"Viruslast ist niedrig"

Coronavirus: Mutmaßlich Infizierter hatte Kontakt mit 24 Personen

Dienstag, 25. Februar 2020 | 09:45 Uhr
Update

Das Land Südtirol hat Montagabend in Sachen Coronavirus von einem “ersten, wahrscheinlichen Fall” in der autonomen Provinz gesprochen. Es handle sich um einen jungen, in Südtirol ansässigen Mann, der “derzeit keine Symptome aufweist”, wie die geschäftsführende Primaria der Abteilung für Infektionskrankheiten des Landeskrankenhauses, Greta Spoladore, erklärte. Er werde derzeit stationär behandelt. Obwohl es noch nicht offiziell bestätigt wurde, soll es sich bei dem Betroffenen um einen 31-Jährigen aus Terlan handeln.

AfBS

Die Symptomlosigkeit zeige, dass “die Viruslast niedrig ist. Auch das ist ein gutes Vorzeichen, auch wenn die nächsten Tage und Stunden entscheidend sein werden”, wie Elisabetta Pagani vom Laboratorium für Mikrobiologie und Virologie hinzufügte. Der Mann hatte sich in den vergangenen Tagen von sich aus an die Einheitliche Notrufnummer 112 gewandt, nachdem er von den Hygienediensten des Gebietes, in dem er sich aufgehalten hatte (Castiglione d’Adda), kontaktiert worden war. Der erste Test sei negativ ausgefallen der zweite hingegen positiv, hieß es in einer Aussendung des Landes Montagabend.

Der 31-Jährige zeigt Medienberichten zufolge keine Symptome wie etwa Husten oder Fieber. Trotzdem könnte der Mann bereits mehrere Menschen angesteckt haben. Der Sanitätsbetrieb rechnet mit mehr als zwei Dutzend Personen. Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen und Menschen, mit denen er sonst noch in Kontakt war, werden nun untersucht und müssen eventuell daheim in Isolation bleiben.

Zwei Streifen der Sondereinheit der Carabinieri für Hygiene und Lebensmittelsicherheit NAS aus Trient transportieren die Probe daraufhin nach Rom. In Italien sind die Carabinieri die einzige Ordnungsmacht, die sich von Gesetzes wegen um Belange der Sanität und der öffentlichen Gesundheit kümmern dürfen. Das Carabinieri-Kommando zum Schutz der Gesundheit ist seit dem Jahr 1962 dem Gesundheitsministerium unterstellt. Mitglieder Heerespolizei, die dieser Abteilung angehören, haben unter anderem die Funktion eines Gesundheitsinspektors, wenn es um die Herstellung, die Lagerung, den Verkauf und die Verabreichung von Lebensmittelprodukten geht. Im Laufe der Zeit wurden die Kompetenzen der Sonderabteilung NAS erweitert. Mittlerweile fallen in deren Zuständigkeiten auch die internationale Prophylaxe im Fall von Pandemien sowie die Gesundheit bei der Schifffahrt, im Luftverkehr und entlang der Grenzzonen. Zum Kompetenzbereich der Sonderabteilung gehören außerdem die Überwachung der Produktion und des Verkaufs von speziellen Medikamenten zu human- oder zu tiermedizinischen Zwecken, Impfungen, Virus-Infektionen, Blutseren, Kosmetik- und Drogerieprodukte, medizinisch-chirurgische Hilfsmittel und medizinische Geräte. Neben Hygiene, öffentlicher Gesundheit und tierärztlicher Überwachung geht es zudem um die Überwachung von legaler Produktion und dem Handel mit Drogen zum Zweck der Herstellung von Medikamenten.

In Rom soll innerhalb der nächsten 48 Stunden eine dritte Überprüfung vorgenommen werden. “Nach dem positiven Ergebnis des zweiten Tests haben die epidemiologischen Untersuchungen bereits begonnen. Die Personen, die mit ihm in Kontakt standen, werden kontaktiert und untersucht. Diejenigen, die als enge Kontaktpersonen eingestuft werden, werden – sollte sich ein positiver Befund bestätigen – isoliert und epidemiologisch überwacht”, teilte Sanitätsdirektor Pierpaolo Bertoli mit.

Bei dem Mann dürfte es sich um die neunte in Südtirol kontrollierte Person handeln, bei der sich wie bei den anderen der Verdacht zunächst nicht bestätigt hatte. In ganz Italien sind damit bisher sieben Todesopfer und 229 Infizierte nach Angaben des italienischen Zivilschutzes in Zusammenhang mit der in Norditalien ausgebrochenen Coronavirus-Epidemie registriert worden. Eine Person sei am Coronavirus genesen, teilte Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli mit.

Von: apa

Bezirk: Bozen, Überetsch/Unterland