Erschütterung über eine "unfassbare Katastrophe"

45 Tote bei Massenpanik auf Fest in Nord-Israel

Freitag, 30. April 2021 | 18:21 Uhr

Nach einer Massenpanik mit mindestens 45 Toten hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine umfassende Untersuchung angekündigt. Eine solche Katastrophe dürfe sich nicht wiederholen, sagte er nach Angaben seines Büros am Freitag im Wallfahrtsort Meron im Norden des Landes. “Es gab hier herzzerreißende Szenen.” Der 71-Jährige sprach von einer der größten Katastrophen des Staates Israel. Für Sonntag kündigte er einen nationalen Trauertag an.

Weltweit bekundeten Menschen ihr Mitgefühl. “Österreich steht in dieser Stunde der Trauer und des Schmerzes an der Seite von Israel”, twitterte Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) drückten den Hinterbliebenen ebenfalls ihr Beileid aus. Der Präsident der Israelitischen Religionsgesellschaft, Oscar Deutsch, schrieb: “Ein fröhlicher Feiertag, der jedoch für Dutzende Menschen in Meron tödlich endete.”

US-Präsident Joe Biden hat in einem Telefonat mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Namen des amerikanischen Volkes sein “tiefes Beileid” bekundet. Biden sprach in einer Mitteilung am Freitag von einer “schrecklichen Tragödie”. Er habe sein Team angewiesen, Israel bei der Bewältigung der Katastrophe und der Versorgung von Verletzten Unterstützung anzubieten.

Mindestens 45 Menschen sind nach offiziellen Angaben bei der Massenpanik während eines religiösen Festes gestorben. Nach Angaben Netanjahus sind unter ihnen auch Kinder. Rund 150 Menschen wurden nach Angaben der Rettungskräfte verletzt, einige von ihnen schwer. In Tel Aviv spendeten Hunderte Blut für die Opfer.

Tausende – vor allem Strengreligiöse – hatten am Donnerstagabend auf dem Meron-Berg den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen. Die Behörden hatten die Teilnehmerzahl auf 10.000 begrenzt, nach Medienberichten reisten aber bis zu zehnmal mehr Menschen an. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften. Augenzeugen berichteten von gefährlichem Gedränge.

Die Polizei nahm Ermittlungen zur Ursache des Unglücks auf. Nach ersten Erkenntnissen begann die Panik, als Menschen auf einer abschüssigen Rampe mit Metallboden und Wellblech-Trennwänden auf beiden Seiten ins Rutschen kamen. Die dicht gedrängten Feiernden fielen dann übereinander. Viele wurden erdrückt. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sprach von einem “unerträglichen Ereignis”.

Am Freitag wurden erste Vorwürfe gegen die Polizei laut. Sie habe Leute in das abgesperrte Areal gelassen, obwohl es schon extrem voll gewesen sei. Nach Beginn der Panik habe die Polizei dann nicht schnell genug Ausgänge auf der anderen Seite geöffnet, so die Kritik. Insgesamt waren rund 5.000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Selbst Soldaten waren im Einsatz, darunter eine Eliteeinheit der Armee. Die Polizei sperrte Zufahrtsstraßen und räumte das Gelände. Berichten zufolge weigerten sich in der Früh Hunderte Gläubige zu gehen, weil sie beten wollten. Es sei auch zu Konfrontationen gekommen. Der Polizei zufolge gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele verzweifelte Menschen konnten Angehörige in Meron telefonisch nicht erreichen.

Ein Zaka-Sprecher sagte im Fernsehen, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. “Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen”, sagte er. “Das sind unfassbare Zahlen.” Viele Opfer sollten am Freitag noch vor Beginn des jüdischen Ruhetags Sabbat begraben werden.

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden, doch inzwischen sind die Infektionszahlen deutlich gesunken und die Regeln gelockert worden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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10 Kommentare auf "45 Tote bei Massenpanik auf Fest in Nord-Israel"


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Universalgelehrter
6 Tage 9 Min

Die Fernsehbilder zeigen deutlich, dass Israel der weltweite “Vorreiter” und führend in der Bekämpfung der Coronapandemie und im “Impfen dagegen” ist. Nahezu niemand trägt noch die lästigen Masken 😷, es reicht die traditionelle religiöse Kopfbedeckung, um das Virus auf Abstand zu halten….

StreetBob
StreetBob
Superredner
5 Tage 23 h

@ Offline
In Israel isch es nimmr Pflicht die Maske zu trogn. Informieren, kontrollieren und DONN komentieren…..

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Universalgelehrter
5 Tage 21 h

@StreetBob..habe ich etwas Anderes behauptet ?

Tina1
Tina1
Neuling
5 Tage 18 h

Offline… wenns hilft 😉 Lockdown wär gsünder gwesen.

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Universalgelehrter
5 Tage 15 h

@Tina1..stimmt. Aber religiöse Fundamentalisten waren noch nie als Vorbilder für Empathie und Rücksichtnahme bekannt….

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
5 Tage 14 h

@Tina1
… oder ein gut gesteuerter Mittelweg zwischen Lockdown und aus dem Ruder laufender Superfete. Hätte vielleicht Leben retten können.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
6 Tage 1 h

100.000 (?) Teilnehmer und 5.000 Sicherheitskräfte. “Abschüssige Rampe”…Die Sicherheitskräfte “sehr gründlich auf die Feier vorbereitet”. 
Loveparade lässt grüßen. Dass einfach nicht aus Massenpanik-Katastrophen gelernt wird, ist auch eine “schreckliche Katastrophe”.

Faktenchecker
5 Tage 22 h

Es waren 10.000 angekündigt. Gekommen sind 100.000!

Das wird uns auch so gehen bei den ersten Veranstaltungen.

Komm vom hohen Roß herunter.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
5 Tage 21 h

Dann ist das unterschiedliche Risikopotential der Sausen im Auge zu behalten. Lag boOmer ist Karneval hoch Zwei: “Lag baOmer ist ein fröhliches Fest. Die verschiedenen einschränkenden Gebote der Trauerzeit, die für die 49 Omer-Tage zwischen Pessach und Schawuot gelten, sind an diesem Tage aufgehoben. Kinder und Erwachsene veranstalten Picknicks und versammeln sich um Lagerfeuer. Vor allem aber können an diesem Tag Hochzeiten durchgeführt werden – ein Angebot, von dem reichlich Gebrauch gemacht wird. Man darf sich wieder rasieren und sich auch die Haare schneiden lassen. An Lag baOmer wird deshalb auch die Zeremonie der Chalaka durchgeführt.”
https://de.wikipedia.org/wiki/Lag_baOmer

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Universalgelehrter
4 Tage 16 h

Auch die Sicherheitskräfte beim Kumbh Mela in Indien haben anfangs noch wegen Verstößen gegen die Coronaschutzmaßnahmen Strafen ausgesprochen. Aber sehr schnell wegen der riesigen Masse von Gläubigen resigniert und sich zurückgezogen…

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