Das Falschgeld wurde im Darknet verkauft

Bande mit Geldfälscherwerkstatt im Gemeindebau verurteilt

Freitag, 01. Dezember 2017 | 13:40 Uhr

Am Wiener Straflandesgericht ist am Freitag eine Geldfälscherbande zu mehrmonatigen teilbedingten Haftstrafen rechtskräftig verurteilt worden. Drei der vier Angeklagten betrieben aus Geldnot eine Fälscherwerkstätte in einer Gemeindewohnung im Bezirk Landstraße. Dazu installierten sie im Schlafzimmer Computer, Drucker und Schneidewerkzeug. Ein Vierter kaufte von ihnen das Falschgeld.

Der Kopf der Bande, ein 25-jähriger Österreicher, fasste 33 Monate, davon 22 bedingt, aus. Der bisher unbescholtene Mann, der sich bereits seit über sechs Monaten in U-Haft befindet, muss insgesamt elf Monate absitzen. Sein Komplize, ein gleichaltriger Bosnier, muss für neun Monate hinter Gitter. Er erhielt eine 27-monatige Haftstrafe, wobei ihm 18 Monate bedingt nachgesehen wurden. Ein 23-Jähriger, der seine Gemeindewohnung als Fälscherwerkstätte zur Verfügung gestellt hatte, wurde wegen Beitragstäterschaft zu 21 Monaten, davon 19 Monate bedingt, verurteilt. Ein Abnehmer aus Ungarn bekam 14 Monate bedingt.

Auf die Idee der Geldfälscherei war zunächst der 25-jährige Hauptangeklagte – ein arbeitsloser Familienvater mit 150.000 Euro Schulden – gekommen. Weil er seine Familie nicht mehr ernähren konnte, begann er im Jänner damit, auf seinem Laptop falsche Banknoten zu entwerfen. Er druckte die falschen Fünfziger aus, schnitt sie zurecht, versah sie mit einem Hologramm und streute lilafärbiges Pigment darauf. Eine Anleitung dafür habe er auf Google gefunden, sogar eine Einkaufsliste für die dafür notwendigen Utensilien war der Anleitung beigefügt. “Es war – blöd gesagt – relativ einfach”, räumte der Beschuldigte vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Magdalena Krausam) ein. Auf dem virtuellen Marktplatz “Alphabay” im Darknet bot er die falschen Scheine unter dem Usernamen “VIB” – “Very Important Bills” – zu einem Preis von 7,50 Euro an. Er fand recht bald Abnehmer, die per Brief- oder Paketsendung von DHL die Falsifikate zugeschickt bekamen.

Im März holte sich der 25-Jährige Hilfe eines gleichaltrigen, ebenfalls arbeitslosen Bosniers. Die beiden waren Jugendfreunde und “sind zusammen aufgewachsen”, wie der Österreicher betonte. Die beiden trafen sich bei einem Würstelstand und der Österreicher zeigte seinem Freund zwei 50-Euro-Geldscheine – einer war echt, der andere falsch. Der Bosnier erkannte das Falsifikat nicht und stieg deshalb in das Geschäft ein. “Ich hab mir immer gedacht, wie geht das? Er war arbeitslos, aber hat ordentlich in Geschäften eingekauft”, sagte der Bosnier, der von Anwalt Roland Friis vertreten wurde. Um die Herstellung des Falschgeld professioneller anzugehen, richteten sie bei dem 23-jährigen Bekannten in Wien-Landstraße ein Werkstätte ein. Laptops, Drucker sowie Fälscherutensilien wurden im Schlafzimmer platziert.

Weit über 1.000 Scheine produzierte die Bande und ging arbeitsteilig dabei vor. Während der Haupttäter mit dem Designen der Scheine und Anwerben von Käufern im Darknet beschäftigt war, kümmerte sich der Bosnier um das Zerschneiden der Scheine, platzierte das Hologramm und den Stempel für das Wasserzeichen. Der 23-jährige Bekannte, in dessen Schlafzimmer die Produktion lief, brachte die verpackten Geldscheine zur Post. Reich wurden die drei dadurch jedoch nicht. Laut dem hauptangeklagten Österreicher gab es nicht mehr als 8.000 Euro Gewinn, den sie untereinander aufteilten.

Über drei Monate ging das so, bis verdeckte Kriminalbeamte, die im Darknet ermittelten, auf die Bande stießen. Bereits im Jänner wurden die Polizisten von der Nationalbank aufmerksam gemacht, dass neue Fünfziger-Falsifikate “von schlechter Bildqualität” im Umlauf seien, wie der Verteidiger des Haupttäters, Normann Hofstätter berichtete. “Hochprofessionell war das nicht”, räumte der Anwalt ein. Im Mai wurde zunächst der Gemeindebaubewohner festgenommen, danach seine Komplizen. Bei Hausdurchsuchungen entdeckten Ermittler die Fälscherwerkstatt und zahlreiche Geldscheine.

Habhaft konnte man auch eines der Abnehmer werden. Der Student aus Ungarn hatte sich einen falschen Fünfziger von der Bande an die Wohnadresse seiner Mutter in Niederösterreich schicken lassen. Als dieser in Wien im Auhof Center damit in einem Drogeriegeschäft einkaufen gehen wollte, flog er auf. Er gab nun vor Gericht zu, dass es nicht das erste Mal war, dass er mit Falschgeld bezahlt hat. Er hatte bereits davor mit falschen Zwanzigern aus dem Darknet in Ungarn eine Wirtshausrechnung gezahlt.

Von: apa

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