Prominente Unterstützung bei der Welt-Aids-Konferenz

Aktion gegen HIV-Infektionen bei Männern

Dienstag, 24. Juli 2018 | 14:38 Uhr

Mit prominenter Unterstützung ist bei der Internationalen Aids-Konferenz in Amsterdam (23. bis 27. Juli) ein internationales Bündnis zur besseren Bekämpfung der Immunschwächekrankheit geschmiedet worden, das sich auf HIV-Infektionen bei Männern fokussiert. “Wir müssen viel, viel mehr tun”, sagte der britische Popsänger Elton John am Dienstag zum Start des Bündnisses “MenStar”.

Es handelt sich um eine Plattform, mit der Hilfsorganisationen wie die UNO-Organisation Unitaid und die US-Stiftung Pepfar verstärkt gegen HIV-Infektionen bei Männern kämpfen wollen. Für Frauen und Mädchen sei im Kampf gegen HIV und Aids schon viel getan worden, sagte der britische Sänger. Eine umfassende Lösung sei aber nicht möglich, wenn “nur die Hälfte” des Problems angegangen werde. “Wenn wir diesen Kampf gewinnen wollen, wenn wir Aids endgültig beenden wollen, müssen wir Männer zum Teil der Lösung machen”, sagte Elton John.

Prinz Harry warnte in Amsterdam davor, im Kampf gegen Aids nachzulassen. “Der Fortschritt, den wir so hart erkämpft haben, ist gefährdet durch eine gefährliche Selbstgefälligkeit”, sagte er. Auch dürfe nicht unterschätzt werden, welche Folgen die Ausbreitung von Aids auf die Bildung und andere Entwicklungsmöglichkeiten habe.

Bei der Welt-Aids-Konferenz wurden zudem mehrere Studien zu dem Thema vorgestellt. Demnach steckten sich Männer nicht mit dem Virus an, wenn sie täglich oder bei Bedarf eine sogenannte PrEP-Pille einnahmen. Neue Forschungsergebnisse bekräftigen die Wirksamkeit vorbeugend eingenommener HIV-Medikamente bei der Verhinderung der sexuellen Übertragung des Immunschwächevirus.

PrEP ist die Abkürzung für Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Die Medikamente verhindern, dass sich HIV in den Körperzellen vermehren kann. An der sogenannten PARTNER2-Studie hatten 972 “serodifferente” männliche Paare in 14 Staaten Europas teilgenommen. Jeweils einer von ihnen war HIV-positiv. Sexuelle Kontakte erfolgten ohne Verwendung eines Kondoms. Bei 75.000 Sexualkontakten ohne Kondom gab es laut Alison Rodger vom University College London keine einzige HIV-Infektion.

Eine zweite Studie zeigte ähnliche Ergebnisse: 1.435 Probanden, vor allem Männer, die mit Männern Sex haben, aus der Region Paris wurden auf HIV-Infektionen bei täglicher PrEP-Einnahme (44 Prozent) oder PrEP-Benutzung vor und nach einem risikobehafteten Sexualkontakt beobachtet. Laut Jean-Michel Molina von der Universität von Paris Diderot gab es in beiden Gruppen bei Verwendung eines Kombinationspräparates (Tenofovir/Emtricitabine) keine einzige HIV-Infektion.

“Das ist eine neue Ära der HIV-Prävention”, sagte die Präsidentin der Internationalen Aids-Gesellschaft und Vorsitzende der Konferenz, Linda-Gail Bekker. Bei einer gezielten Verbreitung der Medikamente könnten zahlreiche neue Infektionen verhindert werden.

Die 22. Internationale Aids-Konferenz hatte am Montag in Amsterdam begonnen. Rund 15.000 Delegierte aus aller Welt nehmen an der fünftägigen Konferenz teil. Auch Hollywood-Star Charlize Theron wandte sich am Dienstag an die Delegierten. Sie lobte, die internationale Gemeinschaft habe einen “langen Weg” zurückgelegt “von dieser moralischen Panik, welche die frühen Stadien dieser Epidemie bestimmten”.

Zum Auftakt der Konferenz hatte Montagabend unter anderem Conchita Wurst einen Appell für mehr Anstrengungen im Kampf gegen HIV und Aids an die internationale Gemeinschaft gerichtet. “Wie lange wird es dauern, bis wir unsere Forschung und bezahlbare Therapien jedem einzelnen Menschen zugänglich machen, der es benötigt?”, fragte die Sängerin, Siegerin des Eurovision Song Contest 2014 und selbst HIV-positiv. Sie nahm bei dem Kongress in Amsterdam auch an einer Diskussion zum Thema Stigmatisierung teil und war auf der Bühne beim Auftritt von Charlize Theron.

Seit den ersten bekannten Aids-Fällen Anfang der 1980er-Jahre sind mehr als 35 Millionen Menschen weltweit an der Immunschwächekrankheit gestorben. Laut UNO-Aids-Programm UNAIDS sank die Zahl der neu Infizierten seit 1996 um fast die Hälfte: Im vergangenen Jahr steckten sich noch 1,8 Millionen Menschen mit HIV an. In 50 Ländern seien die Infektionszahlen aber gestiegen. Insgesamt drei von fünf HIV-Infizierten befinden sich in Behandlung. Laut UNAIDS sind die Anstrengungen aber noch immer zu gering, um die Immunschwächekrankheit bis 2030 endgültig zu besiegen.

Von: APA/dpa/ag.

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