Südtirol will "so viele Menschen wie möglich" testen

Massentests gestartet: Großer Ansturm an vielen Testzentren

Freitag, 20. November 2020 | 08:20 Uhr
Update

Bozen – An 184 Standorten und 646 Testlinien sollen ab heute, Freitag, bis Sonntag in Südtirol so viele Menschen wie möglich auf das Coronavirus getestet werden. “Die Aktion ‘Südtirol testet’ ist eine große Chance, um die Infektionsketten zu brechen”, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP). Jeder Einzelne könne Verantwortung übernehmen für sich selbst, die eigene Familie, das Arbeitsumfeld und die Gesellschaft allgemein, so der Landeshauptmann. Erklärtes Ziel sei es, rund 70 Prozent der Bevölkerung zu testen.

Lange Schlangen vor Testzentren

Es scheint so, als wäre das Interesse in der Bevölkerung groß: Zumindest am Freitagvormittag gab es regen Andrang in vielen Testzentren des Landes. Wie die Nachrichtenagentur Ansa am späteren Freitagvormittag vermeldet, hielt der Ansturm auf die Testzentren auch Stunden nach der Öffnung an. Es bildeten sich teils lange Schlangen. Auf Nachfrage erklären die Menschen, einen Beitrag dazu leisten zu wollen, so früh wie möglich in eine relative Normalität zurückkehren zu können. Dies komme auch der Wirtschaft zugute. Insgesamt sind unter den Menschen in der Schlange eine große Bereitschaft und Gemeinsinn zu erkennen.

Positive müssen zehn Tage in Quarantäne

Die Tests sollen “schnell und unbürokratisch ablaufen”. Jeder sollte zur Testung möglichst den nächsten Testungsort aufsuchen. Das Testergebnis soll maximal 30 Minuten nach dem Test feststehen und soll dann möglichst rasch per SMS oder E-Mail mit Zugangscode zugestellt werden. Sollte das Testergebnis positiv ausfallen, so muss der Getestete, sofern er keine Krankheitssymptome entwickelt, in häuslicher Isolation bleiben, die nach zehn Tagen automatisch endet.

Rund 900 Ärzte, Krankenpfleger und Mitarbeiter des Weißen und Roten Kreuzes werden im Einsatz sein. Hinzu kommt das Verwaltungspersonal, das zumeist von den Gemeinden gestellt wird. Pro Tag werden damit rund 1.500 Personen für die Abwicklung der Massentests im Einsatz sein.

Insgesamt sind rund 350.000 Personen aufgefordert, sich testen zu lassen. Je größer die Beteiligung, desto stärker könne die Infektionskurve gesenkt werden, erklärte Gesundheitslandesrat Thomas Widman (SVP). “Wenn alle diese Personen zum Test kommen, können wir genügend asymptomatische Virusträger herausfiltern und das Infektionsgeschehen damit stark einschränken”, meinte der Landesrat. Damit könnten monatelange Einschränkungen beziehungsweise ein “Dauerlockdown” bis zum nächsten Frühjahr vermieden werden.

Alles zu den Abläufen

An der kostenlosen Testung sollen alle Südtiroler über fünf Jahre, die keine Krankheitssymptome aufweisen und bisher nicht an Covid-19 erkrankt waren teilnehmen. Die Teilnahme an den Tests ist freiwillig und kostenlos. In allen Gemeinden werde es zumindest eine Teststation geben. In der Landeshauptstadt Bozen wird es beispielsweise 120 Teststrecken an 20 Standorten geben. Viele Gemeinden richteten ein telematisches Vormerksystem ein, zudem gibt es telefonische Ansprechpartner.

Bevölkerungslandesrat Arnold Schuler (SVP) sprach von einer “riesengroßen organisatorischen Herausforderung”. In Gemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnern werde der Bevölkerungsschutz die Versorgung des Personals übernehmen. Die Freiwilligen Feuerwehren stehen für den Ordnungsdienst bereit. Wichtig sei es, Menschenansammlungen zu vermeiden.

 

Von: apa

Bezirk: Bozen