"Langer Marsch 5" auf dem Weg zum Mars

China startet Rakete für seine erste Landung auf dem Mars

Donnerstag, 23. Juli 2020 | 12:51 Uhr

China hat erfolgreich ein Raumschiff zu seiner ersten Landung auf dem Mars gestartet. Die Rakete vom neuen, leistungsstarken Typ “Langer Marsch 5” hob am Donnerstag vom Raumfahrtbahnhof in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab. Als erste Raumfahrtnation will China schon bei seiner ersten unabhängigen Mars-Mission auf dem “Roten Planeten” landen.

Das fünf Tonnen schwere Raumschiff “Tianwen-1” besteht aus einem Orbiter, einem Landegerät und einem Gefährt von der Größe eines Golfplatzfahrzeugs. Das Projekt gilt als einer der schwierigsten Raumflüge, die China jemals unternommen hat. Mit der Mars-Mission will China nach den USA die zweite Nation werden, die erfolgreich auf dem Mars landet und auch noch einen Rover betreibt. Eine Stunde nach dem Start berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Chinas Raumfahrtprogramm, dass das Raumschiff seine vorbestimmte Bahn erreicht habe und erfolgreich auf dem Weg zum Mars sei.

“Keine planetarische Mission ist jemals so umgesetzt worden”, schreiben die chinesischen Planer im Magazin “Nature” über ihr Vorhaben. “Ein Erfolg wäre ein großer technologischer Durchbruch.” Der Name “Tianwen-1” lässt sich mit “Fragen an den Himmel” übersetzen und stammt von einem Gedicht eines der größten chinesischen Poeten Qu Yuan, der etwa 340 bis 278 vor Christus gelebt hat.

Als besonders riskant gilt die Landung am Mars. Von 18 Landeversuchen waren bisher nur zehn erfolgreich – allein neun durch die USA. Russland gelang zwar 1971 eine Landung, aber der Kontakt brach 20 Sekunden nach dem Aufsetzen ab. “Der Mars hat eine sehr dünne Atmosphäre, was bedeutet, dass die Fallschirme nicht so viel bremsen, wie es nötig wäre”, sagte der australische Experte Morris Jones der Deutschen Presse-Agentur. “Einige Raumschiffe haben auf der Reise zum Mars gut funktioniert, aber sind dann an der Landung gescheitert.”

Die Chancen liegen laut Experten gerade einmal bei 50 Prozent. Die Landung gilt in NASA-Kreisen als die “sieben Minuten des Terrors”. Das Landegerät muss seine Geschwindigkeit von 20.000 Kilometer pro Stunde praktisch komplett abbremsen. Da der Mars eine Atmosphäre besitzt, ist ein Hitzeschild notwendig. Das chinesische Landegerät soll mit Hilfe des Fallschirms und der Raketendüsen auch etwa 100 Meter über der Oberfläche schweben, zunächst den besten Landeort auskundschaften und dafür seine Position anpassen.

Chinas Mission ist eine von drei Flügen zum Mars in diesem Sommer. Im Juli und August ist der Mars der Erde am nächsten – eine Konstellation, die es nur alle zwei Jahre gibt. Am Montag haben die Vereinigten Arabischen Emirate mit Hilfe einer japanischen Rakete schon die erste arabische Mars-Sonde ins All geschickt. Sie soll aber nicht landen. In einer Woche folgen die USA, die den Rover “Perseverance” (Durchhaltevermögen) auf den Mars bringen wollen.

Alle drei Raumschiffe sollen im Februar beim Mars sein. China will die Landung erst zwei, drei Monate danach versuchen. Während der Orbiter den Mars umrundet, soll das Landegerät auf flacher Oberfläche in der Marsgegend Utopia Planita aufsetzen. Dort war 1976 bereits die amerikanische “Viking 2”-Sonde gelandet.

Der solarbetriebene 240 Kilogramm schwere Rover soll die Oberfläche etwas mehr als drei Monate erforschen. Er ist doppelt so schwer wie Chinas Mond-Rover “Yutu”, aber nur ein Viertel des amerikanischen Gefährts “Perseverance”, das die Größe eines Kleinwagens hat und als das bisher fortschrittlichste weltweit gilt.

Chinas Rover hat ein Radargerät an Bord, das unter der Oberfläche nach möglichen Spuren von Wasser und mikrobiologischen Kulturen suchen kann. Auch soll es Magnetfeld und Atmosphäre erforschen. Von den acht Planeten in unserem Sonnensystem ist der Mars der Erde am ähnlichsten.

“Der Mars ist der wahrscheinlichste Ort in unserem Sonnensystem, um Lebensformen außerhalb der Erde zu finden – oder den Beweis, dass sie einmal existiert haben”, sagte Raumfahrtexperte Jones. “Es hätte tiefgehende Auswirkungen für die Wissenschaft und unsere Vorstellung vom Universum.”

In einer Entfernung von bis zu 400 Millionen Kilometer werden die Daten zur Erde gefunkt. Der Orbiter hilft bei der Kommunikation. In Miyuan vor den Toren Pekings wurde eine 70 Meter große Antennenschüssel ausgebaut, um die Signale zu empfangen. Auch in Kunming in Südwestchina gibt es eine.

China hatte 2011 schon mit Hilfe einer russischen Rakete eine Mars-Mission versucht. Das Vorhaben scheiterte aber kurz nach dem Start, als die Rakete mit dem Orbiter “Yinghuo-1 zur Erde zurückfiel. Der Start von “Tianwen-1” wurde auch deswegen mit Spannung verfolgt, weil die neue Rakete vom Typ “Langer Marsch 5” zum Einsatz kam, bei deren Entwicklung es einige Fehlschläge gegeben hatte.

Von: APA/dpa

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