"Schutz und Hilfe" ist nicht einfach nur ein Motto

Bundesheer startete Assistenzeinsatz für steirisches Gasen

Freitag, 15. Juni 2018 | 17:16 Uhr

Das Militärkommando Steiermark hat am Freitag den Assistenzeinsatz für die oststeirische Gemeinde Gasen (Bezirk Weiz) gestartet: 40 Pioniere vom Baupionier- und Katastrophenhilfeeinsatzzug der Stabskompanie des Militärkommandos verluden am Vormittag die Ausrüstung. Besonders Motorsägen werden gefordert sein, da umgestürzte Bäume entfernt werden müssen, hieß es.

Die Soldaten werden auch am Samstag und am Sonntag im Einsatz sein. Mit Priorität wird vorerst im Fischbachgraben in der Katastralgemeinde Sonnleithberg gearbeitet. Außerdem wird die Landesstraße von Birkfeld nach Gasen geräumt.

Schadholz in Bächen droht bei weiteren Niederschlägen zu Verklausungen zu führen, weshalb auch die Gewässer rasch gesäubert werden müssen. Der Einsatz dürfte voraussichtlich zehn Tage dauern, schätzte das Militärkommando.

Eine Unwetterfront mit orkanartigen Sturmböen hatte am Dienstag zu zahlreichen entwurzelten oder abgeknickten Bäumen geführt. Straßen sind seither blockiert. Das ganze Ausmaß der Schäden wurde erst am Donnerstag erkannt. Bei einem möglichen Rettungseinsatz wären kilometerweite Umwege zu fahren, weshalb die Helfer für raschere Aufräumarbeiten Hilfe des Bundesheeres benötigen. Einzelne Gehöfte sind vorerst gar nicht oder nur schwer auf dem Straßenweg zu erreichen.

Die Gemeinde Gasen im Bezirk Weiz war in den vergangenen Jahrzehnten schon öfter Schauplatz schwerer Unwetter. 2005 riss eine Mure einen Mann mit in den Tod. 2016 wurde die Landesstraße nach heftigen Regenfällen von einer Mure versperrt. Die Gemeinde hat gut 900 Einwohner und umfasst im Wesentlichen einen Graben (“Die Gasen”) mit dem Gasenbach, einem Nebengewässer der Feistritz. Die Ortschaft Gasen selbst liegt auf 836 Metern Seehöhe und ist bekannt als die Heimat der “Stoakogler”.

Auch in Niederösterreich wurde das Bundesheer angefordert, nämlich nach den heftigen Unwettern im Bezirk Neunkirchen. Seit Freitagfrüh standen 18 Melker Pioniere mit sechs Fahrzeugen im Einsatz, um in der Marktgemeinde Warth eine beschädigte Brücke zu erneuern und eine unterspülte Straße wieder befahrbar zu machen. “Außerdem werden Verklausungen im Bachbett entfernt”, berichtete Einsatzleiter Georg Peirl im Gespräch mit der APA.

Etwa 300 Objekte sind nach aktuellem Stand durch die Unwetter im niederösterreichischen Bezirk Neunkirchen beschädigt worden. Die Zahl dürfte noch steigen. Der Bezirk bleibt bis auf weiteres Katastrophengebiet. “Wir werden die Sachlage am Montag neu beurteilen”, sagte Bezirkshauptmann-Stellvertreter Martin Hallbauer am Freitag. Vermutet wird Schaden in Millionenhöhe.

Von den starken Regenfällen am Dienstag und Mittwoch wurden neben Gebäuden auch Straßen, Brücken, landwirtschaftliche Anwesen, Gehwege und Leitungen in Mitleidenschaft gezogen. “Die Schadenskommissionen sind den zweiten Tag im Bezirk unterwegs”, sagte Hallbauer zur APA. Es sei zu vermuten, dass die Zahl der betroffenen Gebäude steigen wird, weil einige Zweitwohnsitzer den Schaden noch nicht gesehen haben.

Mehrere Kommunen waren von den Unwettern besonders stark betroffen – darunter Warth, wo das Bundesheer im Assistenzeinsatz stand. Sieben Gemeinden haben bisher Schadenskommissionen gebildet. Hallbauer rechnete damit, dass es noch mehr werden.

Durch die starken Regenfälle wurden am Dienstagnachmittag im Bezirk Keller unter Wasser gesetzt, Straßen überflutet und Äcker abgeschwemmt. In Warth stand der Hauptplatz teilweise einen halben Meter unter Wasser. Für die Pitten wurde Hochwasseralarm ausgerufen, am Mittwochabend entspannte sich die Lage.

Von: apa