Großbritannien und Frankreich melden gestiegene Zahlen

Coronavirus – Fast 800 Infektionsfälle in Deutschland

Samstag, 07. März 2020 | 17:50 Uhr

In Europa ist die Zahl der Coronavirus-Infektionen auch am Samstag deutlich gestiegen. In Deutschland seien mittlerweile 795 Ansteckungsfälle bekannt, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) am frühen Abend mit. In der Früh hatte das Institut noch 684 Fälle und damit zehnmal so viele wie vor einer Woche gemeldet. Auch Großbritannien und Frankreich meldeten eine Zunahme der Infektionen.

Allein in Nordrhein-Westfalen wurden dem RKI zufolge 373 Fälle bestätigt, in Baden-Württemberg 170 und in Bayern 134 Fälle. Als einziges Bundesland weist bisher Sachsen-Anhalt keinen Fall auf. Am Sonntagabend wollen die Spitzen von CDU, CSU und SPD im Kanzleramt auch über die Auswirkungen des Coronavirus beraten. Thema dürften unter anderem ein leichterer Zugang zur Kurzarbeit und Liquiditätshilfen sein.

Schüler und Kindergartenkinder in Bayern dürfen nach ihrer Rückkehr aus dem Virus-Risikogebiet Südtirol für zwei Wochen nicht in die Schule beziehungsweise in den Kindergarten. Dazu sei eine entsprechende Coronavirus-Allgemeinverfügung erlassen worden, teilte das Gesundheitsministerium in München mit.

Auch bei der Berliner Polizei gibt es nun einen Coronavirus-Fall. Der Polizist habe sich nicht im Dienst angesteckt und befinde sich in häuslicher Quarantäne, teilte die Polizei der Hauptstadt am Samstag über das Internet-Netzwerk Twitter mit.

In Italien, das in Europa am stärksten betroffen ist, wurden bis Freitagabend 197 Todes- und 4.636 Ansteckungsfälle bestätigt. In Frankreich starben in der Normandie nach Angaben des Gesundheitsministeriums zwei weitere Menschen. Insgesamt seien nun 716 Infektionsfälle bekannt, 103 mehr als am Freitag. Die britischen Gesundheitsbehörden teilten mit, die Zahl der bestätigten Infektionsfälle sei auf 206 gestiegen. Bisher seien zwei Patienten daran gestorben. In den Niederlanden wurden inzwischen 188 Infektionsfälle bestätigt. Am Freitag starb dort erstmals ein Mensch infolge der Virusinfektion.

Nachdem mehrere Crewmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, steht ein Nilkreuzfahrtschiff mit etwa 165 Menschen an Bord im Süden Ägyptens unter Quarantäne. Die etwa 2.000 Passagiere des Kreuzfahrtschiffs “MSC Opera”, dem Malta am Freitag die Landung verweigert hatte, traf indes am Samstag im sizilianischen Messina ein. Die Passagiere wurden Kontrollen unterzogen. Der Kapitän versicherte, dass es keine Gesundheitsprobleme an Bord gebe, daher durften die Passagiere in Messina aussteigen. Malta hatte am Freitag dem Kreuzfahrtschiff “MSC Opera” die Landung in La Valletta verweigert, nachdem zwei Österreicher, die eine Woche zuvor das Schiff verlassen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Am stärksten betroffen von der Epidemie sind nach wie vor China, Südkorea und der Iran. Jedoch meldete China einen geringeren Anstieg bei den Neuinfektionen. Nach jüngsten Angaben sind dort fast 80.700 Menschen infiziert und 3.070 am Virus gestorben. Laut Regierung kehrten dennoch bereits 78 Millionen Wanderarbeiter zur Arbeit zurück. Das seien 60 Prozent aller Personen, die zum Neujahrsfest nach Hause gegangen sind. Allerdings wachse durch die erhöhte Reisetätigkeit das Ansteckungsrisiko.

In Südkorea stieg die Zahl der Infektionen auf 7.041. Das seien 448 mehr als am Vortag, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Dabei stehe mehr als die Hälfte der Fälle mit einer geheimen Kirche in Verbindung, die sich im Zentrum des Ausbruchs befinde. Die Zahl der Todesopfer sei um zwei auf 46 gestiegen.

Im Iran legte die Zahl der Neuinfektionen sprunghaft zu. Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass bis zum Samstag binnen 24 Stunden mehr als tausend Menschen positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Insgesamt seien jetzt 5823 Infektionsfälle bekannt. Die Zahl der Menschen, die infolge der Infektion gestorben sind, stieg um 21 auf 145.

Weltweit gibt es nach Reuters-Zahlen knapp 102.000 Infektionsfälle. Mehr als 3.480 Menschen starben bisher an der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit.

Von: Reuters