt, über die Medien auch den NutzernießerInnen der sozialen Dienste, der Bozner Bevölkerung. Außerdem ist der Sozialbericht ein wichtiges Werkzeug der Sozialpolitik, weil er die kritischen Aspekte und sozialen Veränderungen einer Gesellschaft aufzeigt und die wachsenden Bedürfnisse hervorhebt, wie Sozialstadtrat Mauro Randi erklärte.

Die Führungsspitze des BSB, Direktor Bruno Marcato und Vizedirektorin Manuela Gotto, haben heute Vormittag im Stadtrat und dann gemeinsam mit Sozialstadtrat Mauro Randi in einer Pressekonferenz im Saal der Baukommission im Bozner Rathaus den Sozialbericht vorgestellt und kommentiert. Dabei kamen Tendenzen zum Ausdruck: Als gesellschaftliche Wunden bezeichnete Stadtrat Randi a) Probleme rund um die "neue Armut", Arbeitslosigkeit und Sozialeingliederung, und b) um Familie und Elternschaft, die sich laut Aussagen der fünf Familienberatungsstellen der Stadt und der Sozialdienste ebenfalls "in Krise" befindet. Beim ersten Problem spielen sowohl der Kaufkraftverlust und die nicht gerade rosige Situation am Arbeitsmarkt eine Rolle, aber genauso der relativ hohe Lebensstandard, schlechte Schuldengewohnheiten und nicht erfüllbare Erwartungen der BürgerInnen gegenüber der öffentlichen Hand eine Rolle, so Stadtrat Randi.

Von Marcato positiv hervorgehoben wurden der hohe Zufriedenheitsgrad der BürgerInnen mit den unterschiedlichsten Sozialdiensten in Bozen (laut EKMA-MonitorCittà und verschiedene Zertifizierungskontrollen). Das Sozialsystem in der Landeshauptstadt ist ein integriertes System von öffentlicher und privater Hand: der BSB ein Betrieb mit ca. 764,82 vollzeitäquivalenten Beschäftigten und 269,93 konventionierten bzw. extern beauftragten Beschäftigten (rund 83% Frauen insgesamt bestätigen den Trend der weiblichen Beschäftigung im Sozialbereich).

Senioren, Menschen mit Behinderung, finanzielle Sozialhilfe und Kleinkinder: die wichtigsten Interventionsbereiche. Finanzielle Sozialhilfe und damit Armut im Vormarsch.

Im Tätigkeitsjahr 2010 betrugen die Gebarungskosten 76.179.089 Euro (Anstieg von 12,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ist wesentlich auf die Zunahme der Ausgaben für finanzielle Sozialhilfe zurückzuführen). Davon zahlten einen Großteil das Land (40.330.976 Euro), die Stadtverwaltung (9.652.745 Euro), aus Zuschüssen und Rückerstattungen vom Sanitätsbetrieb (3.961.183 Euro), aus direkten Beteiligungen der DienstaufsucherInnen und NutznießerInnen (19.508.720 Euro) und aus allfälligen Einnahmen (2.725.465 Euro).

Einsparungen von insgesamt 1,8 Mio. Euro wurden vor allem beim Personal- und Verwaltungsbereich getätigt.

42 Prozent der Ressourcen gingen in den Bereich Senioren (31.917.583 Euro), 16 Prozent in den Bereich Menschen mit Behinderung und in psychischer Notlage (12.199.828 Euro), ganze 15 Prozent in den Bereich finanzielle Sozialhilfe (11.375.155 Euro), 11 Prozent in den Bereich Kleinkinder (8.499.737 Euro), 8 Prozent in den Bereich Jugend-Minderjährige (6.098.737 Euro, 4% in den Bereich Erwachsene (3.069.179 Euro) und weitere 4 Prozent in den Bereich soziale Eingliederung (3.018.977 Euro).

Eine Daten-Auswahl:
Die Bozner Kinderhorte verfügen über 438 Plätze und die Kindertagesstätten über 166 Plätze (insgesamt 604), auf der Warteliste zum Jahresende waren 165 Kinder, ein Trend im Sinken seit dem letzten Jahr (30 Prozent weniger). Im Jahr 2010 haben sich 6.307 Personen an die 5 Familienberatungsstellen der Stadt Bozen gewandt, 1.153 Minderjährige wurden vom sozialpädagogischen Dienst betreut (im Vorjahr waren es 1.085; +6 Prozent; 41 Prozent davon aus familiären Beziehungsproblemen), 1.669 Erwachsene zwischen 19 und 64 Jahren ebenfalls vom sozialpädagogischen Dienst, bei den Senioren waren es 1.187 in den fünf Sprengelsitzen. 1.188 obdachlose Personen wurden 2010 in den verschiedenen Aufnahmezentren und Einrichtungen aufgenommen. Die Verarmungsgefahr ist ein großes Thema: 2.731 Personen haben soziale Mindesteinkommen und Zuschüsse in Anspruch genommen - die Gesamtausgabe für finanzielle Sozialhilfe im Jahr 2010 betrug 11.375.155 Euro.

Von: mk

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