Alen R. musste auf Wunsch eines Zeugen den Saal verlassen

Amok-Prozess: Zeugen zwischen Wut und Trauer

Freitag, 23. September 2016 | 15:48 Uhr

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer Alen R. ist am Freitag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Er soll bei seiner Wahnsinnsfahrt durch die Innenstadt drei Menschen getötet und Dutzende verletzt haben. Auch am vierten Verhandlungstag verlief die Befragung der Zeugen sehr emotional, es gab viele Tränen, aber auch Zorn und Unverständnis über die Tat.

Einige Zeugen baten darum, dass Alen R. (27) aus dem Saal geführt wird, bevor sie ihn betreten. “Ich will das Gesicht nicht sehen, ich will nicht mit dieser Erinnerung auch noch leben”, begründete ein Mann. Er weinte, und entschuldigte sich gleich dafür: “Es tut mir leid, es kommt wieder alles hoch”, schluchzte er. “Das ist verständlich und Sie müssen sich auch nicht schämen”, beruhigte ihn Richter Andreas Rom. Es ist ein guter Freund des Mannes, dessen vierjähriger Sohn getötet wurde. Die beiden Väter waren mit ihren Kindern an diesem Sommertag in der Stadt, weil sie “Spaß haben wollten.”

Der vierjährige Valentin spielte in der Fußgängerzone in der Herrengasse bei einer Wassermulde, die anderen standen daneben. “Plötzlich waren vor mir die Motorhaube und der Kühlergrill”, erzählte der Mann, der seinen kleinen Sohn an der Hand hielt und mit ihm zur Seite springen konnte. “Dass ich da bin und dass mein Kind lebt, ist ein Wunder.” Über die Schulter musste er mitansehen, wie der andere kleine Bub überfahren wurde. “So ein unschuldiges Kind muss auf diese Weise sterben”, war der Zeuge wütend und verzweifelt gleichzeitig.

Eine Frau erzählte ebenfalls unter Tränen, sie habe plötzlich Menschen aufschreien hören, dann wäre “ein dumpfer Aufprall” erfolgt. Darum drehte sie sich um und sah “wie der grüne Geländewagen direkt auf mich zugefahren ist.” Sie konnte in eine Geschäft flüchten: “Die Frau, die gestorben ist, hat mir das Leben gerettet, ich hätte sonst nicht hingeschaut.”

Weniger Glück hatte eine Studentin, die von dem Auto erfasst wurde. “Ich habe versucht, wegzulaufen, dann weiß ich nichts mehr.” Sie wachte erst am nächsten Tag im Spital auf – mit Schädelbruch, Becken-und Schambeinbruch, Gehirnblutung, gebrochenen Beinen und inneren Verletzungen. Eine Passantin, die sie noch wegziehen wollte, meinte über den Anblick der Schwerverletzten: “Das hat nicht mehr ausgeschaut wie ein Mensch.”

Eine andere Zeugin sah das Gesicht des Amokfahrers ganz aus der Nähe und war überzeugt, “je mehr Leute auf das Auto aufgeprallt sind, umso mehr hat er gelacht”. Alen R. meinte zu allen Aussagen: “Es tut mir sehr leid, aber ich kann mich nicht erinnern.”

Der Prozess wird am Montag um 9.00 Uhr mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Amok-Prozess: Zeugen zwischen Wut und Trauer"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Baduila
Grünschnabel
4 Tage 12 h

Lebenslang in die Klapsmühle.

wpDiscuz