Desinfektionsmaßnahme in der Provinz Shandong

China beklagte wieder fast 100 Tote durch Coronavirus

Mittwoch, 12. Februar 2020 | 16:05 Uhr

Das neuartige Coronavirus hat in China innerhalb eines Tages erneut fast 100 weitere Todesopfer gefordert. Wie die Nationale Gesundheitskommission am Mittwoch in Peking mitteilte, kamen landesweit 97 Todesfälle hinzu. Die Zahl der Ansteckungen stieg um 2.015 Fälle. In Europa sind 43 Menschen erkrankt, in Österreich gab es weiterhin keinen bestätigten Fall, so das Gesundheitsministerium.

“Von den bisher in Österreich durchgeführten 105 Tests waren bisher alle negativ”, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Am Donnerstag findet in Brüssel der Sonderrat der EU-Gesundheitsminister auf Basis der Expertenkonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) statt, der am Dienstag und Mittwoch in Genf über die Bühne ging. Ziel sei es, “dass die EU-Mitgliedsstaaten verstärkt gemeinsam und koordiniert gegen eine Ausbreitung von Corona in der EU vorgehen”, sagte Anschober. “Das ist daher kein Grund für Panik, sondern für einen besonders sorgfältigen Schutz und volle Transparenz.”

In China fiel sowohl der Anstieg der Todesfälle als auch der neu bestätigten Infektionen den offiziellen Angaben zufolge etwas niedriger aus: Am Vortag waren noch 108 Todesfälle und 2.478 neue Infektionen offiziell gemeldet worden. Auf dem chinesischen Festland sind jetzt insgesamt 1.113 Tote zu beklagen. Bei mehr als 44.000 Menschen ist eine Infektion mit dem Virus bestätigt, das inzwischen den Namen Sars-CoV-2 erhielt. Die von ihm verursachte Krankheit heißt nun Covid-19 (abgeleitet von: COrona VIrus Disease).

Die Zahlen aus China sind allerdings wenig aussagekräftig, generell wird von Experten eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet. So sind die Möglichkeiten begrenzt, auf das neue Virus zu testen. Verschiedene Verfahren werden dabei angewandt, wobei häufig auch falsche negative Ergebnisse vorkommen, wie vielfach beklagt wird. Ferner erscheint das sich wandelnde Berichterstattungssystem Chinas mit unterschiedlichen Definitionen der einzelnen Fälle besonders für lokale Stellen kompliziert, berichtete die dpa. Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als dass sie das wirkliche Ausmaß der Epidemie darstellen. Die Welt müsse “aufwachen und dieses feindliche Virus als Staatsfeind Nummer eins betrachten”, sagte der WHO-Chef, Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Ein führender chinesischer Wissenschafter und Berater der Regierung hatte am Dienstag vorhergesagt, dass die Virus-Epidemie diesen Monat ihren Höhepunkt erreichen dürfte und bis April vorbei sein könnte. Daran gibt es aber Zweifel. “Es ist viel zu früh, das zu sagen”, warnte der Gesundheitsexperte der australischen Regierung, Brendan Murphy. “Wir müssen die Daten in den kommenden Wochen sehr genau beobachten, bevor wir Vorhersagen treffen können.”

Ein WHO-Experte erklärte, auch wenn die Epidemie in China ihren Höhepunkt erreiche, sei dies nicht zwangsläufig außerhalb des Landes der Fall. “Es hat sich auf andere Orten ausgebreitet, an denen der Ausbruch gerade erst beginnt”, sagte Dale Fisher mit Blick etwa auf Singapur. Dort gibt es bisher 50 Krankheitsfälle.

Unterdessen ist an Bord des unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiffes “Diamond Princess” im japanischen Yokohama bei weiteren 39 Menschen eine Ansteckung festgestellt worden, wie das japanische Gesundheitsministerium am Mittwoch bekannt gab. Vier Personen zeigten ernste Symptome. Damit erhöht sich die Zahl der Infizierten an Bord auf 174. Die übrigen der rund 3.600 Passagiere und Crew-Mitglieder sollen mindestens noch bis zum 19. Februar auf dem Schiff bleiben.

Wegen der Angst vor dem Covid-19-Virus war auch ein aus Hongkong kommendes Kreuzfahrtschiff in Schwierigkeiten – obwohl nicht einmal Fälle an Bord bekannt sind. Nach Taiwan, Japan, den Philippinen und Guam zögerte zuletzt auch Thailand, die aus Hongkong kommende “Westerdam” der Holland America Line in einen Hafen einlaufen zu lassen. An Bord sind rund 1.500 Gäste und 800 Besatzungsmitglieder. Am Mittwoch durfte das Schiff in der kambodschanische Hafenstadt Sihanoukville andocken. Bis zum Wochenende war auch in Hongkong ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als 3.000 Personen an Bord in Quarantäne gehalten worden, weil zwischenzeitlich Infizierte mitgereist waren.

Mit Blick auf die Lungenkrankheit warnte der für den westlichen Pazifik zuständige Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Takeshi Kasai, “vor Häufungen ohne erkennbare Verbindungen nach China”. Er verwies besonders auf lokale Ansteckungen. Alle Länder sollten sich “auf die Möglichkeit breiterer Übertragungen vorbereiten”. So hat Singapur 47 Fälle, die Hälfte durch örtliche Ansteckungen, während Malaysia 18 Infektionen zählt. Weltweit sind außerhalb des chinesischen Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt.

Südkorea holte zum dritten Mal Landsleute aus der stark betroffenen Stadt Wuhan in Zentralchina heim. Ein Charter-Flugzeug mit über 140 Südkoreanern und ihren chinesischen Familienangehörigen traf am Mittwoch in Seoul ein. Fünf Passagiere wurden Berichten zufolge in ein Krankenhaus gebracht, weil sie Symptome aufwiesen. Der Rest sollte in einer militärischen Einrichtung unter Quarantäne gestellt werden. Südkorea hatte bereits zuvor rund 700 Landsleute aus Wuhan auf deren Wunsch in die Heimat zurückgeholt. In Südkorea sind bisher 28 Infektionsfälle gemeldet worden.

Aus Angst vor dem Virus wird die Formel 1 britischen Medienberichten zufolge nicht wie geplant Mitte April in Shanghai fahren. Die Rennserie habe sich gegen die Austragung des Grand Prix in der ostchinesischen Hafenmetropole am 19. April entschieden, hieß es. Offen ist noch, ob das als vierter Saisonlauf geplante Rennen gestrichen oder auf einen späteren Zeitpunkt verlegt wird. Platz ist dafür im dicht gedrängten Kalender mit eigentlich 22 Rennen kaum.

Zweifel gibt es zudem an der Premiere des Grand Prix in Vietnam. Der Austragungsort Hanoi liegt nur rund 150 Kilometer entfernt von der chinesischen Grenze. Der Motorsport-Weltverband FIA hatte angekündigt, die Austragung der Rennen zu bewerten und, “falls nötig, jede erforderliche Maßnahme” zu ergreifen, “um dabei zu helfen, die weltweite Motorsportgemeinschaft und die breite Öffentlichkeit zu schützen”. Eine Rennabsage in der Motorsport-Königsklasse gab es zuletzt 2011. Damals wurde der Große Preis von Bahrain zum Auftakt der Saison wegen politischer Unruhen in dem Land nicht ausgetragen.

Von: APA/dpa/ag.