Die EU-Kommission will Hilfsgelder einsammeln

7,4 Milliarden-Ziel bei Corona-Geberkonferenz erreicht

Montag, 04. Mai 2020 | 18:51 Uhr

Eine globale Allianz gegen Covid-19 hat 7,4 Milliarden Euro für die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten gesammelt und ihr selbstgestecktes Ziel damit erreicht. “Die Welt ist vereint gegen das Coronavirus und die Welt wird gewinnen”, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Montag nach einer von der Brüsseler Behörde initiierten Geberkonferenz mit Dutzenden Ländern und Organisationen.

Ziel der Konferenz war eine Summe von 7,5 Milliarden Euro beziehungsweise acht Milliarden Dollar zu sammeln. Umgerechnet sind genau 8,07 Milliarden Dollar zusammengekommen. Mit einer Summe von einer Milliarde Euro trägt die EU-Kommission selbst einen großen Anteil dazu bei. Weitere Großspenden kommen etwa aus Deutschland (525 Millionen Euro), Frankreich (500 Millionen Euro), Großbritannien (umgerechnet 442 Millionen Euro) und Kanada (umgerechnet 780 Millionen Euro). Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sagte 100 Millionen Euro zu, Italien 140 Millionen Euro.

Österreich avisierte insgesamt knapp über 31 Millionen Euro. “Diesen Kampf werden wir mittelfristig nur gewinnen und unsere Wirtschaft wiederbeleben können, wenn es gemeinsam gelingt, einen wirksamen Impfstoff bzw. Heilmittel gegen das Coronavirus zu entwickeln”, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Mit der Summe wird CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) zur Entwicklung eines Impfstoffes mit zwei Millionen Euro unterstützt. Die WHO wird mit etwa drei Millionen Euro gefördert. Zudem investiere Österreich auf nationaler Ebene 26 Millionen Euro in Forschungsaktivitäten.

Ziel der globalen Initiative ist, dass alle Kräfte für die Forschung an Impfstoffen und Arzneien gebündelt werden und alle Länder weltweit – auch ärmere – davon profitieren. Von der Leyen machte zugleich klar, dass in den kommenden Wochen und Monaten noch viel mehr Geld gebraucht werde: “Der heutige Sprint war ein großartiger Start unseres Marathons.” UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte, dass rund fünf Mal so viel Geld nötig sei. Ende Mai soll eine weitere Konferenz folgen.

Die Hauptbotschaft der Veranstaltung war: Wir bündeln die Kräfte gegen den unsichtbaren Feind. Viele der Teilnehmer fanden rührende, bisweilen auch pathetische Worte. Der gerade von Covid-19 genesene britische Premierminister Boris Johnson sprach vom “dringendsten gemeinsamen Anliegen unseres Lebens”.

Die Weltmacht USA fehlte bei dem globalen Kraftakt – ebenso wie Russland. US-Außenminister Mike Pompeo ließ ausrichten, man begrüße die Anstrengungen der anderen. Ein hoher US-Regierungsbeamter ergänzte in Washington – zeitgleich mit der Geberkonferenz in Brüssel -, die dort bedachten Organisationen bekämen auch von der US-Regierung viel Geld. “Unsere Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern wie auch mit Partnern in aller Welt bleibt extrem robust.” In Europa herrscht aber Sorge, dass US-Präsident Donald Trump vorrangig die USA versorgen würde, falls dort ein Durchbruch für den Impfstoff gelingt – folgend dem Motto “America first”.

Seitenhiebe auf nationale Alleingänge waren überall zu hören. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte, die Konferenz sei ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der nicht immer so multilateral zusammengearbeitet werde, wie sie sich das wünsche. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron meinte: “Das ‘Jeder-für-sich’ wäre ein großer Fehler.”

An der sogenannten Global Response (weltweiten Antwort) beteiligt sind nicht nur Regierungen, sondern auch internationale und private Organisationen, die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, CEPI und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierungen Gavi. Die Gelder sollen in drei Kategorien an die Forscher verteilt werden – für Impfstoffe, Arzneien und Tests. Dafür müssen die Empfänger offenen Zugang zu Ergebnissen versprechen und sich auf das Ziel verpflichten, die neuen Mittel allen zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen.

Weltweit wird derzeit nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen Impfstoffen geforscht. Mindestens drei werden inzwischen klinisch getestet. Von dem Geld der Geberkonferenz sollen vier Milliarden Euro dafür fließen. Dutzende Forscherteams suchen gleichzeitig nach einer Therapie für Covid-19. Dafür will die internationale Allianz zwei Milliarden Euro aufbringen. Für die Ausweitung von Testoptionen sind 1,5 Milliarden Euro gedacht.

Von: APA/dpa