Die vierte Person konnte noch nicht geborgen werden

700 Meter breite Lawine forderte in Tirol vier Menschenleben

Mittwoch, 15. März 2017 | 19:38 Uhr

Ein Lawinenabgang am 2.453 Meter hohen Jochgrubenkopf in den Tuxer Alpen im Gemeindegebiet von Schmirn (Bezirk Innsbruck-Land) hat am Mittwoch vier Menschenleben gefordert. Die Lawine hatte sich gegen 12.30 Uhr gelöst und nahm laut Bergrettern riesige Ausmaße an. Sie war rund 700 Meter breit, im Bereich des Lawinenkegels türmten sich die Schneemassen bis zu zwölf Meter hoch.

Laut vorläufigem Erkenntnisstand wurde eine achtköpfige Gruppe von Tourengehern aus der Schweiz von der Lawine erfasst. Während sich vier Mitglieder selbst befreien konnten bzw. nur zum Teil verschüttet wurden, begruben die Schneemassen vier Wintersportler unter sich. “Die ersten Einsatzkräfte waren etwa 15 Minuten nach der Alarmierung am Lawinenkegel”, sagte der Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, Peter Veider, im Gespräch mit der APA.

Alle Gruppenmitglieder seien gut ausgerüstet gewesen und hätten LVS-Geräte (Lawinenverschüttetensuchgerät, Anm.) bei sich gehabt, so Veider: “Dadurch haben wir die Verschütteten relativ schnell orten können”. Da sich die ersten drei Opfer aber in rund fünf Metern Tiefe befunden hatten, nahm ihre Bergung dementsprechend viel Zeit in Anspruch.

Die ersten drei Todesopfer wurden am Nachmittag geborgen. Die Suche nach dem vierten Verschütteten gestaltete sich schwieriger. Laut Veider wurde er in rund zwölf Metern Tiefe lokalisiert. Neben Schaufeln kam auch eine Handschneefräse zum Einsatz. An der Suchaktion waren knapp 60 Mann der Bergrettung, Alpinpolizei und fünf Rettungshubschrauber beteiligt.

Laut dem Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, ist es auf diesem Hang schon mehrmals zu Lawinenunglücken gekommen. Bei diesem handle es sich um “extrem steiles Gelände”, erklärte Mair: “Teilweise ist der Hang dort bis zu 40 Grad steil”. Außerdem sei er nord- und somit schattseitig gelegen. Insgesamt habe es sich daher um “keine gute Tourenwahl gehandelt”, so der Leiter des Lawinenwarndienstes.

Für diesen Bereich sei auch das sogenannte “Altschneeproblem” typisch. Davon sprechen Experten, wenn in der Altschneedecke langlebige Schwachschichten existieren, die durch Zusatzbelastung ausgelöst werden können. “Das Altschneeproblem ist ein für diesen Winter typisches Gefahrenmuster”, betonte Mair. In der Schneedecke seien viele Schwachschichten eingelagert, und das Fundament sei insgesamt störanfällig. “Daher reicht schon geringe Zusatzbelastung aus”.

In Tirol herrschte am Mittwoch oberhalb von etwa 2.200 Metern “mäßige” Lawinengefahr, darunter wurde sie von den Experten als “gering”, also mit Stufe 1 der fünfteiligen Skala eingeschätzt. Mögliche Gefahrenstellen seien vor allem in sehr steilen, bisher wenig befahrenen Schattenhängen oberhalb von 2.200 Metern zu finden, hieß es.

Der Jochgrubenkopf in den Tuxer Alpen war bereits vor rund einem Jahr Schauplatz eines großen Lawinenabgangs: Am 13. Februar trat eine achtköpfige Skitourengruppe aus Frankreich beim Aufstieg ein Schneebrett los, das weitere Lawinen auslöste. Damals wurden vier Personen teilweise verschüttet, blieben aber unverletzt.

Von: apa

Kommentare

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18 Kommentare auf "700 Meter breite Lawine forderte in Tirol vier Menschenleben"


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Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

tragisch! unser mega-unglück am schneebigen mi 6 opfern ist gerade mal ein jahr her😱

Do Teldra
Do Teldra
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Isch des für di a Wettrenn wou meara Opfer san??

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

@Do Teldra
guter Monn, hosch wol nix verstonden, zerscht denken nochher schreibm😉

wuestenblume
wuestenblume
Superredner
1 Monat 7 Tage

Die Gefahr in den Bergen wird immer wieder unterschätzt..

selltatamolniatian
1 Monat 7 Tage

Der Friedhof ist voll von “erfahrenen” Skitourengehern-Basejumpern-Eiskletterern und sonstigen Draufgängern… no comment

zorro1972
zorro1972
Neuling
1 Monat 7 Tage

Schade um jedes Menschenleben. Wenn soviele Menschen im Strassenverkehr sterben würden, wie im sogenannten freien Schiraum wäre der Aufschrei gross nach mehr Kontrollen und höhere Strafen. In diesen Fall werden noch viele andere in Gefahr gebracht und unternommen wird nichts dagegen, das solche Unglücke nicht wieder passieren.

Staenkerer
1 Monat 7 Tage

zorro1972 de menschn setzn sich ober der willkür der natur aus, u. de natur losst sich nit vom menschen
messn u. vorhersogn,
zähmen u. beherrschn,
bezwingen u. unterdrücken,
bestrofn u. erniedrigen…
denn wieoft schlog se unerwortet gnadenlos zu, u. der zwerg mensch steat troz seiner arroganz u. inteligenz mochtlos do u. muaß sich ihr ausgeliefen!

in stillem gedenken an de opfer

spotz
spotz
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Tragisch????

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

tragisch ollemal meine ich, für Betroffene, R I P

Poppi
Poppi
Tratscher
1 Monat 7 Tage

@spotz
Jo – TRAGISCH! 😢

planischek
planischek
Neuling
1 Monat 7 Tage

auchngian miassn sie überoll noa passiert so wos…

Ralph
Ralph
Tratscher
1 Monat 7 Tage

WARUM SO VERANTWORTUNGSLOS??die tourengeher sind wie die basejumper. Das ist russisches roulette.

R.I.P.m6

Ninni
Ninni
Superredner
1 Monat 7 Tage

Bin sprachlos.
Die Natur ist stärker als …..
Gedenke an all den Lavinenopfern 😓

ando
ando
Superredner
1 Monat 7 Tage

R.I.P

Frau
Frau
Neuling
1 Monat 7 Tage

Beileid den Angehörigen 😓

Meggi
Meggi
Neuling
1 Monat 7 Tage

…mir fehlen die Worte! Mein Mitgefühl den Angehörigen

oldi
oldi
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

und schon wiedo erfahrene Tourengeher….

gauni2002
gauni2002
Superredner
30 Tage 20 h

Solche Bombendrohungen sind die Werke von Trittbrettfahrern, welche sich einerseits einen Spass erlauben wollen, aber auch andererseits die Menschen verunsichern wollen. 
Bei echten Bombenattentaten wird keine Drohung im Vorfeld ausgestossen 

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