Schwierige und manchmal tödliche Feldarbeit in der Ukraine – VIDEO

Arme Bauern: Minenunfälle, Beschuss und Getreidebeschlagnahmen

Montag, 23. Mai 2022 | 08:04 Uhr

Kiew – Minenunfälle, Beschuss durch Granaten und Raketen und plündernde und mordende russische Soldaten haben das früher friedliche Leben der ukrainischen Bauern komplett über den Haufen geworfen.

APA/APA/Symbolbild/ROBERT JAEGER

Trotzdem versuchen die Bauern, die in Frontnähe oder in gerade von der ukrainischen Armee zurückeroberten Gebieten leben, ihre zerstörten Bauernhöfe wiederaufzubauen und für die neue Ernte die Saat auszubringen. Zerbombte Getreidespeicher, zerstörte landwirtschaftliche Maschinen und Höfe, verminte Felder sowie getötete oder zum Heer einberufene Bauern haben aber zur Folge, dass in der Ukraine heuer viel weniger Weizen geerntet und exportiert werden wird.

Facebook/Національна поліція України – Polizei der Ukraine

Mit viel Mühe ist der ukrainische Bauer Grygorii Tkachenko gerade dabei, seinen rund 1.500 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb wiederaufzubauen, berichtet „Politico“.

Sein riesiger Hof, der sich in der nordöstlichen Region Tschernihiw befindet – eine der fruchtbarsten Regionen Europas – wurde Anfang März von den russischen Streitkräften weitgehend zerstört. Durch Artillerie- und Raketenbeschuss verlor Grygorii Tkachenkos Betrieb viele landwirtschaftliche Maschinen, die Hälfte seines Viehs und mehrere Gebäude. Bei einem der Angriffe kam auch Valentina – eine Frau Anfang 60, die auf dem Hof mithalf – ums Leben. Die Russen, die eine Spur der Verwüstung hinterließen, töteten die übrig gebliebenen Kühe, die die Raketenangriffe überlebt hatten, plünderten die Wohnungen seines Hofs und verminten seine Felder. „Es war schrecklich, einfach schrecklich“, erzählt der Bauer.

Twitter/Lana Synkovska

In Europa wird gerne vergessen, dass sich der Krieg auf einem der fruchtbarsten Böden – den Schwarzerdeböden der Ukraine – abspielt. Das erschütternde Schicksal von Grygorii Tkachenko ist leider kein Einzelfall. In normalen Jahren ernährte die Ukraine das Zehnfache seiner eigenen Bevölkerung. Viele nordafrikanische Staaten und Länder des Nahen Ostens sind auf die enormen ukrainischen Exporte angewiesen, aber infolge der russischen Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen und nicht zuletzt aufgrund der direkten und indirekten Auswirkungen der Kriegshandlungen ist die Ausfuhr von ukrainischen Weizen und Sonnenblumenöl weitgehend versiegt.

Facebook/Національна поліція України – Polizei der Ukraine

Da die Felder entweder im russisch besetzten Teil der Ukraine liegen oder weil sie vermint oder mit verkohlten Überresten von Panzern und anderen militärischen Gerätschaften übersät sind, können schätzungsweise zehn Millionen Hektar – das entspricht rund einem Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der Ukraine – zumindest heuer nicht bebaut werden. Zudem scheint Russland mit gezielten Zerstörungen von Getreidesilos und landwirtschaftlichen Maschinenparks gegen die Ukraine einen regelrechten „Getreidekrieg“ zu führen. In den von russischen Streitkräften besetzten Gebieten fänden zudem Requirierungen von Lebensmitteln und Getreide statt. In Kiew geht man davon aus, dass von Russland bereits rund 400.000 Tonnen Lebensmittel gestohlen wurden.

Facebook/Національна поліція України – Polizei der Ukraine

Genauso wie Grygorii Tkachenko sind aber auch andere ukrainische Bauern hart im Nehmen. Selbst in Frontnähe und obwohl die dauernde Gefahr besteht, durch Artillerie- und Raketenbeschuss oder im Acker eingegrabene Minen zu sterben, versuchen Bauern zumindest einen Teil ihrer Felder zu bestellen.

„Weil es auf den Äckern gefährlich ist, setzen sich viele Bauern nur mit einer kugelsicheren Weste auf den Traktor“, erzählt ein Landwirtschaftsexperte. Ein in den sozialen Netzwerken veröffentlichtes Video, das vor dem Hintergrund zweier ukrainischer Panzerhaubitzen einen Traktor bei der Aussaat zeigt, sagt in diesem Sinne mehr als tausend Worte.

Diese Bilder „heroischer Feldarbeit“ können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass durch Minenexplosionen und Raketenbeschuss nicht nur viele landwirtschaftliche Maschinen verloren gingen, sondern bereits auch etliche Bauern ihr Leben verloren. Auch in diesem Fall sagen Bilder und Videos, die zumeist durch Minenexplosionen zerstörte Traktoren zeigen, weit mehr als tausend Worte.

Viel Glück hatte hingegen ein 26-jähriger Bauer, der mit seinem Traktor in Raketenfeuer geriet. Wie durch ein Wunder überlebte er den Angriff und kam mit mehreren Beinbrüchen und einigen Verbrennungen davon. Er wurde von den Rettungskräften erstversorgt und ins Krankenhaus gebracht. Allerdings brannte sein Traktor restlos aus.

Facebook/Національна поліція України – Polizei der Ukraine

Unter den ukrainischen Bauern ist aber auch die Furcht groß, dass alles umsonst sein wird. Sollte sich die Front verschieben und ihre Höfe wieder unter russische Kontrolle geraten, könnte es leicht sein, dass die russischen Truppen ihre gesamte Ernte beschlagnahmen. Noch größer ist nur die Angst, nach der Zerstörung ihrer Höfe wieder von vorne beginnen zu müssen oder – noch schlimmer – auf die eine oder andere Weise ihr Leben zu verlieren.

Von: ka

Kommentare

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28 Kommentare auf "Arme Bauern: Minenunfälle, Beschuss und Getreidebeschlagnahmen"


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neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
1 Monat 5 Tage

Man muss sich mal vorstellen – solche Flächen sind vermient. Die Acker reichen bis zum Horizont und man weis nicht wo die Minen liegen, da muss man jeden Zentimeter absuchen – Wahnsinn…welcher vernünftige Mensch fährt hier noch mit dem Traktor herum? 

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

Ja, manche Ackerflächen werden vermient sein , aber daraus jetzt ein Ukraine weites Problem zu machen, ist an den Haaren herbei gezogen!
Wenn davon ausgegangen wird, dass 1 Viertel, wenns hoch kommt 1 Drittel an Ernte Ausfall droht, dann kann es gar nicht möglich sein, da ja einige Anbaugebiete direkt im Kriegsgebiet liegen. Der große Rest ist gat nicht Kriegsgebiet, wo sollen die Mienen herkommen?

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

@N. G.
Dein zynisches Nichtverständniss für einen solchen sinnlosen Russenangriff hatt schon fast menschenverachtende Züge .
Damit zeigst du hier auf dieser Plattform einmal mehr deinen wahren Charakter !

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 4 Tage

@N. G.
Auf wieviel km^2 haben die Russen haben sich bewegt? Das ist ein vielfaches von ganz Tirol.
Wie Sie dort hin kamen.
Nun wahrscheinlich waren auf den tausende LKW lauter Osterhasen.
In dem Artikel steht nicht das das ganze Land vermint wurde ,sondern das die ganze Ukraine darunter leidet.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Suedtirolfan Dein reamitätsferne eindimensionale Denkebringt aber auch niemandem was!
Ich hab verstanden warum Krieg ist. Man kann aber nicht aus drei vermienten Äckern daraus schießen, dss die ganze Ukraine vermient ist! Also, was willst du von mir? Das ist auch ne Form von Propaganda!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@OrtlerNord Und ein wievielfaches ist das von der Ukraine und wieviel wurde vermient? Weisst du DAS?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@OrtlerNord Aber es wird so getan wie wenn das ganze Land.. Und genau den Umstand bemängel ich!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@OrtlerNord Ausserdem, ich habe auf “neidhassmisgunst” und dessen übertriebene Ausage reagiert!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

NG grab sie aus!

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Wie abgefahren ist dein Dunning Kruger Effekt NG?

diskret
diskret
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Das sind arme Bauern dort bicht wie bei uns immer heits arme Berg Bauern. Grossen stall für ein handvoll Vieh ein Trakror der fürs flachland geeignet wär bei uns bist ja sofort in nachbars Grund angekommen .
Alle immer unzufrieden nur Beiträge sollen kommen .

Stolzz
Stolzz
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Im Vergleich zur aktuellen Lage in der Ukraine und vielen anderen Gebieten auf dieser Welt geht`s uns Südtiroler Bauern wirklich gut! Viele von uns sind mit Begeisterung bei der Sache und investieren in die Zukunft. Leider kann man es trotzdem nicht allen Recht machen. Seien wir aber alle in unserem Land froh, dass wir – im Vergleich zu vielen anderen Gegenden auf dieser Erde – nahezu im Paradies leben.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
1 Monat 4 Tage

@diskret
Die Sache mit den “Beiträgen” wird bei manchen Komentarschreiben regelrecht ein chronisches Problem im Zusammenhang mit den Bauern. Spinnweben setzten bereits an…..

Dagobert
Dagobert
Kinig
1 Monat 5 Tage

Russland muss und wird für seine Greueltaten sehr lange Bluten!

sophie
sophie
Kinig
1 Monat 5 Tage

@Dagobert
Das hoffe ich sehr,
die Retourkutsche wird kommen….

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 4 Tage

Südt.Bauern können Sich solidarisch zeigen und spenden .

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 4 Tage

…könnte nicht unser mächtiger Bauernbund a bissl eingreifen…

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@ Sag mal

Du hast Recht ,in Südtirol wird immer auf hohem Niveau gejammert, aber was hat das mit diesem Artikel zu tun ?

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Für die Ukrainischen Bauern ist dieser Konflikt eine Katastrophe, aber mit einem Weltmarktanteil der Ukraine an Weizen Export von gerade einmal 8 % wird dieser Ausfall für Länder die auf Weizenlieferungen angewiesen sind leicht zu verkraften sein.

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 4 Tage

…ah deshalb gehn überall die Preise hoch…
😆

brutus
brutus
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Für Ägypten eine Katastrophe, die 80% des Getreides aus der Ukraine importiert hatte!
Den nun teuren Import aus anderen Ländern, und die gestiegenen Brotpreise kann sich die Bevölkerung dort nicht leisten.

falschauer
1 Monat 4 Tage

an deinen kommentar sieht man dass du null ahnung hast, ein ausfall von 8% ist unmöglich zu verkraften, wenn jetzt bereits 24.000 hungerstote am tag haben, in dieser größenordnung ist bereits 1% nicht vertretbar und führt zu katastrophalen folgen

OrtlerNord
OrtlerNord
Tratscher
1 Monat 4 Tage

cali..
tun solche Kommentare eigentlich weh?
In deiner Heimat gibt es genug zu essen. Es gibt aber Länder die haben schon vorher sich das Korn schon fast leisten können, und jetzt haben sie eben gar nichts mehr.

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Alles vernichten ohne Sinn, wehrlosen Leute erschießen, was machen die Russen da? Wir sind im Jahre 2022, wir müssten wissen was Krieg in der Vergangenheit gebracht hat, das sind Barbaren

schlex
schlex
Tratscher
1 Monat 4 Tage

diese Bauern sind ja fast so arm wie die bauern bei uns

Privatmeinung
Privatmeinung
Superredner
1 Monat 4 Tage

Wenn man das sieht, frag ich mich schon, wie lange will der Westen noch zuschauen… tröpfchenweise aushelfen, ist nur verzögern (mir kommt vor, dass das so gewollt ist)… meine Devise, entweder oder! 

andr
andr
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

@privatmeinung
Auf eine solche Handlung wartet Putin und seine Mörder, damit könnten sie einen Nuklearkrieg argumentieren. Das wäre doch der größte Fehler. Russland wird diesen Krieg ihren Nachfahren erklären müssen.

tom
tom
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

U d bei uns plärren sie wegen drei toter Schafe herum

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