Gesundheitsminister Rudolf Anschober recht zufrieden

Corona-Entwicklung in Österreich auf stabil niedrigem Niveau

Sonntag, 10. Mai 2020 | 17:02 Uhr

Die Situation an Coronavirus-Neuinfektionen in Österreich bewegt sich weiter auf stabil niedrigem Niveau. Von Samstag auf Sonntag kamen 38 Neuinfektionen dazu, bis Sonntag (9.30 Uhr) haben sich jemals 15.871 Personen infiziert. Drei weitere Todesopfer ergeben eine Gesamtzahl von 618. 1.262 Menschen im Land sind aktuell am Virus erkrankt, 291 in Krankenhäuser, davon 72 in Intensivbehandlung.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von einer erfreulichen Entwicklung, diese dürfe aber nicht zu Sorglosigkeit und zu schnellen Öffnungen führen. “Würden wir jetzt innerhalb kürzester Zeit wieder alles zulassen, dann wäre eine zweite Welle nur eine Frage von wenigen Wochen – mit massiven Auswirkungen auf Gesellschaft, Gesundheit und Wirtschaft”, sagte Anschober. “Das wollen wir mit aller Kraft vermeiden.” Eine gesicherte schrittweise Öffnung und alle zwei Wochen eine weitere Etappe soll auch weiter der Fahrplan lauten.

Die Auswirkungen des zweiten Öffnungsschrittes vom 1. Mai würden in der kommenden Woche abschließend bewerten werden können. “Für die kommende dritte Etappe der Öffnungen am 15. Mai arbeiten wir zusätzlich zur Gastronomie an weiteren Teilbereichen”, sagte Anschober. “Nur so können wir mit ruhiger Hand durch die schwerste Pandemie und massivste Krise seit Jahrzehnten steuern. Wir sind auf einem guten Weg, gehen wir diesen Weg gemeinsam weiter, dann können wir gemeinsam erfolgreich sein.”

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sieht die Entwicklung in Österreich auch mit Blick auf die vergangenen beiden Wochen relativ stabil. Die effektive Reproduktionszahl der Coronavirus-Ansteckungen sei demnach vom 24. April bis 6. Mai bei 0,81 gelegen, die Zahl der Neudiagnosen sank täglich um 6,8 Prozent. Auch in Wien sei die Situation offenbar unauffällig.

AGES-Experte Franz Allerberger entwarnte zusätzlich. “Dieses Virus ist nicht so ansteckend, wie manche annehmen”, sagte er der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazins “Profil”. So gut wie keine Gefahr sieht der Facharzt für Infektionskrankheiten, auch im Beraterstab der Coronavirus-Taskforce des Gesundheitsministers, bei Aufenthalten an der frischen Luft. Überhaupt sei die Wirkung einzelner Maßnahmen unklar, etwa ob der Lockdown oder das wärmere Wetter die Rückgänge bei Neuinfektionen verursacht habe.

Klar ist, dass das Infektionsrisiko durch ein Mehr an Mobilität steigt. Anonymisierte Bewegungsdaten des Telekomunternehmens A1 und des Grazer Unternehmens Invenium zeigen jedenfalls, dass die Österreicher wieder deutlich mobiler sind. Sie setzen aber kaum auf öffentliche Verkehrsmittel. Die Fraktion der Zuhause-Bleiber nimmt demnach zwar wieder ab, ist aber noch größer als vor der Krise.

Eine von der Wiener Digitalagentur MediaBrothers durchgeführte und von Meinungsforscher Philipp Ikrath begleitete Online-Umfrage hat wiederum ergeben, dass die Österreicher für die Zeit nach Corona im Vergleich zu davor keine zu großen Änderungen in ihren Gewohnheiten und Verhalten anstreben. Die Mehrheit der Befragten möchte demnach in großen Zügen eine Rückkehr in den vor Corona gelebten Alltag. Ein “All-Online-Lifestyle” sei nicht zu erwarten, eher punktuelle Veränderungen in diese Richtung.

Jedenfalls scheint Österreich der Nach-Corona-Zeit näher als viele andere Länder. Denn weltweit hat die Zahl der jemals Infizierten am späten Samstagabend (MESZ) die Vier-Millionen-Grenze erreicht, am Sonntagnachmittag waren es schon gut 50.000 mehr Infizierte. Rund 280.000 Menschen sind offiziell bisher an oder mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben, die meisten davon in Europa. Doch da wird es ab Montag vielerorts Lockerungen der Beschränkungen geben, basierend auf sinkenden Infektions- und Todeszahlen.

Von: apa

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