Impfpläne quer durch Europa werden immer konkreter

Briten beginnen nächste Woche mit Corona-Impfungen

Mittwoch, 02. Dezember 2020 | 16:23 Uhr

Großbritannien hat als erstes Land den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer zugelassen. Bereits in der kommenden Woche soll dort mit Impfungen begonnen werden, wie Gesundheitsminister Matt Hancock am Mittwoch ankündigte. “Der Impfstoff wird ab nächster Woche in ganz Großbritannien erhältlich sein. Das sind sehr gute Nachrichten.” Es ist die erste Zulassung für den Impfstoff “BNT162b2” weltweit.

Die britische Arzneimittelbehörde habe eine Notfallzulassung genehmigt, sagte Hancock. Die Auslieferung solle umgehend beginnen. Biontech und Pfizer haben mit Großbritannien eine Lieferung von insgesamt 40 Millionen Impfstoffdosen für Dezember und im kommenden Jahr getroffen.

Die ersten 800.000 Corona-Impfstoffdosen sollen bereits in der kommenden Woche zur Verfügung stehen. “Zu Wochenbeginn werden wir das Impfprogramm gegen Covid-19 hier in diesem Land starten”, sagte Hancock dem Nachrichtensender Sky News in London. Hancock sieht Großbritannien wegen des EU-Austritts bei der Impfstoffzulassung im Vorteil. Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) hatte am Mittwoch dem Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer eine Notfallzulassung erteilt.

“Wir waren in der Lage, eine Entscheidung zu treffen dank der britischen Aufsichtsbehörde, einer Weltklasse-Behörde, und mussten nicht das Tempo der Europäer gehen, die sich ein bisschen langsamer bewegen”, sagte Hancock dem Sender Times Radio am Mittwoch. Die Sicherheitschecks seien alle durchgeführt und die gleichen Prozesse durchlaufen worden. “Aber wir waren wegen des Brexits in der Lage, den Ablauf zu beschleunigen”, so Hancock. Den Transport und die Lagerung des Vakzins bezeichnete Hancock als eine Herausforderung, denn das Mittel müsse bei minus 70 Grad gelagert werden.

“Für die Zulassung in der EU ist die Europäische Arzneimittelagentur EMA zuständig”, erklärte Clemens Auer, Sonderbeauftragter des österreichischen Gesundheitsministeriums und Co-Vorsitzender der Einkaufsgemeinschaft der 27 EU-Staaten. Die EMA habe am Dienstag die Zulassung für den 29. Dezember in Aussicht gestellt.

Die EMA gehe bei der Sichtung und Bewertung der Unterlagen sorgfältig vor und es bestehe kein Grund, die Zulassungsbehörde unter Druck zu setzen. “Wir sind in Österreich jedenfalls bereit, im Jänner in den Alten- und Pflegeheimen mit den BewohnerInnen sowie deren Pflegepersonal sowie in den Krankenanstalten mit dem Gesundheitspersonal mit der Ausrollung der ersten Impfungen zu beginnen”, teilte Auer der APA schriftlich mit.

“So erfreulich die aktuellen Fortschritte in der Covid-19-Impfstoffentwicklung sind, so stehen wir jetzt vor der Herausforderung, 1,4 Milliarden Impfstoff-Dosen allein für den europäischen Bedarf zu produzieren, und zwar in kürzester Zeit. Denn alle wollen den Impfstoff gleichzeitig erhalten”, sagte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog. Die Pharmig ist der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs.

Einige Unternehmen hätten angesichts des großen Bedarfs bereits auf eigenes Risiko mit der Produktion großer Mengen ihrer Impfstoffkandidaten begonnen. “Dafür wurden Produktionskapazitäten ausgebaut, neue Technologien der Herstellung implementiert und rund um den Globus Produktions-Kooperationen mit eigens zertifizierten Produktionspartner fixiert”, sagte Herzog laut Mitteilung. “Diese vorausplanenden Maßnahmen sind mitentscheidend für die rasche Verfügbarkeit der potenziellen Impfstoffe.”

Der Impfstoff des deutschen Biotech-Unternehmens und seines US-Partners Pfizer wird derzeit als eines der vielversprechendsten Mittel zur Eindämmung des Coronavirus gesehen. Weltweit sind inzwischen fast 1,5 Millionen Menschen gestorben, die positiv auf Corona getestet worden waren.

In den meisten Ländern der Welt steht noch kein Impfstoff für die breite Anwendung zur Verfügung. Unter anderem China und Russland impfen aber schon seit einiger Zeit bestimmte Bevölkerungsgruppen. Die italienische Regierung arbeitet an einem groß angelegten Impfplan, mit dem ab Ende Jänner Millionen von Italienern gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. 202 Millionen Impfdosen will die Regierung im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stellen, teilte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza mit.

Biontech und Pfizer betonten, dass ihr Impfstoff auf Basis von Daten aus einer großen klinischen Studie mit Zehntausenden Probanden zugelassen wurde.

Auch in Belgien sollen die ersten Menschen nach Angaben von Ministerpräsident Alexander De Croo am 5. Jänner geimpft werden. “Am 5. Jänner sind wir bereit, wie andere Länder”, sagte der liberale Politiker am Mittwoch nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga. Derzeit würden noch letzte Details der Impfstrategie geklärt. Dies gehe aber schnell. “Wenn die Impfungen bereit sind, wird unser Land bereit sein.”

Das Impfen soll in Belgien freiwillig und gratis sein. Zunächst sollen Risikogruppen und Beschäftigte im Gesundheitswesen geimpft werden. Für zwei Impfstoffe wurde bisher ein Zulassungsantrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur gestellt.

Von: APA/dpa/ag.