Rekord an Niederschlägen innerhalb einer Stunde gemessen

Aufräumarbeiten und Lokalaugenschein nach Unwettern in Südtirol

Samstag, 06. August 2022 | 14:15 Uhr

Pflersch/Olang/St. Martin in Thurn – Heftige Unwetter haben am Freitagabend in verschiedenen Teilen Südtirols zum Teil schwere Schäden verursacht. Am Samstag fanden in allen betroffenen Gebieten Lokalaugenscheine statt, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen.

NORBERT TROYER

In St. Anton in Pflersch wurden mehrere Häuser zum Teil stark beschädigt. Im Gadertal wurde ein Hotel evakuiert und Geiselsberg bei Olang war nur teilweise erreichbar.

NORBERT TROYER

Laut lokaler Medien waren ab den ersten Nachmittagsstunden 50 Freiwillige Feuerwehren zu mehr als 200 Einsätzen gerufen worden, bei denen rund 1.000 freiwillige Feuerwehrleuten im Einsatz standen. Auch die Berufsfeuerwehr war im Einsatz, ebenso wie das für die Überwachung der Situation an den Wasserläufen zuständige Personal der Wildbachverbauung.

Am stärksten betroffen war die Zone rund um St. Martin in Thurn im Gadertal: Dort sind ab 17.20 Uhr innerhalb von einer Stunde knapp 100 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter niedergegangen, so Südtiroler Medienberichte. Zum Vergleich: In Bozen lag die bisher höchste aufgezeichnete Niederschlagsmenge in der Nacht vom 31. Jänner auf 1. Februar 1986 bei 112 mm pro Quadratmeter – allerdings innerhalb von 24 Stunden.

Sofortmaßnahmen

Nach den verheerenden Unwettern von gestern Abend haben sich heute der Landeshauptmann gemeinsam mit dem Bevölkerungsschutzlandesrat, dem Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Klaus Unterweger und dem Direktor des Funktionsbereichs Wildbachverbauung Fabio De Polo, dem Präsidenten des Landesverbandes der Freiwilligen Feuerwehren Wolfram Gapp sowie Vertretern der Gemeinden Brenner und Olang im Rahmen einiger Lokalaugenscheine ein Bild von der Situation verschafft.

LPA/Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost

Durch die Vorarbeit und den schnellen Einsatz der Einsatzkräfte, darunter die Wildbachverbauung und der Landesstraßendienst, die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren, konnten größere Schäden abgewendet werden. “Die Bevölkerung ist aufgerufen, sich selber in Sicherheit zu bringen und die Nähe zu Fließgewässern zu meiden, wenn Unwetterereignisse angekündigt werden. Denn die Entladung lokaler Gewitterzellen kann auch kleine Bäche in kürzester Zeit gefährlich anschwellen lassen”, betont Bevölkerungsschutzagenturdirektor Unterweger.

15.000 Kubikmeter Geröllmassen in St. Anton in Pflersch

15.000 Kubikmeter Geröll gingen gestern im Bereich St. Anton in Pflersch nieder, hauptsächlich durch den Kogbach, berichtet Philipp Walder vom Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Nord in der Agentur für Bevölkerungsschutz: “Wir sind seit gestern am Abend im Einsatz, mit mir auch Vorarbeiter Roland Langgartner. Mit zwölf Maschinen baggern wir den Kogbach aus, damit er wieder in seinem Bachbett verbleibt. Das Dorf St. Anton war zur Hälfte abgeschnitten. Dort räumen wir die Straßen frei und transportieren das Material ab.” Bis zum Einbruch der Dunkelheit werden die Arbeiten fortgesetzt. Sie werden sich noch über mehrere Tage hinziehen.

Morgen sind vor allem in der zweiten Tageshälfte Gewitter zu erwarten, erklärt Günther Geier vom Landesamt für Meteorologie und Lawinenwarnung, die lokal stärker ausfallen können, aber voraussichtlich weniger stark als gestern. Die Situation wird weiterhin laufend genau beobachtet. Am Montag besteht noch leichte Gewitterneigung, am Dienstag und Mittwoch ist voraussichtlich mit stabilen Verhältnissen zu rechnen.

Schäden in mehreren Bächen des Gadertales und oberen Pustertales

96 Liter Regen pro Quadratmeter gingen gestern in St. Martin in Thurn nieder, davon 80 Liter innerhalb einer Stunde: Das, erklärt Dieter Peterlin vom Landesamt für Meteorologie und Lawinenwarnung, sei neuer Stationsrekord: Soviel in so kurzer Zeit hat es in St. Martin seit Messbeginn noch nicht gegeben.

LPA/Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost

Mit Koordinierungssitzungen auf Gemeindeebene, Lokalaugenscheinen und Sofortmaßnahmen sind heute den ganzen Tag über die Techniker und Arbeiter der Wildbachverbauung befasst, berichtet Sandro Gius vom Landesamt für Wildbach- und Lawinenverbauung Ost: Aufräumarbeiten im Biocbach und im Bronsarabach in St. Martin in Thurn und im Pfarrbach in Enneberg führen die Bautrupps mit Vorarbeiter Siegfried Moling, Heinz Baumgartner, Armin Oberarzbacher und Hubert Brugger durch. Mehrere Brücken über den Furkelbach wurden beschädigt, die Wildbachverbauung errichtet Ersatzquerungen. Die Straße nach Kampill ist nach Räumungsarbeiten zeitweise wieder geöffnet. Heute Nachmittag gegen 15.00 Uhr hat sich auch im Ciamaurbach in der Gemeinde St. Vigil in Enneberg ein Murgang ereignet.

Im Adererbach, der vom Kronplatz über Reischach bei der Lamprechtsbrücke in die Rienz fließt, sind starke Erosionsschäden aufgetreten. Bei der Seilsperre in der Rienzschlucht oberhalb vom Eisstadion wurde Wildholz und Geröllmaterial zurückgehalten, die Wildbachverbauung ist dabei, dieses Material zu räumen.

Von: apa

Bezirk: Pustertal, Wipptal

Kommentare

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7 Kommentare auf "Aufräumarbeiten und Lokalaugenschein nach Unwettern in Südtirol"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Roland Lang
Roland Lang
Tratscher
3 Tage 15 h

Unbezahlbar, was diese Menschen leisten! Meine größte Hochachtung. 

Gibt es eigentlich irgendwo in Tirol ein Denkmal für die Frauen und Männer der freiwilligen Feuerwehr?

Faktenchecker
3 Tage 14 h

Wozu soll das gut sein? Geld zu viel. Spare lieber auf Gas- und Stromgeld.

Faktenchecker
3 Tage 14 h
OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
2 Tage 14 h

Fak……
Bist beim tippen beim der 12. Halbe gewesen!
Nur peinlich…..

schnegge
schnegge
Tratscher
3 Tage 9 h

sag mal faktenchecker läuft bei dir eigendlich alles rund oder was ist mit dir los???
ich habe in 2 minuten nur scheachsinnige kommentare von dir gelesen.
zum glück bist du kein feuerwehrmann!!

ein hoch auf unsere feuerwehren, baggerfahrer und freiwilligen helfer! ihr seid die wahren helden unserer zeit!!!

OrB
OrB
Universalgelehrter
3 Tage 10 h

Alles verbaut und zubetoniert, die Natur beginnt sich zu rächen.
Danke an die freiwilligen Helfer.

anonymous
anonymous
Kinig
2 Tage 21 h

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