Untersuchung aus Tirol und Südtirol

Corona-Studie: 15 Prozent laufend psychisch belastet

Dienstag, 12. April 2022 | 12:40 Uhr

Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck will herausfinden, wie belastend die Corona-Pandemie für die Bevölkerung ist. Dabei hat sich gezeigt, dass rund 15 Prozent der Tiroler und Südtiroler – unabhängig davon, wie streng die Corona-Maßnahmen gerade waren – durch die Krise konstant psychisch beansprucht waren. Doch durch Stärkung der eigenen Widerstandsfähigkeit kann dem entgegen gewirkt werden. Für eine Resilienzstudie werden nun Teilnehmer gesucht.

Seit Pandemiebeginn wurden bereits zu drei Zeitpunkten – im Sommer 2020, im Winter 2021 und Anfang 2022 – über 1.000 Menschen aus Tirol und Südtirol gefragt, wie sie die Pandemie auf psychischer Ebene meistern. Dabei habe sich gezeigt, dass eine “klinisch relevante Belastung der Allgemeinbevölkerung vorliegt”, sagte Studienleiter Alex Hofer, Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Psychiatrie I am Dienstag bei einem Pressegespräch in Innsbruck. Vor allem Frauen, Alleinstehende, Arbeitslose und Menschen mit geringem Einkommen waren betroffen.

Zudem gab es hinsichtlich des Konsums von Substanzen – etwa Alkohol – besorgniserregende Ergebnisse. “Der Substanzkonsum wurde gezielt eingesetzt, um sich besser zu fühlen”, berichtete Hofer. Der Anteil jener, die ein solches Verhalten zeigten, stieg von 20 Prozent auf 30 Prozent. Dies sei “alarmierend für die Psychiatrie”, denn so könnte sich ein Anstieg der Patienten ankündigen. Auch bereits suchtkranke Menschen gaben im Winter 2021 an, mehr Substanzen zu konsumieren. Bis 2024 wird die psychische Belastung der Menschen weiter untersucht, sagte Hofer.

Insgesamt habe man im Pandemieverlauf außerhalb der Klinik, also im ambulanten Bereich, eine starke Zunahme der Patienten registriert. “Es braucht mehr Psychotherapieplätze in Tirol”, resümierte Hofer, doch es mangle an der Finanzierung. Im stationären Bereich wurde häufiger Depression und Angst diagnostiziert. Von 2020 auf 2021 nahmen diese um rund 30 Prozent im Vergleich zu den Jahren vor Corona zu.

Dass die Tiroler Bevölkerung nach wie vor mit der Pandemie zu kämpfen hat, zeigte sich auch bei der Telefonseelsorge der Diözese Innsbruck. “Verstärkung der sozialen Isolation, Verschärfung von familiären Konflikten, Vertiefung psychischer Störungen, Ängste und Depressionen, Krisen und Lebensumbrüche – diese Themen haben uns beschäftigt”, berichtete Leiterin Astrid Höpperger in einer Aussendung. Rund 15.000 Anrufe wurden im Jahr 2021 entgegengenommen, die Zahl der Onlineberatungen hat sich mit 5.062 Chatberatungen und 2.876 Mailberatungen nahezu verdoppelt, verdeutlichte sie.

Doch für psychisch belastete Menschen gibt es durch Stärkung der Resilienz Möglichkeiten, dagegen zu halten, sagte der Klinische Psychologe Mark Spanner. Durch Stärkung der Widerstandsfähigkeit trainiere man sein “seelisches Immunsystem” erklärte er. Wie und auf welche Weise dies gelingen kann, ist Gegenstand einer weiteren Untersuchung, die bereits am Laufen ist und für die derzeit weitere Teilnehmer gesucht werden.

Dabei sollen 200 Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt werden, in denen zwei unterschiedliche Methoden angewandt werden. Die erste Gruppe führt die sogenannte “Progressive Muskelentspannung” durch, bei der bestimmte Muskelgruppen gezielt angespannt und wieder entspannt werden. Die zweite Gruppe trainiert die Methode “RASMUS – Resilienz durch Achtsamkeit, Selbst-Mitgefühl und Selbstfürsorge”. Die Studie wird in Live-Online-Trainings absolviert. Gesucht werden Menschen, die schwer belastet aber wenig widerstandsfähig sind, keine Vorerkrankung haben und sich nicht in psychiatrischer, psychologischer oder psychotherapeutischer Behandlung befinden und auch keine Entspannungstrainings machen. Informationen zur Studie gibt es hier.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Corona-Studie: 15 Prozent laufend psychisch belastet"


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PuggaNagga
1 Monat 16 Tage

Das hat sich ja rentiert alle narrisch zu machen.
15% der Bevölkerung haben Probleme.🤦‍♂️
Zur Erinnerung eine psychische Krankheit ist nicht weniger schlimm als ein physische.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 16 Tage

Tja, die Frage ist, welcher Teil mehr psychische Probleme hat. Die Leugner und Massnahmen Verweigerer ider der Vernünftige. Beu den Verschwöhrern ists egal, die waren schon vorher irgendwie “krank” grins

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Monat 16 Tage

kann diese pandemie nicht einfach geloschen werden???
ich möchte davon mix mehr hören….
wir alle wollen unser leben zurück, doch der ukraine krieg und die horrende inflation sind aktueller den je… viiiiiiel schlimmer

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Tratscher
1 Monat 16 Tage

Methodisch gibt diese Aussage, wonach 15% in Covidzeiten psychisch krank seien, nicht viel her. Dazu fehlt der Vergleich mit der gleichen Methodik VOR Covidzeiten. Außerdem melden sich bei solchen Erhebungen eher Menschen, die aktuell schwerer mit der Situation zurecht kommen (Bias) ….Glaube zwar auch, dass die Probleme in Covidzeiten zunehmen, welche und in welchem Ausmaß wissen wir nicht wirklich. Würde mit Interpretationen und Zahlenangaben vorsichtiger sein.

Sag mal
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Kinig
1 Monat 15 Tage

wie umgegangen wurde ,die Unsicherheit ,das nicht vertrauen können…ist belastend…kennt man ja von den aktuellen Politikern Denen es gleich ist wie der Bürger unter Ihnen leiden muss.

Sag mal
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Kinig
1 Monat 15 Tage

schon allein Wer Eltern hatt Die von Ponzius bis Pilatus herumgeschickt werden und überall eine Unordnung u.Ungerechtigkeit herrscht,wird zermürbt u.kann irgendwann nicht mehr.Was Uns da zugemutet wird u.wurde.. trägt nicht zur psychischen Gesundheit bei.

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