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15.11.2011 07:09 Artikel drucken

Die nackte Wahrheit – eine Studentin kämpft für ihre Revolution

Revolution durch Blog und Internet
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Kairo – Die Ägyptische Studentin Aliaa Magda el Mahadi hat beschlossen, sich ihre Revolution nicht einfach von religiösen Kräften, Salafiten, Wahabiten und Islamisten wegschnappen zu lassen, und hat sich zu diesem Zweck etwas ausgedacht, das in ihrem Land eine unerhörte Provokation darstellt. Sie hat sich nackt und mit vollem Namen in ihrem eigenen Blog abgelichtet. Damit hat sie das selbe Mittel – Blog und Internet – gewählt, das auch schon erfolgreich die Revolutionen in den maghrebinischen Staaten ausgelöst hat.

Mag sein, dass es bei uns hier im „Westen“ heute abgedroschen klingt, nackt für irgendetwas zu posieren, doch in Ägypten riskiert die junge Frau ihr Leben für „ihre“ Revolution. Aliaa Magda el Mahadi zeigt sich in ihren Fotos einmal völlig nackt, dann mit Selbsthalterstrümpfen und roten Ballerinas als ägyptische Antwort auf den Slut-Walk, der das Recht der Frau auf sexy Kleidung ohne Belästigung einfordert, und schließlich mit einem dicken Band über Schambereich sowie Mund und Augen als Symbol für die verbotene Sexualität und Redefreiheit der Frau. Damit lehnt sie sich gegen so ziemlich alles auf, was in der islamischen Welt zu Gebote steht.

Mahadi selbst definiert sich in ihrem Blog als liberale, vegetarisch lebende Feministin, die seit ihrem 16. Lebensjahr Atheistin sei. Ein Paukenschlag in Ägypten. In nur wenigen Tagen sind hunderttausende wütender Protest-Emails, aber auch jede Menge Unterstützung für die mutige Studentin verzeichnet worden. Kritik kommt via Twitter nicht nur von Moslems und Christen, die sich hier ausnahmsweise einmal einig sind, sondern auch von Seiten mancher Frau, die findet, auf diese Weise würden die Frauen von den Männern niemals ernstgenommen werden.

Doch der Weckruf der Studentin ist klar. In Tunesien haben die Islamisten gewonnen, in Libyen haben die Konservativen schon mal vorsorglich die Scharia eingeführt, „wenn wir nicht aufstehen, nehmen sie uns die Revolution aus den Händen“. Darauf hat die feministische Studentin aber keine Lust. Sie bezeichnet ihre Tat als Aufschrei und „Protest gegen eine gewalttätige, rassistische Gesellschaft, in der sexuelle Belästigung und religiöse Heuchelei zum Alltag gehören“.

Während immer mehr Frauen, vor allem am Land, darüber jubeln wieder Schleier oder Niqab tragen zu dürfen, wie jetzt in Tunesien, versucht Mahadi unter Einsatz ihrer Unversehrtheit und ihres Lebens, den Strang, an dem die Gesellschaft zieht, ein Stück weit in die andere Richtung zu zerren. Wenn Mahadi Erfolg hat, könnte bald ein frischer Wind durch Nordafrika wehen, wie hierzulande 1968. Doch das ist alles Zukunftsmusik. In der Zwischenzeit wird die Studentin im Internet von ihren liberal gesinnten Landsfrauen und -männern als „Revolutionärin“ gefeiert. Die meisten ihrer Unterstützerinnen ziehen es dennoch vor, anonym zu bleiben.

 

 

 

 

Von: hp

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