Ein 46-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten

25-Jährige entführt und vergewaltigt: Prozess in Krems

Montag, 14. Mai 2018 | 14:33 Uhr

Das 24-stündige Martyrium einer jungen Frau, die vergangenen Sommer von einem Badesee im Waldviertel weg entführt und vergewaltigt wurde, ist am Montag Prozessgegenstand in Krems gewesen. Ihrem Peiniger (46) werden Freiheitsentziehung, geschlechtliche Nötigung, Vergewaltigung, schwere Nötigung, Sachbeschädigung, sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen vorgeworfen.

Die für Montag und Mittwoch angesetzte Verhandlung, die auf großes Medieninteresse stieß, fand nach dem Anklagevortrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Staatsanwältin beschrieb dem Schöffensenat die Tortur, der die 25-Jährige ausgesetzt war, bis sie an einen Punkt gelangte, wo ihr der Tod als Erlösung von ihren Qualen erschien. Die kriminelle Vorgeschichte des Angeklagten, der 13 einschlägige Vorverurteilungen – vorwiegend wegen sexueller Vergehen – aufweise, zeige, dass er sich am Leid und Ekel von Frauen errege. Der Mann sei zurechnungsfähig, leide aber an einer geistig-seelischen Abartigkeit höheren Grades, weshalb neben Bestrafung die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragt werde.

Die Anklägerin sprach von einem Tatplan, den der im Mostviertel wohnende Mann gefasst habe, als er am 29. Juli 2017 mit seinem Kleinbus ins Waldviertel fuhr. In der Früh habe er sich zunächst “in Stimmung bringen” wollen, indem er in einem Kurpark onanierte – und eine vorbeigehende Passantin nach einem Taschentuch fragte. Dann fuhr er zu einem Badesee, stieg auf sein Fahrrad und hielt nach einem Opfer Ausschau, “das er leider auch fand”, so die Staatsanwältin. Er radelte zum Fahrzeug im Wald zurück, tarnte sich mit Perücke und Brille und bat die 25-Jährige unter dem Vorwand, er müsse etwas reparieren und brauche wen zum Halten, ihn zum Kleinbus zu begleiten.

Die junge Frau sah die verklebten Scheiben und im Wageninneren eine Holzkiste und bekam es mit der Angst zu tun, worauf der Mann sie beschwichtigt habe, die Reparatur würde “eh ganz schnell” gehen. “Sie stieg in den Bus – das war, wie sie später aussagte, ihr größter Fehler”, so die Anklägerin. Der Mann hielt die 25-Jährige fest, klebte ihr den Mund zu und fesselte sie mit Kabelbindern – “sie hatte keine Chance mehr”. Der Angreifer drohte mit dem Einsatz von K.O.-Spray, zwang sie in die schmale, innen verkleidete Kiste und schlug den Deckel zu. Das Opfer dachte, es würde in dem engen Gefängnis sterben, ersticken.

Nach der 70 Kilometer langen, von einem Stopp mit Angriffen unterbrochenen Fahrt, legte der Mann seinem Opfer in der Garage seines Hauses eine Schelle um den Hals an und führte es an einem Stahlseil ins Haus, wo es in der Folge zu stundenlangen Erniedrigungen und Vergewaltigungen kam. Die Staatsanwältin schilderte grausame Details des Martyriums, Wehren war zwecklos.

Am folgenden Tag brachte der 46-Jährige die gequälte Frau zurück ins Waldviertel, wobei er ihr einschärfte, nicht zur Polizei zu gehen. Als sie das Fahrzeug endlich verlassen durfte und geradeaus weggehen sollte, kamen ihr hintereinander zwei Autos entgegen – im zweiten ihre Eltern, die nach ihr gesucht hatten. Erst da sei ihr klar geworden, dass sie überlebt hatte, betonte die Staatsanwältin.

Der Beschuldigte habe sich nach seiner Festnahme dahingehend verantwortet, dass alles einvernehmlich geschehen sei. Dem stünden Beweise, Tatortspuren und die absolut glaubwürdigen, schlüssigen Aussagen der 25-Jährigen entgegen. Ihren Angaben sei zu danken, dass der Täter gefasst werden konnte und damit möglichen weiteren Opfern derartiges erspart worden sei.

Nach der Anklägerin schilderte die Privatbeteiligtenvertreterin die Todesängste, körperlichen Qualen, Demütigungen und die zunehmende Mutlosigkeit des Opfers. Die junge Frau hatte Verletzungen am ganzen Körper erlitten, leide an posttraumatischen Störungen und brauche eine Therapie, um “wieder halbwegs ins normale Leben” zurückzukommen.

Sein Mandant werde sich “im Wesentlichen schuldig” bekennen, sagte dessen Anwalt Peter Schobel. Er sei nicht hier, um das Martyrium der 25-Jährigen irgendwie zu relativieren, betonte der Verteidiger. Der 46-Jährige habe die ihm vorgeworfenen Taten begangen, aber nicht derart geplant wie von der Staatsanwaltschaft dargestellt, sondern spontan. Der Mann habe seinen Sexualtrieb nicht im Griff und ergötze sich am Entsetzen der Opfer, sei aber kein Monster, seine sexuelle Belästigungen seien jahrzehntelang auf demselben Level gewesen. In dem Wald an dem Badesee sei die Situation eskaliert, was er ursprünglich sicher nicht gewollt habe. Und: er habe sein Opfer letztlich freigelassen. Nun sei der 46-Jährige so weit, dass er nachvollziehen könne, was er damals angerichtet habe, erklärte der Rechtsanwalt.

Was der Angeklagte selbst im Anschluss dazu sagte, war nicht mehr für die Öffentlichkeit bestimmt. In dem Verfahren sollte den Schöffen via Video die Aussage des Opfers vorgeführt werden. Vier Gutachter sind geladen.

Von: apa