Kultur
26.01.2012 11:57 Artikel drucken

Pusterer Schützen gegen Kranzniederlegung am Innichner Beinhaus

ssb

Faschistisches Relikt
Foto: ssb

Innichen - Am 30. Jänner 2012 beginnt im Hochpustertal die Skimeisterschaft der Alpini.

Im vergangenen Jahr fand im Rahmen dieser Veranstaltung eine Kranzniederlegung am Beinhaus statt, an der sich auch der Innichner Bürgermeister Werner Tschurtschenthaler beteiligte.

In einem offenen Schreiben weist der Pustertaler Schützenbezirk auf die faschistische Geschichte dieses Bauwerks hin und bittet Bürgermeister Tschurtschenthaler nicht mehr an solch provokanten Aktionen der Alpini teilzunehmen.

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Werner Tschurtschenthaler!

Laut Medien findet vom 30. Jänner bis 04. Februar 2012 im Hochpustertal wieder die Skimeisterschaft der Alpini, genannt „Casta“ statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird wahrscheinlich wie voriges Jahr eine Kranzniederlegung beim Beinhaus von Innichen stattfinden.

Wir bitten Sie höflichst, sich nicht an der Kranzniederlegung an diesem faschistischen Bauwerk zu beteiligen und diese zu verurteilen. Mit dieser Kranzniederlegung werden tote Menschen als Grenzsteine missbraucht. Eine Glorifizierung des faschistischen Geistes darf in der heutigen Zeit keinen Platz mehr haben und muss aufs Schärfste verurteilt werden. Während die Südtiroler Volkspartei für die Aufstellung von erklärenden Tafeln bei den Beinhäusern eintritt, glorifizieren die Alpini weiterhin diese faschistischen Denkmäler.

Wir erlauben uns, kurz die Geschichte dieses faschistischen Beinhauses in Erinnerung zu rufen: Faschistische Machthaber haben im Zuge ihrer „nationalistischen Glorifizierung" die Gebeine von Soldaten, die in verschiedenen Teilen Italiens gefallen oder in Kriegsgefangenschaft verstorben sind, exhumiert und hier beigesetzt. Diese im Jahre 1939, also 21 Jahre nach Ende des I. Weltkrieges, errichtete Grabstätte soll bis heute eine völlig verdrehte Tatsache glaubhaft machen: Die in diesen Beinhäusern beigesetzten Soldaten wären im I. Weltkrieg für die "Befreiung Südtirols" gefallen. In Wirklichkeit haben die italienischen Truppen bei ihrem Angriffskrieg 1915–1918 gegen Österreich-Ungarn im südlichen Tirol nie nennenswerte Gebietsgewinne gemacht und Tiroler Boden de facto kaum betreten. Hier, abseits von den Kriegsschauplätzen, haben faschistische Machthaber zudem sogar Gefallene der österreichisch-ungarischen Streitkräfte in den Ossarien eingebaut, ihnen ihre deutschen Namen genommen und sie so zu „soldati italiani" gemacht.

Mit der Bitte um Ihre geschätzte Antwort verbleibt
hochachtungsvoll
der Bezirksmajor des Schützenbezirks Pustertal
Haymo Laner

Von: mk

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