Mit einem Meißel nach Kindern geworfen

25-Jähriger soll anderen Asylwerber in NÖ erschlagen haben

Samstag, 05. Mai 2018 | 14:59 Uhr

Ein Nigerianer steht im dringenden Verdacht, einen anderen Asylwerber in Maria Enzersdorf (Bezirk Mödling) erschlagen zu haben. Festgenommen wurde der Mann am Donnerstagnachmittag, weil er mit einem Meißel nach Kindern geworfen haben soll. Einschreitende Polizisten wurden von ihm verletzt. Das berichtete die Polizei am Freitagabend.

Bereits am 1. Mai hatte der Verdächtige in der Asylunterkunft in der niederösterreichischen Gemeinde für Aufruhr gesorgt. Er schlug mit den Fäusten auf zwei afghanische Asylwerber ein und verletzte die Männer. Beamte der Polizeiinspektion Maria Enzersdorf zeigten den Angreifer an und belegten ihn mit einem Betretungsverbot für die Unterkunft. Dort wurde in der Nacht auf Donnerstag ein Asylwerber aus Bangladesch leblos aufgefunden und der Tod des 26-Jährigen als “bedenklich” eingestuft.

Das Landeskriminalamt nahm die Ermittlungen auf. Die Obduktion ergab, dass der Mann “mittels massiver stumpfer und komprimierter Gewalteinwirkung getötet wurde”, hieß es in einer Presseaussendung der Polizei. Es sei also von einem Fremdverschulden auszugehen. Die Tat dürfte zwischen 22.00 Uhr und 23.30 Uhr verübt worden sein, sagte Chefinspektor Johann Baumschlager der APA.

Während die Erhebungen wegen Mordverdachts liefen, erstattete ein Zeuge am Donnerstag gegen 16.30 Uhr Anzeige. Ein Mann würde bei einem Freizeitgelände im Gemeindegebiet von Maria Enzersdorf auf Bäume einstechen. “Beim Eintreffen mehrerer Streifen wurde der 25-jährige nigerianische Asylwerber auf einer Bank sitzend angetroffen. Dabei hatte er einen Meißel zwischen den Beinen liegen”, berichtete Baumschlager.

Während der Erhebungen sagten dort spielende Kinder aus, sie seien von dem Verdächtigen bedroht worden und dieser habe auch den Meißel nach ihnen geworfen. Es wurde offenbar aber kein Kind getroffen und auch niemand verletzt. Bei der Durchsuchung des Mannes nach möglichen weiteren Waffen wurde dieser äußert rabiat, begann auf die Beamten einzuschlagen und versetzte einem Polizisten einen Kopfstoß. Zwei Beamte wurden verletzt, der 25-Jährige festgenommen und schließlich in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert.

Ein Zusammenhang mit der Tötung ergab sich nicht nur durch das äußerst aggressive Verhalten des Beschuldigten. Auf dessen Schuh wurde eine “blutähnliche Anhaftung” festgestellt. Ein vom Gericht bewilligter DNA-Abgleich ergab eine “eindeutige Übereinstimmung” mit dem Blut der Leiche. Baumschlager ging davon aus, dass es sich bei dem Stahlmeißel um die Tatwaffe handelt. “Der Verdächtige schweigt”, sagte Baumschlager. “Aber anhand der Summe von Indizien ist für uns der Fall geklärt.”

Der 25-jährige Asylwerber war bereits zuvor wegen mehrerer Suchtgiftdelikte amtsbekannt, sagte Chefinspektor Johann Baumschlager der APA. Der Mann wurde in die Justizanstalt Wiener Neustadt gebracht, wo Untersuchungshaft beantragt wurde. Das Motiv sei derzeit noch unbekannt, der Verdächtige habe sich noch nicht geäußert, berichtete Baumschlager. Den psychischen Zustand des Asylwerbers wolle man seitens der Polizei nicht beurteilen, auch nicht ob Kontakt mit Drogen einen Einfluss auf die Tat gehabt habe.

Der 25-Jährige hatte bereits am 1. Mai zwei Asylwerber aus Afghanistan mit Faustschlägen verletzt und war daraufhin von der Polizei mit einem Betretungsverbot für die Unterkunft belegt worden. Er sei damit “kein Klient mehr gewesen” und hätte sich eigenverantwortlich um eine neue Herberge kümmern müssen, sagte eine Sprecherin der für die Asylunterkunft verantwortlichen Organisation auf APA-Anfrage. In der Nacht auf Donnerstag dürfte er sich jedoch unbemerkt wieder in die Unterkunft eingeschlichen haben, sagte die Sprecherin.

Von: apa