Präsident Trump mit First Lady Melania im Spital

Behörden ignorierten Warnungen vor Schulmassaker in Florida

Samstag, 17. Februar 2018 | 21:31 Uhr

Nach dem Schulmassaker mit 17 Toten in Florida mehren sich die Anzeichen für ein Versagen der Polizeibehörden. Neben dem FBI soll der spätere Todesschütze auch der lokalen Polizei bekannt gewesen sein, wie CNN berichtete. US-Präsident Donald Trump besuchte am Freitag Überlebende in einem Spital in Pompano Beach. Am Samstag demonstrierten US-Schüler für schärfere Waffengesetze.

Der Polizei im Verwaltungsbezirk Broward County, in dem der Angriff verübt wurde, war der 19-jährige Todesschütze Nikolas Cruz nach Berichten des Nachrichtensenders CNN seit Jahren bekannt. Seine Mutter habe wiederholt die Polizei gerufen und gebeten, ihr im Umgang mit den “Gewaltausbrüchen, Drohungen und dem selbstzerstörerischen Verhalten” ihres Sohnes zu helfen.

Die US-Bundespolizei FBI hatte am Freitag ihrerseits Versäumnisse eingeräumt. Demnach sei einem Warnhinweis auf den späteren Täter Cruz nicht nachgegangen worden. Ein Anrufer aus dessen engerem Umfeld warnte das FBI am 5. Jänner, dass der 19-Jährige möglicherweise einen Angriff in einer Schule plane. Er informierte das FBI zudem über den Waffenbesitz, die Tötungsabsichten und die verstörenden Einträge in sozialen Netzwerken durch Cruz.

Zuvor hatte das FBI bestätigt, im September auf einen auf der Internetplattform Youtube veröffentlichten Beitrag hingewiesen worden zu sein, in dem ein Nutzer namens Nikolas Cruz ankündigte: “Ich werde ein professioneller Schulschütze.” Das FBI erklärte, es habe den Eintrag geprüft, die fragliche Person aber nicht identifizieren können. FBI-Chef Christopher Wray sicherte am Freitag eine gründliche Untersuchung der Panne zu. Er sehe sich verpflichtet, der Sache “auf den Grund” zu gehen.

Floridas Gouverneur Rick Scott forderte Wray zum Rücktritt auf. “Siebzehn unschuldige Menschen sind tot”, sagte er. “Einen Fehler zuzugeben wird nicht reichen.” Justizminister Jeff Sessions ordnete seinerseits eine Untersuchung an, um eine “effektive Reaktion zu Hinweisen auf potenzielle Gewalt” zu gewährleisten.

Floridas Senator Marco Rubio sagte bei einem Treffen mit Trump im Büro des Bezirks-Sheriffs, die Menschen verlangten Schutzmaßnahmen, damit “dies nicht noch einmal passiert”. “Darauf können Sie zählen”, antwortete der US-Präsident.

Zuvor hatten Trump und seine Frau Melania Überlebende in dem Spital Broward Health North in Pompano Beach besucht, wo einige Opfer des Schulmassakers behandelt werden. Der Präsident dankte den Ärzten, Notrettern und Pflegern für ihre “unglaubliche” Arbeit.

In sozialen Medien verbreitete Trump Fotos mit Überlebenden und Krankenhausangestellten. Er wolle dazu beitragen, Schulen sicher zu machen und “das schwierige Thema psychische Gesundheit” angehen, schrieb der Präsident auf Instagram.

Nach den tödlichen Schüssen sind am Samstag hunderte Schüler auf die Straße gegangen, um für schärfere Waffengesetze zu demonstrieren. An der Kundgebung in Fort Lauderdale nahmen auch zahlreiche Überlebende des Blutbades teil. Lehrer und Vertreter mehrerer Gemeinden schlossen sich an.

In leidenschaftlichen Reden brachten junge Leute neben ihrer Trauer um Schulkameraden tiefen Zorn darüber zum Ausdruck, dass sich trotz einer nicht abreißenden Serie von Bluttaten an Schulen und anderen Einrichtungen nichts an den laschen Waffengesetzen in den USA geändert habe.

Von: APA/ag.