23-Jährige stirbt in Brüssel

23-Jährige überlebt Terroranschlag – sechs Jahre danach folgt die Euthanasie

Montag, 10. Oktober 2022 | 10:39 Uhr

Brüssel – Vor sechs hat Shanti De Corte ein Attentat der islamistischen Terrormilz IS auf dem Flughafen in Brüssel wie durch ein Wunder überlebt. Nun ist sie im Alter von 23 Jahren gestorben.

Die junge Frau aus Antwerpen soll schon vorher unter psychischen Problemen gelitten haben, doch das Trauma des Attentats und der Anblick der vielen Todesopfer hat sie seit dem 22. März 2016 nicht mehr losgelassen.

Die damals noch Minderjährige hatte sich mit rund 90 Mitschülern auf dem Flughafen befunden. Geplant war ein Ausflug nach Rom. Der Tag schien vielversprechend, doch er endete in einer furchtbaren Tragödie: Zwei Attentäter jagten zwei Bomben in die Luft und töteten 16 Menschen. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Auch die Terroristen kamen ums Leben.

Seitdem hat sich für Shanti alles verändert. Sie fiel in Depressionen, aus deren Umklammerung sie sich nicht mehr lösen konnte. Das Leben wurde zu einem wahren Martyrium innerhalb und außerhalb von psychiatrischen Kliniken. Im Jahr 2018 hatte ein anderer Patient in einer Klinik sogar versucht, sich an ihr sexuell zu vergehen. Sie war vollgepumpt mit Medikamenten. „Ich nehme mehr Tabletten zum Frühstück, ohne sie könnte ich nicht überleben“, erklärte sie. Elf Antidepressiva am Tag waren es. „Mit all diesen Medikamenten, die ich zu mir nehme, komme ich mir vor wie ein Gespenst. Ich fühle nichts mehr“, soll sie ebenfalls gesagt haben.

Schließlich dachte sie über Euthanasie nach, um ihr einen „würdigen Tod“ zu ermöglichen. In Europa ist dies in einem Fall wie in ihrem nur in Luxemburg und in Holland erlaubt. Ihr Antrag wurde von der zuständigen Kommission gutgeheißen. Zwei Psychiater gaben im Rahmen eines Gutachtens grünes Licht.

Ihr Leben wurde am vergangenen 7. Mai im Beisein ihrer Eltern beendet. Sie fühle sich von ihren Albträumen befreit. „Ich habe gelacht und geweint bis zum letzten Tag meines Lebens“, schrieb Shanti De Corte auf ihrem Facebook-Profil. Nun gehe sie in Frieden. „Ihr sollt wissen, dass ihr mir jetzt schon fehlt.“ Der Fall der 23-Jährigen sorgt nun erneut für Schlagzeilen, weil ein bekannter belgischer Neurologe die Entscheidung kritisiert hat, der Euthanasie stattzugeben. Trotzdem stellte auch der Neurologe klar, dass sich die verantwortliche Kommission eindeutig innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegt habe. Die junge Frau habe derart mentales Leid durchlebt, dass man ihrem Wunsch stattgegeben habe, betonte der Neurologe.

In Italien wurde Kritik vor allem aus dem rechten Lager laut. Der belgische Staat habe Shanti De Corte umgebracht, twitterte der Journalist und Politiker Mario Adinolfi.

Von: mk

Kommentare

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21 Kommentare auf "23-Jährige überlebt Terroranschlag – sechs Jahre danach folgt die Euthanasie"


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Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 16 Tage

warum soll ein Mensch nicht von Seinem Leid erlöst werden dürfen?

tresl1857
tresl1857
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

@Sag mal: bini gonz deiner meinung. so traurig des isch, ober wenn des nit asou passiert war, donn hat sie sich vielleicht selber eppes ungetoun. und kuaner konn verstian wia schlimm des fir der ormen sein gwesn muas. des isch a groaser schritt, sicher nit ohne grund.
Ruhe in Frieden

Staenkerer
1 Monat 15 Tage

jo, jene de in so a körperlich elender verfossung sei das se alloan nimmer in der loge sein sichs lebn zu nehmen sollen hilfe suachn derfn um mit dem letztn bisl würde sterbn zu dürfn!
ober ob a körperlich gsunde junge frau de a kriegn soll?

Tata
Tata
Superredner
1 Monat 15 Tage

@Staenkerer sie wor ebm in a mentaler elender Situation…lei weil a Leidn sich net körperlich zoag, hoasts net, dassis net do isch…

Staenkerer
1 Monat 15 Tage

@Tata ober se wor körperlich in der loge de endscheidung selber durchzuführn und hat de gewissenslost nit onderen aufbürden müßen!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

Was für eine unmenschliche und vor allem inkompetente Ausage des rechten italienischen Lagers!
WAS GEHT EUCH DAS AN!?
Das lässt darauf schließen was uns bald blühen wird!

Anna
Anna
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage
Hätte man ihr die Euthanasie nicht bewilligt, so hätte sie ihrem Leben irgendwann selbst und ohne Hilfe ein Ende gesetzt und das geht oft nicht schmerzfrei und tragisch vonstatten. Menschen die noch nie an Depressionen oder sonstigen psychischen Krankheiten gelitten haben, können und dürfen so eine Entscheidung nicht verurteilen.  Euthanasie sollte meiner Meinung nach sowieso viel mehr Thema werden. Aber lieber lässt man z.B. Menschen in komaähnlichen Zuständen vor sich hinvegetieren und hält sie mit Ach und Krach so lang wie nur irgend möglich am Leben, dass man ja lang genug noch Geld für ihre Betreuung kassieren kann. Jedes Tier… Weiterlesen »
Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Ich kann es nicht nachvollziehen, dass die Psychiatrie bei einer 23jährigen, was immer sie auch erleiden musste, am Ende ihres Könnens war.
Diese Entscheidung ist ein Armutszeugnis für die Psychiatrie und zeigt, wie limitiert deren Fähigkeiten eigentlich sind.

WeHaveAProblem
WeHaveAProblem
Superredner
1 Monat 15 Tage

@Eppendorf Der Mensch ist eben keine Maschine. Pillen helfen auch nicht immer. Zudem geht mit jeder Wirkung auch eine Nebenwirkung einher. Wenn du nicht glücklich bist oder dich innerlich leer fühlst, können Medikamente leider auch nichts daran ändern.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

@Eppendorf die Psychiatrie ist öfters nicht in der Lage, Menschen zu helfen. Auch so manchen sehr jungen Menschen nicht.

katinka
katinka
Tratscher
11 Tage 2 h

Anna da stimme ich dir vollkommen zu!
Es wäre wirklich ein wichtiges Thema

katinka
katinka
Tratscher
11 Tage 2 h

@WeHaveAProblem
Ganz genau!

moler
moler
Superredner
1 Monat 16 Tage

ja weil jetzt die Medizin kein Geld mehr an diesem armen zerstörten Menschen verdienen kann.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 16 Tage
Depressionen sind oft genug die Hölle auf Erden. Ich bezweifle aber, dass sie bei einer 23jährigen mit Sicherheit einer unbehandelbaren Krankheit entsprechen. Häufig geht es auf und ab, mal besser, mal schlechter. Mitunter verlaufen sie chronisch, aber ohne Aussicht und Lichtblick sind sie meines Wissens nicht! In diesem jungen Alter ändert sich auch die Hirnfunktion. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Experten voraussagen können, dass sich in ihrem Fall nichts mehr an ihrem psychischen Zustand ändern wird, egal welche Therapie versucht wird. Abgesehen davon ist eine depressive Person per Definition kaum zu einer solchen Entscheidung fähig, gehört… Weiterlesen »
Tata
Tata
Superredner
1 Monat 15 Tage

du sagst es ja eh schon…du kannst es dir nicht vorstellen…und ja, in jedem Bereich der Medizin gibt es Grenzen, auch im Bereich Psychiatrie!

Stern
Stern
Grünschnabel
1 Monat 16 Tage

I bin gschockt. Wosses net ols gib. Sehr traurig 😔. Ruhe in Frieden!

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 15 Tage

Ih find deis olbm nou besser, als dass setta Leit vour an Zug, oder vour an Loster hupfn, und Unschuldige mit inniziachn. R. I. F.

Eric73
Eric73
Tratscher
1 Monat 15 Tage

Was für ein tragisches junges Leben!

Gut, dass sie offiziell gehen durfte und sich nicht auf andere Weise töten musste – es war ja ganz offensichtlich IHR einzig möglicher Weg.

RIP

geranie
geranie
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

Jedes Tier terf fa seinen Leiden befreit werdn.Obr dr Mensch muass oft leiden bis ihn dr Tod erlöst.Find des net menschenwürdig.Jeder Mensch sollet selbr is Recht obm,über sein Leben zu entscheiden…

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 15 Tage
@Geranie: grundsätzlich würde ich ja zustimmen. Bei nicht behandelbarem Leid wird das Leben nur zur Plage. Ja, da sollte jeder und jede selbst das eigene Leben beenden dürfen. Es gibt genügend solcher Krankheiten: manche terminale Tumore, schwerwiegende neurologische Erkrankungen, schwerwiegende Stoffwechselerkrankungen usw. Bei Depressionen tue ich mir aber, insbesondere bei einer 23jährigen sehr schwer. Da muss ich aus ethischer Sicht mal tief durchatmen. Es tun sich mir viele schwierige Fragen auf: was, wenn sie in ein paar Jahren diese Depression wieder überwunden hätte? Niemand kann das nämlich mit Sicherheit sagen! Wo ist die Grenze (wie lange muss man depressiv sein,… Weiterlesen »
magari
magari
Superredner
1 Monat 15 Tage

“Journalist und Politiker” ist die ausübung als Journalist überhaupt erlaubt wenn man Politik macht? Wär mir neu …

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