Polizisten mit Sturmhauben auf der Jagd nach den Tätern

“Akute Terrorlage” in München – Neun Tote bei Schießerei

Freitag, 22. Juli 2016 | 22:58 Uhr
Update

Terror und Panik in München: Bei einem Anschlag bei einem Einkaufszentrum in der deutschen Millionenstadt sind am Freitag mindestens neun Menschen – acht Opfer und ein Täter – ums Leben gekommen, weitere wurden verletzt. Die Polizei warnte vor einer “akuten Terrorlage”. Bis zu drei Männer mit “Langwaffen” sind auf der Flucht. Die Stadt rief den “Sonderfall” wegen einer “Amoklage” aus.

Einer Täter soll mittlerweile tot sein. Dies teilte die Polizei am Freitagabend in München mit. Am Tatort ist nach Polizeiangaben eine männliche Leiche gefunden worden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP berichteten mehrere Zeugen von einem arabischen Aussehen der Männer. Dies und Spekulationen über einen islamistischen Hintergrund der Tat wollte die Polizei nicht bestätigen. “Dafür ist es viel zu früh”, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. “Aktuell” seien keine Hinweise zu einem islamistischen Motiv bekannt, hieß es.

Die Polizei spricht derzeit von einer “akuten Terrorlage”. Dazu sagte der Sprecher: “Wir gehen insofern von einem Terroranschlag aus, als wir mit unseren Maßnahmen bei dieser Annahme die höchstmögliche Wirkung erzielen und wir lieber zu viel als zu wenig Personal auf der Straße haben. Wenn sich herausstellt, dass es einen anderen Hintergrund hatte, haben wir den worst case auch abgedeckt.”

Zugleich hieß es, dass sich Augenzeugenberichte über weitere Schauplätze nicht bestätigt hätten. Zuvor war es zu Panik am Karlsplatz (Stachus) in der Innenstadt gekommen, was diese ausgelöst hatte, war nicht klar. Dort kam es zu einem Großeinsatz der Polizei. Schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten auch in der U-Bahn-Station am Stachus. Der Marienplatz im Herzen der Stadt war am Abend wie leer gefegt. Die Stadtverwaltung forderte die Bürger über das Smartphone-Warnsystem Katwarn auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

Der öffentliche Nahverkehr – U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen – wurde komplett eingestellt, ebenso der Zugverkehr. Der Münchner Hauptbahnhof wurde evakuiert. Der Betrieb am Flughafen lief dagegen normal, hieß es. Ärzte und Schwestern wurden in die Krankenhäuser gerufen. Das Klinikum rechts der Isar löste den Katastrophenfall aus. Dort erlag ein Patient seinen Verletzungen.

“Wir wissen derzeit nicht wo sich die Täter befinden. Passt auf Euch auf und meidet nach wie vor die Öffentlichkeit”, schrieb die Polizei rund zwei Stunden nach Beginn der Schießerei auf Twitter. “Starke Polizeikräfte in der gesamten City. Wir fahnden mit Hochdruck nach den Tätern”, twitterte die Polizei später. Reporter berichteten von Panik in Teilen der Stadt. Nach der Sperrung des Hauptbahnhofs seien die Menschen über die Gleise geflohen.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann setzten ein Krisentreffen in der Staatskanzlei an. Aus der ganzen Stadt eilten Polizisten zu dem Einkaufszentrum. Vor dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei und auch ein Krankenwagen zu sehen. Die Gegend war abgeriegelt. Über der ganzen Stadt kreisten Hubschrauber. Die Polizei rief Autofahrer auf, die Autobahnen in Richtung München für Einsatzfahrzeuge freizumachen. Selbst aus dem benachbarten Bundesland Baden-Württemberg wurden Polizisten nach Bayern geschickt.

Die Schießerei begann nach Angaben der Polizei bei einem Fast-Food-Restaurant beim Olympia-Einkaufszentrum. Es sei um 17.52 Uhr losgegangen, sagte Thomas Baumann, stellvertretender Sprecher des Polizeipräsidiums, am Freitag. Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eines der größten Shopping-Center in München.

Die Polizei rief dazu auf, keine Bilder vom Tatort zu veröffentlichen. “Bitte keine Fotos/Filme von polizeilichen Maßnahmen online stellen. Unterstützt nicht die Täter!”, twitterte sie. Facebook aktivierte am Freitagabend den “Safety Check” (“Sicherheitscheck”) für München, womit Bewohner mitteilen können, dass sie in Sicherheit sind. Zudem twitterten etliche Bewohner der Stadt den Hashtag #OffeneTür im Kurznachrichtendienst Twitter, um Menschen in München Unterschlupf zu gewähren oder zu suchen.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) zeigte sich bestürzt über die Schüsse in München. “In diesen erschütternden, dramatischen Stunden sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Familien der Opfer von München”, teilte Kern am Freitagabend auf Facebook mit. “Meine größte Anerkennung gilt den Polizisten und Rettungskräften, die alles versuchen, um die Menschen in München zu schützen.”

Erst am Montagabend hatte ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer vier Touristen aus Hongkong in einem Regionalzug bei Würzburg schwer verletzt. Einsatzkräfte erschossen den Jugendlichen. Offenbar hatte die Tat einen islamistischen Hintergrund.

Von: apa