Passagiere hoffen auf Abflug

Betrieb am Hamburger Flughafen wieder aufgenommen

Montag, 04. Juni 2018 | 15:59 Uhr

Der Hamburger Flughafen hat nach dem folgenschweren Stromausfall seinen Flugbetrieb wieder aufgenommen. Der Kurzschluss in der Stromversorgung ist auf einen Materialschaden an einem Kabel zurückzuführen, teilte der Flughafen am Montag mit. Seit dem Morgen können wieder die ersten Flugzeuge landen, vom Normalbetrieb konnte aber noch nicht die Rede sein.

Mindestens zwölf Landungen und 23 Starts der jeweils 214 geplanten Starts und Abflüge wurden am Hamburger Flughafen gestrichen. “Das war eine Ausnahmesituation”, sagte Flughafensprecherin Katja Bromm mit Blick auf den kompletten Stillstand am Sonntag. Der Flugverkehr sei jetzt durcheinander. “Das wird sich aber im Laufe des Tages spürbar normalisieren.”

Ein Kurzschluss hatte am Sonntag einen Stromausfall verursacht und damit den Betrieb am Airport lahmgelegt. “Grund für den Stromausfall ist eine schadhafte Isolierung an einem Kupferkabel.” Dieser Schaden habe zu einem heftigen Kurzschluss geführt, der zahlreiche benachbarte Kabel einbezogen habe. Der folgende Stromausfall hatte den Flughafen am Sonntagvormittag lahmgelegt. Rund 30.000 Passagiere waren von Flugausfällen betroffen.

Der Kurzschluss entstand den Angaben zufolge in der Stromversorgung des Blockheizkraftwerks des Flughafens. 42 Kabel auf 540 Metern Länge seien ausgetauscht worden. Ab Montag 3.00 Uhr stand das Blockheizkraftwerk wieder stabil zur Verfügung.

Wegen des stundenlangen Stromausfalls hatte der Flughafen seinen Betrieb am Sonntag eingestellt. Dazu sehe man sich gezwungen, teilte das Unternehmen auf Twitter mit. Tausende Passagiere hatten stundenlang teils vor dem Gebäude ausgeharrt, in der Hoffnung, doch noch abfliegen zu können. Von den Flugausfällen dürften nach Angaben des Flughafens mehr als 30.000 Passagiere betroffen gewesen sein. Allein rund 30 Flüge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet, nach Bremen und Hannover.

Der Flughafen Wien ist hingegen mehrfach gegen einen solchen kompletten Stromausfall abgesichert: “Wir werden über zwei redundante und voneinander unabhängige Leitungssysteme versorgt”, teilte Sprecher Peter Kleemann am Montag auf APA-Anfrage mit. Außerdem verfüge der Standort über eine Notstromversorgung mit vier Generatoren.

Es sei sichergestellt, dass der Flughafen selbst beim Ausfall einer Leitung über die andere mit Strom beliefert würde, sagte Kleemann vor dem Hintergrund des Stromausfalls beim Hamburger Airport. Durch die zudem vorhandene Notversorgung mit den Generatoren könnten bei Problemen in der Versorgung die kritischen Systeme – etwa die Pistenbefeuerung, der Sicherheitsbereich mit Kontrolleinrichtungen oder der Terminalbetrieb – weiterlaufen.

Nach der Ankündigung, dass keine Flüge mehr starten würden, waren am Sonntag viele Reisende in Hamburg heim oder ins Hotel gefahren. Der Flughafen und das Deutsche Rote Kreuz stellten auch Feldbetten im sogenannten Terminal Tango auf. Knapp 180 Passagiere machten nach DRK-Angaben von dem Angebot Gebrauch. “Für die Kinder ist das eine besondere Aufregung”, sagte DRK-Einsatzleiter Ralf Bloß. Mit vier Kollegen war er die ganze Nacht im Einsatz. Am Sonntag seien es zusammen mit Ehrenamtlichen mehr als 40 Helfer gewesen.

“Am Flughafen war einfach nur Chaos”, beschrieb Michelle Galauner die Situation. Die 18-Jährige gehört zu einer Gruppe von 83 Maturanten aus dem Emsland, die im Terminal Tango übernachtete, aber eigentlich nach Bulgarien fliegen wollte. Doch als die Schüler am Sonntag nach sechsstündiger Busfahrt am Flughafen ankamen, wusste niemand, was los war: “Wir wurden von einem Schalter zum anderen gescheucht. Als Abiturienten haben die uns nicht ernst genommen.” Unter den gestrandeten Passagieren befanden sich auch einige Österreicher.

Der Hamburger Airport ist mit jährlich mehr als 17 Millionen Passagieren nach Angaben des Flughafenbetreibers der fünftgrößte in Deutschland. An normalen Tagen gibt es rund 200 Starts sowie 200 Landungen.

Von: APA/dpa

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