14-Jährige wurde erstochen aufgefunden

Afghane nach Tod von Schwester als Erwachsener angeklagt

Donnerstag, 03. Mai 2018 | 16:05 Uhr

Jener Afghane, der am 18. September 2017 in Wien-Favoriten seine jüngere Schwester mit einem Kampfmesser getötet haben soll, wird sich wegen Mordes vor Geschworenen verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Mann im Tatzeitraum 21 Jahre und drei Monate alt war. Bei seiner Festnahme hatte er behauptet, er wäre 18 Jahre alt.

Damit gilt für den Angeklagten das Erwachsenenstrafrecht und damit ein Strafrahmen von zehn bis 20 Jahren oder lebenslange Haft. Wäre der Mann zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt gewesen, hätten für ihn noch Besonderheiten in Bezug auf den Strafrahmen gegolten. Denn es darf gegen eine Person, die zur Zeit der Tat noch nicht 21 Jahre alt war, auf keine strengere als eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren erkannt werden. Auch richtet sich das Mindestmaß aller angedrohten zeitlichen Freiheitsstrafen nach jenem bei Jugendlichen.

Verteidiger Nikolaus Rast akzeptiert das Erwachsenenstrafrecht für seinen Mandaten nicht. Er ist aufgrund der Reisepass-Daten des jungen Mannes und dessen von einer Psychiaterin festgestellten verzögerten Reife überzeugt, dass sein Mandant am 1. Jänner 1999 geboren wurde. Daher hat Rast die Anklage beeinsprucht. Die Entscheidung, ob diese zugelassen wird, liegt nun beim Wiener Oberlandesgericht (OLG).

Laut Anklage stach der spätestens am 29. Mai 1996 und damit mittlerweile rund 22-Jährige mindestens 25 Mal mit einem Kampfmesser mit einer Klingenlänge von circa 20 Zentimetern zu. Dabei brachte er der Schwester – sie hatte sich als 14 ausgegeben, war laut Obduktionsgutachten zum Zeitpunkt ihres Todes aber schon 17 oder 18 Jahre alt – bis zu acht Zentimeter tiefe Stich- und Schnittverletzungen bei. Zum Motiv heißt es in der siebenseitigen Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wien, die Getötete hätte “nach Ansicht des Angeklagten die Familienehre befleckt”.

Das Mädchen war erstmals im Juli 2017 in ein Krisenzentrum geflüchtet, weil es zu Hause wiederholt zu Handgreiflichkeiten gekommen war. Ihr Vater und der nunmehr angeklagte Bruder sollen sie immer wieder geschlagen haben. Die Schülerin dürfte sich immer stärker gegen die elterlichen Vorgaben – sie durfte beispielsweise ohne Begleitung nicht außer Haus und musste Kopftuch tragen – aufgelehnt haben.

Sie ließ sich in weiterer Folge zu einer Rückkehr überreden, ehe sie sich am 14. September und damit vier Tage vor ihrem Tod erneut in ein Krisenzentrum begab. Den Betreuern erzählte sie, sie hätte Angst vor ihrer Familie. Ihr Vater wolle mit ihr nach Afghanistan fliegen, um sie “gegen ihren Willen zu verheiraten und sie dort alleine zurücklassen”, wie es dazu in der Anklageschrift heißt. Als sie sich widersetzte, soll der Vater das Mädchen in der Wohnung gefesselt und eingesperrt haben.

Der Tochter gelang es, sich zu befreien und abzuhauen. Am 18. September passte sie dann ihr älterer Bruder in der U-Bahn-Station Reumannplatz ab, als sie zur Schule wollte. Seinen Angaben zufolge wollte er sie überreden, wieder nach Hause zu kommen. Als die Schwester nicht mit sich reden ließ, zog er laut Anklage in einem Innenhof in der Puchsbaumgasse sein Messer und tötete sie.

Von: apa

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