In Innsbruck steht ein 35-Jähriger wegen Mordverdachts vor Gericht.

13 Jahre Haft für 35-Jährigen nach Tod der Freundin in Tirol

Donnerstag, 14. Juli 2022 | 17:23 Uhr

Ein 35-Jähriger, der sich am Innsbrucker Landesgericht wegen Mordverdachts an seiner Lebensgefährtin verantworten hatte müssen, ist am Donnerstag schlussendlich wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Laut Anklage soll er die Frau im November 2021 derart massiv verletzt haben, dass sie am Folgetag verstarb. Auch der Sachverständige hatte “schwere körperliche Misshandlung” geortet. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Die acht Geschworenen würdigten die im Beweisverfahren vorbrachten Gutachten und Zeugenaussagen und kamen nach rund zweistündiger Beratung schließlich einstimmig zum Schluss, dass der Mann keine Tötungsabsicht verfolgte. Richterin Nadja Obwieser sprach von einem Strafausmaß, das der “Schuld und Tat angemessen” sei und führte die “eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit” des mehrfach vorbestraften 35-Jährigen, der zum Tatzeitpunkt auf Drogen war, sowie den Umstand, dass seine letzte Verurteilung lange zurück läge, als mildernde Umstände ins Treffen. Seine Vorstrafenbelastung, wie auch die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um seine Lebensgefährtin und damit um eine Angehörige handelte, wirkten sich hingegen erschwerend auf das Urteil aus.

Der gebürtige Serbe hatte zuvor vor Gericht unter Tränen seine Unschuld beteuert. Der sachverständige Gerichtsmediziner Walter Rabl stellte in seinem Gutachten “zahlreiche Gewalteinwirkungen” fest und sprach von “schwerer körperlicher Misshandlung” durch “massive Schläge und Tritte gegen Kopf und Oberkörper”. Die 28-Jährige sei am Tag nach der mutmaßlichen Tat – am 25. November 2021 – in der Innsbrucker Klinik letztlich aber an einer Hirnblutung verstorben. Diese Einblutung sei “kaum auf eine direkte Schlageinwirkung” zurückzuführen, sondern auf ein “dynamisches, schwungvolles Sturzgeschehen mit Aufprall des Hinterkopfs”, führte Rabl aus. Zudem sei ihr Hirndruck gestiegen und sie habe Blut eingeatmet, das aus einer schweren Verletzung der Oberlippe stammte.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer vor den Geschworenen von einem “eindeutigen Tatgeschehen” gesprochen und unterstrichen, dass der Angeklagte im Zuge seiner Gewalthandlungen die Frau auch am Kopf gepackt und gegen eine glatte Oberfläche geschleudert haben könnte. Schließlich seien Haarbüschel und Blutspuren in der Wohnung sichergestellt worden. Dass der Angeklagte vorsätzlich handelte, stand für die Staatsanwältin fest, sowie auch der Umstand, dass die Verletzungen der Frau durch Tritte und Schläge des Beschuldigten verursacht worden waren.

Die junge Frau sei am 23. November gestürzt, als sein Mandat gar nicht in der Wohnung war, lautete indes die Argumentationslinie des Verteidigers. Sie sei aufgrund gesundheitlicher Probleme mehrmals gegen unterschiedliche Gegenstände in der Wohnung gefallen und habe sich dabei so schwer verletzt. Der Beschuldigte habe versucht, ihr zu helfen und sie überreden wollen, in die Klinik zu fahren. Mehrmals wiederholte er, dass sein Mandant unter dem Einfluss von Drogen gestanden sei. Er gebe kein Motiv, die beiden hätten eine knapp siebenjährige, harmonische Beziehung geführt, so der Verteidiger weiter.

Der 35-Jährige muss nun zudem Begräbniskosten in der Höhe von rund 3.900 Euro bezahlen. Einem von der Mutter der Verstorbenen erhobenen Anspruch auf Dauerschmerzengeld in der Höhe von 20.000 Euro wurde indes nicht stattgegeben. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes hätten dem Mann 20 Jahre bis lebenslange Haft gedroht.

Von: apa

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