Sieben der Toten wurden enthauptet

25 Tote bei Ausschreitungen in brasilianischem Gefängnis

Montag, 17. Oktober 2016 | 13:05 Uhr

Bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Banden sind in einem brasilianischen Gefängnis mindestens 25 Insassen getötet worden. Sieben der Toten wurden enthauptet und sechs weitere bei lebendigem Leib verbrannt, berichteten Medien unter Berufung auf die Polizei. Die Zusammenstöße ereigneten sich in Boa Vista, der Hauptstadt des nahe der Grenze zu Venezuela gelegenen Bundesstaats Roraima.

Die Kämpfe begannen den Angaben zufolge, als mit Messern und Knüppeln bewaffnete Insassen eines Blocks in einen anderen Block des Gefängnisses Agricola de Monte Cristo einbrachen. Rund hundert Angehörige von Insassen, die gerade zu Besuch in der Haftanstalt waren, seien vorübergehend als Geiseln genommen worden.

Die Aufständischen forderten demnach, dass ein Richter komme, um ihre Forderungen anzuhören. Stattdessen stürmten Sondereinheiten der Polizei das Gefängnis. Sie befreiten die Geiseln – laut dem Justizminister des Bundesstaates, Uziel Castro, größtenteils Frauen – und erlangten bis zum Abend die Kontrolle zurück.

Joana Moura, Vorsitzende der Gewerkschaft der Strafvollzugsbeamten in Roraima, sagte der Zeitung “Folha de Boa Vista”, der Vorfall sei das Ergebnis mangelnden Interesses der Regierung des Bundesstaates für das Gefängnissystem. Es gebe keine Sicherheitseinrichtungen, nicht genügend Personal, und die Wachleute seien völlig überarbeitet.

Aufstände und Kämpfe kommen in den überfüllten brasilianischen Gefängnissen häufig vor. Ende 2014 gab es in Brasilien einem Bericht des Justizministeriums zufolge 622.000 Gefangene, die meisten von ihnen schwarze Männer. Brasilien hat weltweit die viertgrößte Gefangenenpopulation nach den USA, China und Russland. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die beklagenswerten Zustände in den brasilianischen Gefängnissen.

Ende Mai starben 14 Häftlinge in Gefängnissen des nordöstlichen Bundesstaates Ceara. Die interamerikanische Menschenrechtskommission äußerte daraufhin ihre Besorgnis über die Gefängnisgewalt und forderte umfassende Reformen.

Im September meuterten etwa 200 Häftlinge im überfüllten Gefängnis Jardinopolis im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo. Sie steckten die Matratzen in ihren Zellen in Brand, rissen einen Teil der Gefängnisumzäunung ein und brachen aus.

Von: APA/dpa

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