Eingriff an Embryonen vorgenommen

Angeblich genetisch veränderte Mädchen in China geboren

Montag, 26. November 2018 | 13:48 Uhr

Nach eigenen Angaben haben chinesische Wissenschafter die CRISPR/Cas9-Genscheren-Methode erstmals angewendet, um die Keimbahn des Menschen zu verändern. Aus der Erbsubstanz befruchteter Eizellen der vor einigen Wochen geborenen Mädchen Lulu und Nana war das Gen für den CCR5-Rezeptor entfernt worden, durch den Aids-Viren Zellen infizieren. International werden solche Versuche überwiegend abgelehnt.

“Zwei gesunde kleine Mädchen mit den Namen Lulu und Nana kamen weinend auf die Welt – so wie alle anderen Babys. Grace, die Mutter, war wie nach einer normalen In-Vitro-Fertilisierung schwanger geworden. Mit einem Unterschied: Unmittelbar nachdem wir das Sperma ihres Mannes in die Eizelle eingeführt hatten, fügten wir auch ein kleines Protein für eine ‘Gen-Chirurgie’ ein”, war von He Jiankui von der Southern Unifersity of Science and Technology (Shenzen) auf “YouTube” zu hören. Damit sei auf der Ebene der befruchteten Eizellen jenes “Tor” entfernt worden, über das Aids-Viren in Zellen gelangen können. CCR5 ist ein sogenannter Co-Rezeptor für HI-Viren (neben CD4). Gibt es auf Zellen keine CCR5-Strukturen, sind sie HIV-resistent.

Die Sache hat für die chinesischen Wissenschafter einen ernstzunehmenden Hintergrund. Sie führen die von ihnen im chinesischen Register für klinische Studien angemeldeten Untersuchung zur “Sicherheit und Wertigkeit des Editierens des CCR5-Gens für eine HIV-Immunität bei menschlichen Embryos” durch. Bei den Probanden handelt es sich um Paare mit Kinderwunsch, bei denen der Mann HIV-positiv ist. Allerdings muss die HIV-Infektion medikamentös unter Kontrolle sein. 20 Paare sind für die klinische Studie vorgesehen. Es handelte sich um die erste Geburt von Babys nach einem derartigen Eingriff.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Erklärung des chinesischen Wissenschafters setzte international heftige Kritik ein. Mit der CRISPR/Cas9-Genschere lassen sich die Gene von Zellen sehr zielgerichtet verändern. Erfolgt dies in der Keimbahn, geben die betroffenen Menschen die veränderten Erbanlagen an ihre Kinder weiter. Markus Hengstschläger, Organisationseinheitsleiter des Zentrums für Pathobiochemie und Genetik Leiter des Instituts für Medizinische Genetik der MedUni Wien, erklärte dazu gegenüber der APA: “Bei diesem Genom-Editing werden Gene modifiziert oder korrigiert. In somatischen Zellen – in Geweben – ist das eine Riesenchance. Eine somatische Gentherapie, zum Beispiel bei Lungenkrebs eines Erwachsenen oder bei vererbbarer Muskelschwäche bei Kindern, bei denen die Krankheit vorliegt, wäre toll. Aber in der Keimbahn, also am Embryo, wird das aus ethischen Gründen in den meisten Staaten der Erde abgelehnt.”

Dafür nannte Hengstschläger mehrere Gründe: “Die CRISPR/Cas9-Methode ist genauer. Sie funktioniert aber nicht immer ganz genau. Damit kann es zu (genetischen; Anm.) Effekten abseits des eigentlichen Ziels kommen (Off-Target; Anm.). Das kann fatal enden. Das hat man nicht im Griff. Darüber hinaus ist das ein Eingriff in die Evolution. Wir verändern den Menschen. Das holen wir nicht mehr zurück.” Das menschliche Genom habe sich über Millionen von Jahren im Laufe der Entwicklung des Homo sapiens als Interaktion zwischen Genetik und Umwelt langsam entwickelt. “Bei solchen Versuchen haben wir aber keine Ahnung, was da herauskommt. Zurückdrehen können wir das nicht mehr. Eine Folgenabschätzung ist unmöglich.”

In Österreich wären solche Eingriffe, so wie in den meisten Staaten der Erde, zum Beispiel auch in den USA, verboten. Erlaubt hingegen wäre die Entwicklung von Methoden, um mit CRISPR/Cas9 Krankheiten ohne Eingriff in die Keimbahn zu behandeln, die bestimmte Organe oder Gewebe betreffen. “Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche”, wurde Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates zitiert. “Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.”

Eine der beiden Entwicklerinnen der Genschere CRISPR/Cas9, die US-Forscherin Jennifer Doudna, hat die Keimbahnmanipulation in China kritisiert. “Wenn sich das bestätigt, stellt diese Arbeit einen Bruch mit dem zurückhaltenden und transparenten Vorgehen der globalen Wissenschaftsgemeinde bei der Anwendung von CRISPR/Cas9 zum Editieren der menschlichen Keimbahn dar”, sagte Doudna in Hongkong.

Es sei dringend erforderlich, der Genmanipulation bei Embryos klare Grenzen zu setzen. Sie dürfe nur dort zum Einsatz kommen, wo eine deutliche medizinische Notwendigkeit bestehe und keine andere Behandlungsmethode existiere. Die Nachricht von der Geburt der beiden genmanipulierten Mädchen kam einen Tag vor Beginn einer Konferenz zum Thema Human Genome Editing an der Universität Hongkong, bei der Pioniere des Genome Editing sprechen werden. Sowohl Doudna als auch He Jiankui, der die klinische Untersuchung in Shenzen durchführt, nehmen an der Veranstaltung teil.

Von: APA/dpa

Kommentare

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11 Kommentare auf "Angeblich genetisch veränderte Mädchen in China geboren"


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Andreas
Andreas
Superredner
18 Tage 8 h

des isch die Zukunft, unkep hots beim Gemüse… traurig

Seidentatz
Seidentatz
Grünschnabel
18 Tage 9 h

Die Büchse der Pandora ist längst schon offen. Wenn es möglich ist, wird es der Mensch auf kurz oder lang auch tun.

idenk
idenk
Tratscher
18 Tage 9 h

Hmmm….🤔
Hört, hört klingt interessant, ja irgendwann muss ja die Wissenschaft den nächsten Schritt wagen, um die nächste Stufe der Medizin zu erreichen/einleiten (Prophylaktisch, durch Stammzellen Forschung?)
Die Frage ist nur, ob auch nicht schon, andere Nationen solche Experimente durchführen, oder betreibt China hier Pionier Arbeit…..?

Lucifer_Morningstar
Lucifer_Morningstar
Grünschnabel
18 Tage 7 h

Find i iatz eigentlich net schlimm wen men dodurch kronkheiten beseitigen konn. Außerdem, werd des sowiso über kurz oder long zur normalität werden in die nägsten jahrhunderte, des isch dr nägschte logische schritt den der Mensch mithilfe der technik mochen werd. 
Mit etwas glück gibs donn die heitigen kronkheiten in 200 johr nimmer und sein mr ehrlich besser wars, denn wos monche leit durch kronkheiten erleiden miassen isch nit schian…..

Martha
Martha
Tratscher
18 Tage 5 h

die Natur wehrt sich früher oder später!!!

silas1100101
silas1100101
Superredner
18 Tage 7 h

Könnte man mich auch genetisch verändern? Dass ich immer jugendlich bleibe!! Und der IQ von 260 auf 530 erhöht wrd!!

WM
WM
Universalgelehrter
18 Tage 3 h

I glaub eher von 26 auf 53 bei dir

typisch
typisch
Universalgelehrter
18 Tage 8 h

mann könnte auch nach den ganzen demokratischen bomben in afghanistan berichten welche bomben oder geschosse dort im einsatz waren dass kinder mit fehlbildungen auf die welt kommen

Septimus
Septimus
Superredner
18 Tage 6 h

Jeder erinnert sich noch an das Klonschaf Dolly…

diamant
diamant
Grünschnabel
18 Tage 3 h

irgendwann wird nicht mehr Krankheitsvorbeugung die Rechtfertigung sein…………irgendwann wird Geld und Geschäft mit im Spiel sein, dann wird das sowieso NIE mehr aufzuhalten sein…………der Anfang vom Ende des Menschen wie wir ihn kennen…….

PuggaNagga
PuggaNagga
Universalgelehrter
18 Tage 3 h

De Methode von Kinder mochn isch jo nimmer fein! Ols steril in an grell beleuchteten Labor und komplett ohne Liebe oder Lust…
Iaz schaug mer amol ob de Kinder schun so gsund bleibn… Irgend wia geat des in di Natur einipfuschn decht olm schief!

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