Aum Shinrikyo auf einer Aufnahme von 1995

23 Jahre nach Giftgasattacke: Sekten-Chef hingerichtet

Freitag, 06. Juli 2018 | 12:10 Uhr

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem verheerenden Giftgasanschlag auf die U-Bahn in Tokio sind der damalige Chef und sechs weitere Mitglieder der Aum-Shinrikyo-Sekte hingerichtet worden. Die japanische Justizministerin Yoko Kamikawa bestätigte, dass Shoko Asahara und sechs seiner Mitstreiter am Freitag gehängt wurden.

Es waren die ersten Hinrichtungen im Zusammenhang mit der Nervengasattacke mit 13 Todesopfern und tausenden Verletzten, welche die Welt schockiert hatte. Asahara und sechs weitere Mitglieder der Aum-Sekte seien wegen der “extrem grausamen und schwerwiegenden Taten, die beispiellos waren und nie wieder passieren sollten”, hingerichtet worden, erklärte Justizministerin Kamikawa. Es waren die größten zeitgleich stattfindenden Hinrichtungen in Japan seit mehr als hundert Jahren: 1911 waren elf Menschen wegen eines geplanten Attentats auf den Kaiser gehängt worden.

Weitere sechs Sektenmitglieder sitzen wegen des Anschlags in Tokio noch im Todestrakt. Insgesamt war mehr als 190 Aum-Mitgliedern der Prozess gemacht worden. Bei dem Anschlag am 20. März 1995 hatten die Attentäter der Aum-Sekte während des Berufsverkehrs das Nervengas Sarin in der Tokioter U-Bahn freigesetzt. 13 Menschen wurden getötet und mehr als 6.000 weitere verletzt.

Das Gift war an fünf Orten in der Tokioter U-Bahn in flüssiger Form freigesetzt worden. Der Anschlag legte die japanische Hauptstadt lahm und verwandelte sie in eine regelrechte Kriegszone: Verletzte mit tränenden Augen rangen um Luft, andere hatten Schaum vor dem Mund und brachen zusammen, einigen lief Blut aus der Nase.

Die Tat hatte weltweit für Entsetzen gesorgt und zu einem rigorosen Vorgehen der Behörden gegen die Sekte geführt. Inzwischen ist die Sekte unter dem Namen Aleph bekannt. Der fast blinde Asahara war im Jahr 2000 offiziell verstoßen worden, Experten zufolge soll er aber weiter starken Einfluss auf die Gruppe gehabt haben.

Die Hinrichtung der sieben Sektenmitglieder stieß bei einigen Überlebenden am Freitag auf Erleichterung: “Als ich die Nachricht hörte, reagierte ich ruhig”, sagte der Filmemacher Atsushi Sakahara, der bei dem Anschlag verletzt worden war. “Aber ich hatte das Gefühl, dass die Welt ein bisschen heller geworden ist.” Er leide seit Jahren an den Folgen der Attacke und werde sie nie vergessen. “Aber die Hinrichtung bringt eine Art Abschluss.”

Shizue Takahashi, deren bei der U-Bahn beschäftigter Mann bei dem Anschlag getötet worden war, sagte vor Journalisten, Asahara habe den Tod “verdient”. Mit den Hinrichtungen sei ein Gerichtsurteil vollstreckt worden, “also von meiner Seite keinerlei Tränen”.

Trotz der Grausamkeit des Anschlags hatten einige Experten vor einer Hinrichtung der Täter gewarnt. Der Tod Asaharas könne einen neuen Sektenführer hervorbringen, möglicherweise Asaharas zweiten Sohn. Überdies gab es Warnungen, die Exekutionen könnten die Täter in den Augen ihrer Anhänger zu Märtyrern machen.

Die japanischen Behörden erklärten, sie befänden sich wegen möglicher Vergeltungsakte im Alarmzustand. Japanischen Medien zufolge erschien die Polizei bei Gruppierungen, die Verbindungen zur Aum-Sekte und ihrer Nachfolgeorganisation unterhalten sollen.

Japan gehört zu den wenigen Industrieländern, die an der Todesstrafe festhalten. Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Hinrichtungen vom Freitag. Die Todesstrafe könne “nie die Antwort” sein, erklärte Amnesty International.

Von: APA/ag.

Kommentare

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10 Kommentare auf "23 Jahre nach Giftgasattacke: Sekten-Chef hingerichtet"


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ADI63
ADI63
Neuling
11 Tage 5 h

Gut so!

Sag mal
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Universalgelehrter
10 Tage 23 h

Warum so lange warten?!

Ralph
Ralph
Superredner
10 Tage 22 h

ein staat kann doch nicht einen menschen geplant umbringen

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
10 Tage 18 h

@Ralph…. ach. ABER Er darf das?!

Paul
Paul
Universalgelehrter
11 Tage 4 h

bravo , von denen kann die EU lernen

pusteblume
pusteblume
Grünschnabel
11 Tage 56 Min

i glabs nit, wia viele ba den thema die Daumen hoch drücken, bei wirklich bescheuerten Kommentaren. die Todesstrafe gehört nicht ins 21. Jahrhundert, und hoffentlich nimmt sich die EU KEIN Beispiel daran….

kik
kik
Tratscher
10 Tage 19 h

ist überfällig! jeder Vergewaltiger Mörder und Dealer gehört an den Galgen.

Nobodyisperfect
Nobodyisperfect
Grünschnabel
10 Tage 16 h

Warum nicht? Wenn jemand mit Absicht das Leben eines oder mehrer anderen Menschen auslöscht, dann hat er keine andere Strafe verdient. Du würdest anders reden, wenn einer deiner geliebten Menschen dabei zu Tode gekommen wäre. Denkmal darüber nach.

Mastermind
Mastermind
Superredner
10 Tage 18 h

Dann könnte man den französischen Attentäter und seine Helfershelfer alle hängen, die haben unzählige verwundet und 130 Menschen mit Sturmgewehre abgeschlachtet, sind ein wenig mehr Todesopfer als wie 13 oder Brevik der über 80 Kinder erschossen hat.

Staenkerer
10 Tage 17 h

i bin der meinung das man sich, wenn man an mörder zum tode verurteilt sich auf sein niveau begib und somit nit besser isch als er, … ober wie man ba ins sog: wer 💩 ungreift mocht sich dreckig!
ober ba einige schun lei deswegn, es mitleid hällt sich do sehr in grenzen!

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