Luchse sind streng geschützt

15.000 Euro Belohnung nach Fund eines Luchs-Kadavers

Freitag, 08. September 2017 | 16:45 Uhr

Nach der Auffindung eines Luchs-Kadavers am Dienstag im bayerischen Schneizlreuth nahe der Grenze zu Salzburg wird nun ermittelt, wie das Tier zu Tode gekommen ist und wer den Kopf und die Vorderpfoten abgetrennt hat. Im Fall einer Straftat haben der WWF Österreich und die Bayerische Gregor Louisoder Umweltstiftung 15.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Verurteilung des Täters führen.

Ein Abgleich des Fleckenmusters hat ergeben, dass es sich bei dem Luchs um das seit 2015 aus dem Pinzgau bekannte Männchen “Alus” handelt. Es wurde im April 2014 im Rahmen eines Artenschutzprojektes des WWF Österreich in Zusammenarbeit mit Wildbiologen und Wissenschaftlern aus Italien im Friaul ausgewildert. Wie der WWF am Freitag informierte, sollten “Alus” und ein gleichzeitig ausgewildertes Weibchen gemeinsam mit den ein bis zwei im Friaul ansässigen Artgenossen einen kleinen Luchs-Bestand im Dreiländereck Österreich-Italien-Slowenien bilden.

“Alus” hat allerdings kurz nach der Aussiedlung seinen Sender verloren. Laut WWF ist er 2015 im Salzburg-Bayerischen Alpenraum wieder aufgetaucht. Zuletzt habe die Louisoder Umweltstiftung den Standort des Tieres im Mai per Fotofalle nachweisen können. Ob der Luchs wie viele andere in Bayern und Österreich einer Straftat zum Opfer gefallen sei, werde erst die pathologische Untersuchung beweisen, hieß es. Regelmäßig würden Luchse verschwinden, die im Erwachsenenalter eigentlich standorttreu leben. Einige würden nicht mehr auffindbar sein, andere würden nach einer Vergiftung oder einem Abschuss entdeckt.

“Illegalität ist das größte Problem beim Schutz des Luchses”, erklärte WWF-Artenschutzexperte Christian Pichler. “Wir müssen alles daran setzen, diesen Kriminellen das Handwerk zu legen, damit der Luchs nicht das gleiche Schicksal erleidet wie der Braunbär in Österreich: Er ist 2011 zum zweiten Mal ausgestorben.” Es sei denkbar, dass Luchs “Alus”, der immer wieder im Grenzgebiet unterwegs war, auf österreichischem Staatsgebiet getötet und von der Saalach nach Bayern geschwemmt wurde. Der Kadaver wurde im Saalachsee im sogenannten “Kleinen Deutschen Eck” gefunden.

Der Luchs ist durch die nationale und europäische Naturschutzgesetzgebung streng geschützt. Ganzjährig geschont, darf er nach Angaben des WWF nur in einem begründeten Ausnahmefall, etwa wenn Gefahr im Verzug besteht, “entnommen” werden. Da eine menschliche Manipulation am Körper von “Alus” nicht ausgeschlossen werden kann, erstattete das bayerische Landesamt für Umwelt eine Strafanzeige beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd.

Zur Klärung des rätselhaften Falles wurde eine Ermittlungsgruppe bei der bayerischen Polizeiinspektion Bad Reichenhall betraut. Grundlegende Erhebungen wie Untersuchungen am Fundort des Kadavers und Zeugenbefragungen sind bereits angelaufen. Derzeit gebe es keine neuen Erkenntnisse, sagte am Freitag ein Sprecher des bayerischen Landesamtes für Umwelt auf Anfrage der APA.

Weil es durchaus der Fall sein kann, dass der Luchs auf österreichischem Boden zu Tode kam, wird auch in Österreich ermittelt. Die Polizisten in Bayern stehen in Kontakt mit den Kollegen der Polizeiinspektion Lofer im Salzburger Pinzgau. Ein Informationsaustausch sei bereits erfolgt, erklärte am Freitag eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Salzburg.

Um eine mögliche Straftat aufklären zu können, bittet der WWF um Hinweise in Deutschland per E-Mail an bayern-wild@umweltstiftung.com. In Österreich sollten Hinweise an das Landeskriminalamt Salzburg, Telefonnummer 059 133 50 3333, gerichtet werden.

Von: apa