Aktioärskomitee Südtirol erfreut

Argentinien-Anleihen: Berufungsgericht verurteilt Südtiroler Sparkasse

Dienstag, 31. Mai 2022 | 19:00 Uhr

Bozen – Ende der 1990-er Jahre wurden von den Banken an Hunderttausende italienischer Sparer argentinische Anleihen verkauft. Das Phänomen des Verkaufs solcher Anleihen in Italien war so massiv, dass die Italiener die zweitgrößte Gruppe in der Welt (nach den Argentiniermn) waren, an die solche Anleihen verkauft wurden.

“An den Schaltern verschwiegen die Banken den Sparern häufig die Risiken, die mit dem Kauf der Anleihen verbunden waren, die von einem Staat ausgegeben wurden, der sich bereits Ende der 1990-er Jahre in einer schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage befand. Die von der argentinischen Regierung selbst erstellten Prospekte (sog. offering circulars) wiesen zwar wahrheitsgemäß auf die schwierige Situation des Emittenten hin, doch wie bereits erwähnt, haben viele Banken diese Dokumente entweder nicht gelesen oder die Sparer nicht pflichtgemäß über die schwerwiegenden kritischen Aspekte der Wertpapiere selbst informiert”, so Walther Andreaus, der Vorsitzende des Aktioärskomitees Südtirol.

“Dank der Arbeit der Anwälte vieler italienischer Verbraucherverbände haben die Gerichte, die Berufungsgerichte und schließlich auch der Oberste Kassationsgerichtshof die gemeldeten Verstöße gegen die Informationspflichten anerkannt und die Banken mit Tausenden von Urteilen dazu verurteilt, die Sparer vollständig zu entschädigen. In Südtirol war diese Tendenz der Rechtsprechung zugunsten der Sparer leider nicht erfolgreich, und das Landesgericht Bozen wies alle Entschädigungsforderungen der Sparer ab und verurteilte sie auch zur Zahlung der Prozesskosten. Für einen Sparer, der große Summen in argentinische Anleihen investiert hatte, hat der Anwalt unseres Aktionärskomitees, Prof. Massimo Cerniglia, eine Klage gegen die Südtiroler Sparkasse eingereicht”, so Andreaus.

“Das Landesgericht Bozen gab dem Sparer Unrecht, aber der Sparer, der seinem Anwalt vertraute, legte Berufung ein. In einem kürzlich ergangenen Urteil hob das Oberlandesgericht Bozen die Entscheidung des Landesgerichts auf und erkannte an, dass die Sparkasse beim Verkauf der argentinischen Anleihen an den Sparer gegen die gesetzlich festgelegten Informationspflichten verstoßen hat und daher dem Anleger alle im Prospekt (sog. Emissionsprospekt) enthaltenen negativen Informationen über den Emittenten hätte übermitteln müssen. Nur so konnte der Sparer die Geschäfte in voller Kenntnis der Risiken tätigen”, heißt es weiter.

Für Walther Andreaus ist das Urteil des Bozner Berufungsgerichts von großer Bedeutung wegen der Grundsätze, die es zum Ausdruck bringe. “Auch weil es zeigt, dass, wenn die vielen Sparer, die in der ersten Instanz verloren haben, ihren Kampf fortgesetzt hätten und zum Berufungsgericht (und auch zum Kassationsgerichtshof) gegangen wären, es nicht so viele negative Urteile gegeben hätte. Im Gegensatz zu den anderen italienischen Gerichten, die stattdessen den Sparer Recht gegeben haben. Aus diesem Grund sind die Südtiroler SparerInnen eingeladen, ihre Fragen zu ihren Beziehungen zu den Banken, Finanzinstituten und Versicherungen in der Region an die folgende E-Mail-Adresse zu richten “comitatoazionistisuedtirol@gmail.com”, wobei in der Betreffzeile der Name des Vermittlers und im Text der E-Mail folgende Angaben zu machen sind: Vorname, Nachname, Steuernummer, Geburtsort und -datum, Wohnanschrift, E-Mail und Telefonnummer”, schließt Walther Andreaus, der Vorsitzende des Aktioärskomitees Südtirol.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "Argentinien-Anleihen: Berufungsgericht verurteilt Südtiroler Sparkasse"


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N. G.
N. G.
Kinig
26 Tage 22 h

Immer wieder interessant! Wenn Banken und Investmentberater von Bnken gefragt werden ob man in Bitcoin und Co investieren sollte wird deutlich gesagt, ein hohes Risiko usw. Gehts um den Mist den sie selbst los werden wollen gibt es keine Risiken!

Sun
Sun
Universalgelehrter
26 Tage 21 h

Kann man argentinische Staatsanleihen mit Shitcoins wie z.b Terra Luna vergleichen?

N. G.
N. G.
Kinig
26 Tage 11 h
@Sun Genau wir im Aktienmarkt, gibt es im Kryptomarkt unzählige Nieten. Aber die du erkennen kannst, wird dir trotz “Beratung” Shit verkauft. Und seit langem fordere ich, dass sie die Leute sich endlich selbst weiter bilden. Was in anderen Ländern lange der Fall ist. Wer fällt denn immer wieder, hierzulande oder wo anders, auf sowas rein. Es sind immer die Menschen die keine Ahnung haben, ihr Urteilsvetmögrn, das sie ja nicht besitzen, einfach an Berater abgeben und dann dumm aus der Wäsche gucken und andere dafür verantwortlich machen. Ihr Anliegen ist, nichts tun müssen und viel Geld kassieren. So läufts… Weiterlesen »
Wunder
Wunder
Tratscher
23 Tage 12 h

Na j a, N. G., es geht ja nicht immer um das “große” Geld…
Damals wmte mein Vater seine paar Kreuzer halt in Sicherheit haben. Für eine Immobilie hat es bei weitem nicht gereicht, also nahm er Staatspapiere. Von den italienischen (damals noch BOT} riet der “Experte’ ab und empfahl ‘was Sicheres’ für eine langfristige Anleihe… Und um nicht alles auf eine Karte zu setzen, noch ein paar Sparkassenaktien…
Jetzt ist er praktisch ein mittelloser Pflegefall….

Wunder
Wunder
Tratscher
26 Tage 10 h

Meinem Vater wurden damals diese Argentinienanleihen aufgequatscht. Er hat quasi sein Erarbeitetes auf Anraten eines vermeintlichen Mann des Vertrauens in den Sand gesetzt. Irgendwann wurde er “eingeladen’, so etwas wie eine Verzichtserklärung zu unterschreiben… Logisch kann man sagen, seine Schuld….

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