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01.06.2013 12:44 Artikel drucken

Neues Labor des Zentrums für Biomedizin der EURAC vorgestellt

eurac

„Qualität des Gesundheitssystems von Erfolg der Forschung abhängig“
Foto: eurac

Bozen - Die erste Sequenzierung des menschlichen Genoms, die im Jahr 2007 abgeschlossen wurde, dauerte länger als zehn Jahre und beschäftigte mehr als 40 Forschungsinstitute weltweit. Heute kann dies mit neuen Geräten in wenigen Tagen erreicht werden. Auch die Infrastruktur des neuen Labors des EURAC-Zentrums für Biomedizin in Bozen Süd ist mit modernen Gerätschaften bestückt, unter anderem mit einem DNA-Sequenziergerät der neuesten Generation. Damit können die Forscher unter anderem krankhafte Veränderungen in Genen entschlüsseln und innerhalb kürzester Zeit große Datenmengen verarbeiten. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Impulse für die Diagnose und Behandlung von verbreiteten Krankheiten.

„Unser Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen - wie z.B. jenen einer alternden Gesellschaft und den damit verbundenen steigenden Gesundheitskosten. Die Qualität und die Effizienz unseres Gesundheitssystems hängt ganz wesentlich von den Erfolgen der medizinischen Forschung ab“, erklärte EURAC-Präsident Werner Stuflesser bei der Vorstellung des neuen Labors am Freitag, 31. Mai und unterstrich: „mit dem Zentrum für Biomedizin und mit diesem Labor liefern wir an der EURAC Grundlage und Infrastruktur für international sichtbare und anerkannte medizinische Forschung in Südtirol.“ Im neuen Labor des Zentrums für Biomedizin der EURAC wird vor allem an Erkrankungen des Nervensystems wie z.B. an Parkinson und an Herzkreislauferkrankungen geforscht. Letztere sind in Europa die häufigste Todesursache und für knapp 40% der Todesfälle in Südtirol verantwortlich. „Wir wissen wenig über die genauen Ursachen dieser Erkrankungen, da sie auf komplexen Zusammenwirkungen zwischen genetischen Faktoren, Umwelteinflüssen und Lebensgewohnheiten beruhen. Am Zentrum für Biomedizin – einer gemeinsamen Einrichtung der EURAC und des Sanitätsbetriebs – erforschen wir die Zusammenhänge all dieser Faktoren auf der Grundlage von Proben und Daten, die zum Teil aus Südtirol und zum Teil von internationalen Forschungspartnern stammen, welche ähnliche Studien durchführen“, erläuterte Peter Pramstaller, der wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Biomedizin.

Im Labor in Bozen werden zum einen genetische Studien durchgeführt: Der Zusammenhang zwischen Genen und bestimmten Krankheiten wird untersucht und krankheitsverdächtige Abschnitte der DNA werden entschlüsselt. Bei Parkinson sind beispielsweise bereits mehrere Veränderungen in den Genen ausfindig gemacht worden, die die Krankheit verursachen und beeinflussen können. Der Neurobiologe Andrew Hicks vom Zentrum für Biomedizin erläuterte: „Um diese Krankheitsmechanismen besser untersuchen zu können, benötigen wir ein Modell der Krankheit. Da wir z.B. im Fall von Parkinson den Patienten schwerlich betroffene Gehirnzellen entnehmen können, um diese zu erforschen, greifen wir auf neueste Technologien zurück. Diese ermöglichen es, einen Zelltyp in einen anderen umzuwandeln und so z.B. einfache Hautzellen von Parkinsonpatienten in Gehirnzellen umzubilden.“ Sobald das Labor komplett sei, können an diesen von der Krankheit betroffenen lebenden Zellen in Echtzeit verschiedene Gene „an- und ausgeschaltet“ werden, so Hicks. Mit speziellen Mikroskopen können die Bozner Forscher dann beobachten, wie die krankhaften Funktionen sich in der Zelle verändern bzw. wie sie unterbrochen werden können. Dies erlaubt es den Forschern, bestimmte Wirkstoffe am „menschlichen Modell“ der Krankheit zu testen und nicht nur Erkenntnisse über die Krankheit selbst, sondern auch Erkenntnisse über die beste Behandlung für jeden Patienten zu erlangen.

„Mit dem Zentrum für Biomedizin hat das Land in eine notwendige und nachhaltige Einrichtung investiert, die die klinische Forschung in Südtirol in Zusammenarbeit mit den Ärzten ermöglicht und am Ende jedem Südtiroler und unser aller Gesundheit zugutekommt“, unterstrich Landeshauptmann Luis Durnwalder. Oswald Mayr, der Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs bekräftigte: „Viele Ärzte wünschen sich mehr Unterstützung bei ihren Forschungsvorhaben und in ihrer wissenschaftlichen Weiterbildung. Das Zentrum für Biomedizin bietet unseren Ärzten mit einem Beratungsprogramm vor Ort im Krankenhaus seit rund einem Jahr inhaltliche und methodologische Unterstützung in ihren Forschungsvorhaben. Der Südtiroler Sanitätsbetrieb kann sich dadurch aktiver an der Forschung beteiligen und dadurch das Gesundheitswesen stetig verbessern.“

Abschließend zogen Werner Stuflesser und Peter Pramstaller ein Resümee über die Besonderheiten des Zentrums für Biomedizin der EURAC: „Wir haben in Südtirol durch die enge Vernetzung mit den Ärzten und Verantwortlichen des Sanitätsbetriebs und nicht zuletzt mit der Bevölkerung selbst die Möglichkeit, direkt und rascher Erkenntnisse zwischen medizinischer Grundlagenforschung und klinischem Alltag auszutauschen. Die meisten Forschungszentren sind hochspezialisiert, doch der größte Fortschritt geschieht heute an den Schnittstellen zwischen den verschiedenen Bereichen. Im Zentrum für Biomedizin arbeiten Ärzte, Molekularbiologen, Informatiker und Statistiker zusammen – wir verbinden Medizin mit Biologie und Technologie und verschiedene medizinische Bereiche unter einem Dach; dies alles mit dem Ziel, Diagnose, Behandlung sowie Vorsorgemaßnahmen für häufige Krankheiten zu verbessern.“

Zentrum für Biomedizin - Labor

Mitarbeiter:
50 – Molekularbiologen, Mediziner, Bioinformatiker, Statistiker, Labortechniker, Studienassistentinnen, Bioethiker, Verwaltungsmitarbeiter
    
Fläche:
1.300 m² insgesamt
- 600 m² Labor
- 550 m² Büros, Server-Räume, Garage

Gesonderte Räume:
-    Kälteraum (4°C): zur Aufbewahrung von Proben und Reagenzien
-    Waschraum: Produktion von sterilisiertem Wasser, Sterilisieren und Waschen von Glas- und Plastikwaren
-    Gelraum: Gel-Elektrophorese (Verfahren zur Auftrennung von DNA-Fragmenten und Proteinen)
-    Zelllabor: Kultivieren von Zelllinien, RNA-i Untersuchungen und Überexpression von Proteinen
-    Sequenzierraum: Sequenziergeräte zur Entschlüsselung von genetischem Material

Geräte:
-    Stickstofftanks: Aufbewahrung von Zellmaterial
-    Freezer (-80°C): Aufbewahrung von genetischem Material (DNA- und RNA-Proben)
-    Zentrifugen: zum Auftrennen von Flüssigkeiten mithilfe der Fliehkraft
-    Kodak Imaging Station: fertigt Fotografien an von Proteinen und DNA-Fragmenten
-    Sequenziergerät der neuesten Generation: zum Entschlüsseln von Genom-Abschnitten
-    PCR Maschinen: zum Vervielfachen (Amplifizieren) von DNA, um diese weiter untersuchen zu können
-    Spektralphotometer: misst z.B. Reinheit der DNA mithilfe von Wellenlängen
-    Elektrophoresegeräte: trennen DNA und Proteine in Fragmente auf
-    Standard Mixer/Shaker/Wasserbäder etc.

Proben/Material:
Bioproben (Plasma, Serum etc.) derzeit von ca. 5.000 Personen
gesammelt im Rahmen von MIKROS, CHRIS, DISP, Gesspark, ICD etc.

Schwerpunkte/Krankheitsbilder:
Die am häufigsten auftretenden Krankheiten in der Bevölkerung:
1.    Neurodegenerative Erkrankungen wie z.B. Parkinson, sowie Erkrankungen des Nervensystems wie Schmerz, Schlaf, Bewegungsstörungen
2.    Herzkreislauferkrankungen: Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Kardiomyopathien (Erkrankungen des Herzmuskels)
3.    Diabetes, Übergewicht, Fettstoffwechsel, Schilddrüse

Von: mk

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