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FH - 5-Tage-Woche: Am wenigsten wurde an die Kinder gedacht
Bozen - Große Probleme auf die gesamte Gesellschaft zukommen sieht der Landtagsabgeordnete und Landesparteiobmann der Freiheitlichen, Pius Leitner, aufgrund der von der Landesregierung verfügten 5-Tage-Woche. Er kritisiert vor allem die leichtfertige Aushebelung der Autonomie der Schulen und die Übergehung des Landeschulrates. Enttäuscht zeigt sich Leitner auch darüber, dass die SVP die Abhaltung einer aktuellen Debatte im Landtag verhindert habe.
„Die Anhörungen verschiedener Interessensgruppen am 30. Mai 2011 und am 20. Oktober 2011 im Südtiroler Landtag zur möglichen Vereinheitlichung des Schulkalenders erscheinen im Nachhinein als reine Alibiveranstaltungen. Unser Antrag auf eine aktuelle Debatte anlässlich der Juli-Landtagssitzung wurde wegen des Vetos eines einzelnen Abgeordneten abgelehnt. Mit dem Finanzgesetz 2012 wurde die Autonomie der Schulen außer Kraft gesetzt und die Voraussetzung für die flächendeckende 5-Tage-Woche geschaffen. Da ist die vorgesehene Möglichkeit, an den Oberschulen mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit auch die 6-Tage-Woche zuzulassen, reine Augenwischerei. Warum reicht nicht etwa eine einfache Mehrheit? Ganz einfach, weil man ein Drittel als Gegner leicht organisieren kann. Die Landesrätin Kasslatter Mur liefert selber die Begründung für diese Maßnahme: Es geht um Einsparungen bei Personal, Schülerbeförderung, Heizkosten und Mensa. Pädagogischen Grund gibt es laut Landesrätin keinen. Diese Aussage schlägt dem Fass den Boden aus. Die Kinder spielen offensichtlich bei der ganzen Diskussion die geringste Rolle und die Schulen scheinen künftig vor allem zu Aufbewahrungs- bzw. Abschiebeorten für Kinder zu werden. Der bisherige Freiraum ermöglichte es Schulvertretern und Eltern jenes Schulmodell auszuarbeiten, das den örtlichen Erfordernissen aller Schulbeteiligten am besten entspricht. Damit ist es nun leider vorbei“, so Leitner.
„Die Vorbehalte und Sorgen jener Eltern, dass den Schülern in einem gerafften Zeitrahmen Wissen eingetrichtert werden muss, ohne Rücksichtnahme auf notwendige Erholungsphasen, angemessene Lern- und Vorbereitungszeit und persönlichkeitsbildende Freizeitgestaltung, wurden allzu leichtfertig ignoriert. Das in Südtirol vorbildhaft funktionierende Ehrenamt läuft nun Gefahr, rückläufige Mitgliederzahlen beklagen zu müssen. Als nächstes wird der Landesregierung wohl die Ganztagsschule einfallen. Obwohl allgemein bestätigt wird, dass die 5-Tage-Woche ein Absinken des Bildungsniveaus zur Folge hatte, soll diese nun allen von oben verordnet werden. Auf künftige PISA-Studien darf man gespannt sein bzw. man muss sich darum sorgen. Kinder werden von Pädagogen und Psychologen gerne als junge Erwachsene bezeichnet. In diesem Sinne hätte ich mir von der Landesregierung erwartet, dass sie nicht schon den Kindern das erdrückende Korsett „Zeitplanung und -management“ anlegt, sondern ihnen neben der Schulzeit auch das Aufgefangensein in der Familie und einen zwangfreien außerschulischen Entfaltungsraum einräumt. Ich befürchte, dass der Katzenjammer nicht lange auf sich warten lässt“, so Leitner abschließend.
Von: mk



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