47 Grad Celsius in Sydney gemessen

Buschbrände und extreme Temperaturen im Süden Australiens

Sonntag, 07. Januar 2018 | 14:04 Uhr

Heftige Buschbrände bei hochsommerlichen Temperaturen haben Feuerwehren im Süden Australiens über das Wochenende Dauereinsätze beschert. In den Bundesstaaten Victoria und Südaustralien brannten Häuser nieder, große Flächen mit Busch und Grasland standen in Flammen. In Sydney wurde die höchste Temperatur seit Jahrzehnten gemessen – gut 47 Grad Celsius.

In Currum Downs, einem südöstlichen Vorort von Melbourne, wurde ein 15-jähriges Mädchen als mutmaßliche Brandstifterin ermittelt. Dort hatte sich am Samstag laut der australischen nachrichtenagentur AAP eine breite Feuerfront gebildet. Mindestens ein Wohnhaus sowie mehrere Schuppen und Zäune wurden zerstört oder beschädigt. 30 Häuser wurden zeitweilig evakuiert.

Brandbekämpfer waren die ganze Nacht auf Sonntag im Einsatz. Das Feuer war am Samstagnachmittag bei Außentemperaturen von über 40 Grad Celsius ausgebrochen. Das Mädchen, das den Brand verschuldet haben soll, werde sich nun in Kürze vor einem Jugendgericht verantworten müssen, berichtete AAP.

In Benalla, rund 200 Kilometer nordöstlich von Melbourne, gab es am Sonntag nach einem plötzlich auflodernden Grasfeuer Alarm. “Verlassen Sie Ihre Häuser, Sie sind in Gefahr”, so die Lautsprecherdurchsagen. Der Brand auf etwa 100 Hektar Fläche konnte aber schnell eingedämmt werden. In der Gemeinde Sherwood im Bundesstaat Südaustralien wurde ein Feuerwehrtrupp zeitweilig in seinem Fahrzeug von Flammen eingeschlossen, blieb aber unversehrt. Nach Angaben der Brandschutzbehörden verbrannten 12.100 Hektar Busch- und Farmland. “Eine Anzahl Häuser und anderer Bauten fielen dem Feuer zum Opfer”, hieß es in einer Mitteilung. Am Sonntag schien rund um Sherwood das Schlimmste vorüber, nachdem die Temperaturen wieder gesunken waren.

In Adelaide, der Hauptstadt Südaustraliens, waren am Samstagmittag 42,3 Grad Celsius gemessen worden. Dies wurde noch übertroffen von Sydney: Dort waren es am Sonntag 47,3 Grad – der höchste Wert seit 1939. Wegen der Hitze musste das ATP-Tennisturnier in Sydney unterbrochen werden, nachdem die Französin Kristina Mladenovic wegen der hohen Temperaturen in der ersten Runde aufgegeben hatte.

Behörden verboten das Entfachen von Feuern. Die Regierung verhängte ein vollständiges Feuerverbot, um das Risiko für Buschbrände zu senken. Diese sind häufig während der trockenen australischen Sommer. Am Samstag waren schon zahlreiche Feuer in den Bundesstaaten Victoria und South Australia ausgebrochen. Sie zerstörten mehrere Gebäude.

Ein Tennisturnier wurde unterbrochen. Spitzen-Tennisspieler mussten am Sonntag das Spielfeld bei einem Vorbereitungsturnier auf das Grand-Slam-Turnier Australian Open verlassen. Die Temperaturen waren zuvor auf mehr als 40 Grad gestiegen. Der französische Tennisstar Kristina Mladenovic unterbrach das Spiel und verwies dabei auf die Belastung durch die Hitze. Auf dem Platz hätten zu Beginn wahrscheinlich 50 Grad geherrscht, schrieb die Elfte der Tennis-Weltrangliste auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Es sei das erste Mal in ihrer Karriere gewesen, dass sie sich aus einem Spiel zurückgezogen habe, fügte Mladenovic hinzu. “Das sagt alles.”

Auch beim letzten Spiel des beliebten Cricket-Turniers Ashes zwischen Australien und England wurde am Sonntag ein neuer Hitze-Rekord aufgestellt. Wetterstationen in der Nähe des Cricket-Stadions von Sydney meldeten Temperaturen von bis zu 43,7 Grad. Der bisherige Höchstwert bei einem Cricket-Spiel in Australien sei wohl mit 43,1 Grad in Adelaide im Jahr 1908 gemessen worden, berichtete die Zeitung “Sydney Morning Herald” unter Berufung auf den australischen Wetterdienst.

Seit dem Jahr 1910 erhöhten sich die Temperaturen in Australien um rund ein Grad, wie es in einem Bericht der Wetter- und Forschungsbehörde CSIRO heißt. Experten warnten zudem, der Klimawandel habe die Temperaturen im Wasser und auf dem Land steigen lassen. Die Folge seien mehr extreme Hitzetage und schwere Feuerperioden.

Bereits im vergangenen Sommer waren landesweit mehr als 200 Wetterrekorde gebrochen worden. Zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 herrschte eine starke Hitzewelle mit Buschfeuern und Überschwemmungen.

Von: APA/dpa/ag.