Welttag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr

Alkohol und Kokain: Mischkonsum nimmt zu

Sonntag, 26. Juni 2022 | 08:04 Uhr

Bozen – Zum 35. Mal wird am Sonntag, den 26. Juni der Welttag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr begangen. Darauf macht der Verein HANDS aufmerksam, der jährlich 1.500 Menschen mit Alkohol-, Medikamenten- und Glücksspielproblemen begleitet. Um die Begleitung und Therapie von Menschen mit Problemen illegaler Substanzen kümmern sich in Südtirol verschiedene Einrichtungen. HANDS begleitet Menschen mit Problemen legaler Substanzen. Dr. Walter Tomsu, Sanitätsdirektor von HANDS und Bruno Marcato, der Direktor des Vereins warnen, dass sich vor allem bei Patientinnen und Patienten bis 40 Jahren der Mischkonsum häufe, unter anderem Alkohol plus Kokain.

Die Konsummuster haben sich in den vergangenen 40 Jahren deutlich von einem „Mono-Konsum“ hin zu einem „Poly-Konsum“ entwickelt. Diese Entwicklung bedinge sich durch ein erhöhtes Substanzspektrum, durch erhöhte Verfügbarkeit, durch sozio-kulturelle Mythologisierung, durch Idealisierung in unserer konsumorientierten Gesellschaft und durch neue Verteilungskanäle im Internet, erklärt Dr. Walter Tomsu. Drogen seien ein führender Wirtschaftsfaktor, bei dem vor allem das organisierte Verbrechen astronomische Gewinne mache. Mischkonsum gebe es unter anderem aus Gründen einer Wirkungserhöhung und Wirkungserweiterung, aber auch aus Mitläufertum, sagt der Sanitätsdirektor von HANDS. Die klassische Kombination gegenwärtig sei Alkohol plus Kokain. Polytoxisches Verhalten erhöhe die Gesundheitsrisiken, aber auch die Entwöhnungsbehandlungen werden dadurch komplexer, sagt Bruno Marcato, Direktor von HANDS. Die Therapieziele umfassen eine Bandbreite von vollständiger Entwöhnung hin bis zur Schadensbegrenzung, meist mittels kontrollierter Abgabe von Substitutionssubstanzen. Die Behandlungsspielbreite richtet sich auf Ziele wie Abstinenz hin bis zum kontrollierten (reduzierten) Konsum.

Generell bergen illegalen Substanzen immense Risiken für körperliche und seelische Gesundheit in sich, sei es durch die Substanz selber wie durch unsauberen Stoff, durch Überdosis und Abhängigkeit oder durch die Art der Einnahme, die zu Infektionserkrankungen führen kann, sagt Dr. Walter Tomsu. Es kommt aber auch zu psychischen Problemen, zu Gewalt und Unfällen, zu Ausgrenzung, Kriminalisierung und zum sozialen Abstieg.

In den vergangenen vier Jahrzehnten habe vor allem „Binge-Drinking“ zugenommen, erklärt Bruno Marcato. Dabei handelt es sich um das Trinken einer großen Menge von Alkohol in relativ kurzer Zeit. Legale Substanzen wie Alkohol und Zigaretten sind aufgrund sozio-kultureller Faktoren und ökonomischer Interessen zum Erwerb freigegeben, durch Altersbeschränkungen oder kontextspezifische Reglementierungen wie Straßenverkehr oder Arbeitsplatz geregelt. Das bedeute aber nicht, dass diese Substanzen als harmlos einzustufen seien, sagt der Direktor von HANDS. Die meisten Drogentoten weltweit bedingen sich nach wie vor durch Tabak und Alkohol.

Die Haltung gegenüber Cannabis habe sich im Lauf der Jahre aus pragmatischen Gründen und der zunehmenden Verbreitung der Substanz in Richtung Entkriminalisierung des Eigenbedarfes entwickelt, erklärt Dr. Walter Tomsu. Die Frage der Legalisierung werde weltweit gegensätzlich und emotionalisiert behandelt: „Dabei wird oft ins Treffen geführt, dass Cannabis weniger schädlich als Alkohol sei, was aus medizinischer Sicht eine Bagatellisierung darstellt.“ Auch hier gelte der Grundsatz, dass die Dosis das Gift mache. Es bestehe niemals ein harmloser Konsum von Substanzen. Die Grenzen zwischen Genuss und Verdruss seien sehr unscharf.

In einer Gesellschaft, die auf Wachstum und Konsum aufbaut, sei es schwierig, eine vernünftige und lebensfreundliche Haltung des Verzichts und der Einschränkung („Weniger ist mehr“) zu propagieren, da das von vielen Menschen als realitätsfremd und freiheitseinschränkend erlebt wird, sagen Dr. Walter Tomsu und Bruno Marcato: „Wenn wir unsere Existenz kritisch hinterfragen, kommen wir zum Schluss, dass das Leben kein Spaziergang, dass es meist unvorhersehbar ist und Schmerz, Leid und Tod letztendlich unausweichlich sind.“ Es sei verständlich, dass Menschen sich wünschten, den Stress und die Mühen des Lebens mit bewusstseinsverändernden Mitteln zu vergessen. Dennoch sei es notwendig zu verstehen, dass ein gutes Leben auch in herausfordernden Zeiten möglich sei. Das sei der Inhalt universeller und auch klinischer Prävention. „Das Finden von alternativen und gesünderen Lebensstilen, einer konstanten Lebenszufriedenheit und Resilienz wirken den falschen Versprechungen des kurzen und trügerischen Glücks ohne Anstrengung und innerer Veränderung entgegen“, erklären die Verantwortlichen von HANDS.

Die Risiken einer Gefährdung seien, trotz allgemeinen Wohlstands und Wachstums, in unserer Gesellschaft unvermeidlich verborgen. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass drei Viertel der europäischen Bevölkerung (Erwachsene und Jugendliche) keine besorgniserregenden Probleme mit legalen und illegalen Substanzen und Verhaltenssüchten haben oder haben werden, gelte es, aufmerksam auf zunehmende Phänomene wie Armut, Traumatisierung, sexueller Missbrauch, auf emotionale Vernachlässigung und Verwöhnung, auf psychische Vulnerabilität, Zukunftsängste und vernachlässigte Berufsausbildung zu schauen. Die aktuelle Situation mit Covid-19, Krieg, Inflation und Klimakatastrophe sei eine besondere. „Diesen Phänomenen sollte seitens spezifischer Einrichtungen für Prävention und Therapie durch Impulse und Angebote begegnet werden, die die Resilienz stärken“, schließen die Verantwortlichen von HANDS ab. Es werde wohl unvermeidlich, dass ursprünglich fachlich spezialisierte Einrichtungen sich künftig außerdem mit Fragen zu Lebensstilberatung und Resilienzsteigerung auseinandersetzen. Alle Einrichtungen seien gefordert, sich durch kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer Qualität den sich verändernden Bedürfnissen ihrer Klientel zu begegnen.

Der Verein HANDS wird heuer 40 Jahre alt. Der Hauptsitz von HANDS befindet sich in der Duca d’Aosta-Allee 100 in Bozen und ist unter Tel. +39 0471 270 924 oder unter der Grünen Nummer 800720762 und per Mail an info@hands-bz.it zu erreichen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Alkohol und Kokain: Mischkonsum nimmt zu"


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diskret
diskret
Superredner
1 Monat 14 Tage

Vor lauter gut gehen saufen und kiffen , arbeiten köperlich dann vergeht ihnen das .

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

Wäre das die Lösung, würde es deune Art der Therapie lange schon geben, meinst du nicht? Fahr Frankfurt, geh da in die Brennpunkte und erkläre das den Süchtigen! Viel Spaß beim Erwerben von Einsicht und damit auch Verständnis für die Probleme die diese Menschen haben!

Fantozzi
Fantozzi
Superredner
1 Monat 14 Tage

Bravo sag i a… Viele hobn nix zu tean und genua zeit zu denkn sel geat net guat…tat de sochen wia forum prevention oschoffn. Des bring ols nix. Soll jeder selbr schaugen

xXx
xXx
Kinig
1 Monat 14 Tage

Glaub mir, die aller meisten Kokser arbeiten härter als du. Das ist leider die Realität unserer Gesellschaft

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 14 Tage

@N. G. an Süchtign brauchsch nimmor mit der Therapie kemmen, die Kinder und Jugendlichen sein von die Drogn fern zu holtn, sel isch die nägste Generation. Obor sollong es Idioten gib de des Gift verharmlosn und sogor Legaliesiern welln wert des net bessor

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

@ hunter schun lei dein irrglaube cannabis isch a einstiegsdrog disqualifiziert di iberhaup zu den thema wos zu sogn. Gscheider tasch mol deine Hausaufgobm mochn stott an schmee zu verzapfn

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 14 Tage

@Zefix wos ischs nochor?? Fongen sichor olle glei mit Haschisch un gel🤦‍♂️🤦‍♂️ oanfoch lei traurig onstot die Jugend ibors Suchtpotenzial aufzuklärn ollm brav weitor dorgegn redn und jo no viele unwissende junge Leute mit in den Teufelskreis eini ziachn. Traurig wenn man sein eigenes versagn so rechtfertigen muas

falschauer
1 Monat 14 Tage

so ein schmarrn, realitätsfremd, populistisch und dumm

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

jo nor klär die jugend awia auf wenn schun so gscheid bisch und von dor materie soviel versteasch 🤡

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

ach hunterle. Wia schützt man die kinder und juge iche am bestn? indem mann es illegal losst unf sie no leichter zu kemmen oder? groass va jugendschutz palavern ober net verstian das dor dealer sicher net ummen ausweiss frog. Es greaste gift isch deine mentalität zu de sochn. Man sigs jo in dor vergongenheit wia guats funktioniert wenn man olles verbiatet. Dor schworzmorkt freit sich u d sem gibs nor kuane Qualitätskontrolle. Ober sell an beschränkten. ensch wia dir zu erern isch eich viel wia wenn man stiaer an die mauer wirft. Konsch probiern werd ober net viel helfn 😂

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 14 Tage

Im Bericht steht: Es kommt zu Kriminalisierung, Ausgrenzung und zu sozialem Abstieg. Auserdem zu Krankheiten durch die jeweilige Art der Einnahme und den beigefügten Verunreinigungen.

Gift bleibt Gift , egal was man konsumiert!

Wäre es dann nicht längst an der Zeit all diese Nachteile des Drogenkonsums im Sinne der Kranken zu entfernen? Komplette Legalisierung von Cannabis. Entkriminalisierung und kostenlose kontrollierte Abgabe von harten aber SAUBEREN Drogen? Anlaufstellen für Süchtige mit sauberen “Besteck”?. Süchtige als Kranke zu sehen und nicht als Kriminelle? Sie integrieren und nicht ausgrenzen!?
All das gibt es schon , PORTUGAL! Führend im Umgang mit Drogenkonsum!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 14 Tage

Blödsinn, jeder der des konsumiert muas sich in Vorfeld in klorn sein das der Scheiss süchtig mocht. Nor no Cannabis, die einstigs Droge legaliesiern war dor komplett folsche Weg. Obor mit solche Kommentare wia deinen wo olls kloan geredet wert löst man des Problem net.

Komplett verbiatn und die Jugend auf Sucht, folgen vom Konsum und sozialen obsturtz aufklärn war dor richtige Weg. De wos schun in dor Sucht sein isch wianig bis gor net zu helfn weil sie gleich wia du koan Problem sechn

falschauer
1 Monat 14 Tage

@The Hunter

naiver geht’s wohl nicht mehr, du hattest wohl nie mit drogenabhängigen zu tun, merk dir eins alle verbote dieser welt nützen nichts, der süchtige findet immer seinen stoff….in diesem zusammenhang benötigt es völlig andere methoden und terapien

TopGun66
TopGun66
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

weil Kokain immer billiger wird..

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 14 Tage

eine Wohlstandserscheinung ?!

Hustinettenbaer
1 Monat 14 Tage
Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 14 Tage

@Hustinettenbaer Die aus Neugier oder Langeweile probieren– tun mir nicht leid.Leid tun mir Die Die abhänig gemacht werden,ohne dass Sie s wissen durch dem Sie Was verschrieben kriegen und nicht darauf hingewiesen wird dass Das Medik.abhänig macht!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 14 Tage

@Hustinettenbaer ich meinte damit vor allem Psychopillen.

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