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01.11.2011 08:52 Artikel drucken

„Kalter Krieg“ für Occupy Wall Street

apa

"Anmahnung einer alternativen Gesellschaft"
Foto: apa

New York - Tausende Menschen ziehen in New York nach wie vor gegen die Macht der Banken auf die Straße. Sie wehren sich dagegen, dass ihnen die Wall Street eine bestimmte Weltsicht aufgezwungen und aus allen Bereichen des Lebens ein Investment gemacht hat. Das sagt zumindest der US-Ökonom Gerald Davis.

Inzwischen kämpfen die campierenden Protestler aber auch mit ganz praktischen Problemen. Weil New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg Feuerwehrleuten unter Polizeischutz anordnete, auf dem besetzen Zuccotti Park in Lower Manhattan Generatoren und Dieselkanister zu entfernen, könnte der anbrechende Winter zu einem ernsten Problem für die Bewegung werden.

Obwohl man die Demonstranten zumindest nach außen hin gewähren lässt, scheint die dauerhafte Belagerung der Stadtverwaltung ein Dorn im Auge zu sein. Um sich vor der Kälte und dem ersten Schnee zu schützen, griffen die Aktivisten zu einer Notlösung: Sie strampeln jetzt auf pedalbetriebenen Generatoren, um Strom für Heizungen und die Küche, aber auch für Laptops und Handys zu erzeugen.

Davis erkennt in der Bewegung eine Reaktion auf gebrochene Versprechen. Den Menschen werde bewusst, dass die Wirtschaft ihnen weder die Sicherheit noch die Chancen bietet, die man ihnen verheißen hat.

Ein Grund, warum die Bewegung viele Kommentatoren frustriert, liege darin, dass sie keine spezifischen Forderungen, wie etwa „Stoppt den Vietnamkrieg!“ stellt. Stattdessen werde eine alternative Gesellschaft angemahnt.

Die Leute würden sich dagegen wehren, dass aus allem – auch aus ihren Kindern oder aus ihrer Ausbildung – ein Investment gemacht wurde, so Davis.

Gerade weil die Forderungen aber nicht präzise sind, sei es schwierig, eventuelle Erfolge der Bewegung vorherzusagen. Gleichzeitig sei die Politik durch das Fehlen einer eindeutigen Verhandlungsposition gezwungen, auf kreativere Weise Entscheidungen zu finden.

Die Leute seien einfach enttäuscht. „Ihnen wurde gesagt, wenn Du ein Haus kaufst, geht der Preis immer nach oben. Und wenn Du an der Börse investierst, gehst Du reich in Rente. Aber das ist nicht so. Die Leute wissen jetzt nicht mehr, wer ihnen Sicherheit bietet. Die Firmen haben mal stabile Beschäftigung geboten. Aber damit ist auch Schluss. Die Idee der Eigentümer-Gesellschaft aus der Ära Bush, in der jeder unabhängig von der Beschäftigung auch Kapitaleinkünfte hat, ist ein geplatzter Traum“, erklärt Davis. Insgesamt scheint das System, auf einer Seifenblase aufgebaut worden zu sein.

Trotzdem kann die Bewegung bereits einige Erfolge für sich verbuchen. Während früher die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich in den USA so gut wie kaum thematisiert wurden, tauchen jetzt in den Zeitungen auch kritische Selbstreflexionen über soziale Ungerechtigkeiten und negative Auswüchse im Finanzsystem auf.

Laut Davis besteht die Möglichkeit, dass aus der Bewegung – wie aus der Tea Party – eine Partei entsteht. Auf jeden Fall werde sich ihr Einfluss bei den kommenden Präsidentschaftswahlen bemerkbar machen.

Von: mk

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