Das Virus ist viel präsenter als viele wahrhaben wollen

107 Corona-Neuinfektionen in Österreich

Mittwoch, 01. Juli 2020 | 15:00 Uhr

Erstmals seit 16. April ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro Tag auf über 100 gestiegen. Der Löwenanteil der 107 Erkrankungen (Stand Mittwoch, 9.30 Uhr) entfiel mit 61 auf Oberösterreich, wo die Landesregierung einen Shutdown in fünf Bezirken für Schulen und Kindergärten verfügte. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) appellierte, Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln einzuhalten.

Mit 24 Neuinfektionen lag Wien auf Platz zwei, gefolgt von der Steiermark mit neun und Niederösterreich mit sieben. Aus Tirol wurden drei Erkrankungen, in Salzburg zwei und im Burgenland eine gemeldet. Bisher gab es in Österreich 17.873 positive Testergebnisse. Mit heutigem Stand sind österreichweit 705 Personen an den Folgen des Coronavirus verstorben und 16.497 wieder genesen.

Landeshauptmann Thomas Stelzer und seine Stellvertreterin Christine Haberlander (beide ÖVP) gaben bekannt, dass ab Freitag für eine Woche in fünf Bezirken – Linz Stadt, Linz-Land, Wels Stadt, Wels-Land und Urfahr-Umgebung – alle Schulen, Kindergärten sowie Betreuungseinrichtungen geschlossen werden. Zudem wurde die “dringende Empfehlung” ausgesprochen, Veranstaltungen in diesen Bezirken abzusagen.

Grund für die “drastischen Maßnahmen”, so Stelzer, sei der sprunghafte Anstieg der Infektionszahl. Von Dienstag auf Mittwoch ging sie um 61 auf 190 nach oben. Bereits davor war eine “dynamische Entwicklung” zu beobachten gewesen, ergänzte Haberlander. Vor allem an zahlreichen Schulen aber auch in Kindergärten traten neue Infektionen auf. Es sei ein Plus von insgesamt 124 Fällen zu verzeichnen.

Hauptverantwortlich ist ein Cluster der “Freien Christengemeinde” in Linz, wie auch Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) festhielt. Um eine weitere Verbreitung zu unterbinden, “wird derzeit auch ein behördliches Betretungsverbot nach dem Covid19-Maßnahmengesetz aller Veranstaltungsorte der Pfingstkirche geprüft”. In der Religionsgemeinschaft befinden sich zahlreiche Großfamilien aus Oberösterreich, die das Virus in den vergangenen Tagen in besagte Bezirke getragen haben.

Auch wenn das Kontaktpersonenmanagement laufe und entsprechend Quarantäne angeordnet worden sei, habe sich das Land in Absprache mit dem Gesundheitsministerium am Mittwoch dazu entschieden, in den fünf Bezirken Schulen, Kindergärten sowie Horte und Krabbelstuben zu schließen. Dort, wo Eltern eine Kinderbetreuung benötigen, werde diese aber wie auch schon beim Shutdown angeboten, stellte Haberlander klar.

Auch bei einer Grazer Baufirma ist am Dienstagabend ein Covid-19-Cluster festgestellt worden: Zehn Personen wurden positiv getestet. 40 Bedienstete wurden untersucht. “Wir haben alle positiv getesteten Personen sofort kontaktiert, um die Infektionsketten und mögliche weitere Ansteckungen festzustellen und wir haben allen Personen eine behördliche Quarantäne verordnet. Ab Mittwoch testen wir die anderen Mitarbeiter dieser Firma”, berichtete Eva Winter, Leiterin des Gesundheitsamtes. Die Ergebnisse für diese weiteren 60 Personen dürften am Donnerstag vorliegen.

Laut Anschober gäbe es keine Hinweise, dass es durch die Öffnungen in dem jeweiligen Bereich zu massiven Erhöhungen gekommen ist. Die Ausbrüche seien bisher nur regional, sagte er am Mittwoch. Die Situation auf Bundesebene wäre stabil. Dies bleibe aber nur dann so, wenn wir, wo es zu sichtbaren Clusterbildungen kommt, “sehr konsequent reagieren”.

Wichtig sei schnelles Kontaktpersonenmanagement – “da geht es um jede Stunde”, meinte der Ressortchef. Es gehe auch um das Risikobewusstsein der Bevölkerung, “manche sind müde geworden”. Die Grundregeln wie Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln müssten eingehalten werden.

Von: apa

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