Wirtschaft
14.10.2011 12:25 Artikel drucken

Mehr Geld für Obstbauern – Berger ist sekptisch

lpa

„Der Staat entscheidet über Anwendung“
Foto: lpa

Bozen - Die europäische Union soll 91,2 Millionen mehr für die Wein- und Apfelbauern im Trentino und in Südtirol beisteuern. Die Maßnahme ist Teil des neuen Programmes für die Landwirtschaft PAC, das gestern von der europäischen Kommission vorgestellt wurde. Doch Landwirtschaftslandesrat Hans Berger warnt vor allzu schneller Begeisterung.

Im Programm ist eine wesentliche Modifizierung der direkten Unterstützungsmaßnahmen für die Landwirte vorgesehen. Demnach werden die Beiträge nicht mehr entsprechend der Produktion, sondern nach Hektar ausgeschüttet.

Von der Änderung würden neben der Region Trentino-Südtirol auch die Abruzzen mit 69,9 Millionen mehr, die Toskana mit 67,3 Millionen zusätzlich sowie Sizilien (+108,2 Millionen) und Sardinien (+192,4 Millionen) profitieren. Venetien und die Lombardei stehen hingegen als Verlierer da. Sie würden 186,7 bzw. 220,5 Millionen weniger erhalten.

Deshalb hat auch der Präsident der Landwirtschaftskommission im Senat, Paolo Scarpa Bonazza, der selbst aus dem Veneto stammt, prompt reagiert. Er sprach von einer „inakzeptablen Enttäuschung“, und er warf der EU vor, die Bauern, welche eine extensive Landwirtschaft betreiben, weniger produzieren und mit Beiträgen rechnen, zu bevorzugen.

Der Trientner Regionalassessor Tiziano Mellarini ließ sich den Vorwurf der Faulheit allerdings nicht gefallen und verwies auf die Qualität der angebauten Produkte. Gemeinsam mit Südtirol und dem Bundeland Tirol sei es gelungen, eine wahre „Lobby für die Alpen“ aufzubauen. Dies habe Brüssel anerkannt.

Landwirtschaftslandesrat Hans Berger äußert sich hingegen vorsichtiger. „Es wäre zu schön, um wahr zu sein. Die Berechnungen aus Brüssel sind theoretischer Natur, die uns zu Recht belohnen würden. Allerdings muss man sich auch mit deren Anwendung auseinandersetzen“, so Berger.

Die Staaten könnten sich laut Berger zwischen einem nationalen Gesamtbeitrag oder für eine Aufteilung nach Regionen entscheiden. Die starken Regionen wie der Veneto oder die Lombardei würden eine Neuverteilung jedoch niemals akzeptieren, glaubt Berger. Er wäre bereits mit der Hälfte der Mehreinnahmen zufrieden. Gleichzeitig will er sich vor falschen Hoffnungen hüten.

Von: mk

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