Bislang keine Reue

Das hat Benno Neumair seiner Tante erzählt

Donnerstag, 14. April 2022 | 11:12 Uhr

Bozen – Der Mordprozess gegen Benno Neumair vor dem Schwurgericht in Bozen wird am 5. Mai fortgeführt. Wie die Zeitung Alto Adige schreibt, werden an diesem Tag die psychiatrischen Gutachter das Wort haben und ihre Sicht der Dinge zum geistigen Gesundheitszustand des Angeklagten ausführen. Für den Ausgang des Prozesses dürfte dies entscheidend sein.

Bekanntermaßen soll Benno Neumair, dem der Mord an seinen Eltern vorgeworfen wird, seit seiner Kindheit zwei Gesichter gehabt haben. Das geht aus diversen Erzählungen von Familienmitgliedern und Bekannten hervor. Dass der Angeklagte psychische Probleme hatte, scheint gewiss. Die große Frage ist, ob der ehemalige Mathematik-Lehrer zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war oder eben nicht.

Hier driften die Einschätzung der psychiatrischen Gutachter auseinander. Für die Verteidigung ist klar, dass ihr Mandant eingeschränkt zurechnungsfähig und daher auch nur begrenzt schuldfähig sei. Für den Gutachter der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger ist der Angeklagte hingegen voll einsichts- und willensfähig. Zu einem diversifizierten Schluss kamen die drei Amtsgutachter. Am 5. Mai wird demnach ein Schlagabtausch der Gutachter zu erwarten sein.

Für Madè Neumair ist klar, dass ihr Bruder wusste, was er tat und womöglich sogar einen Plan verfolgte. Bis heute habe er auch keine Reue gezeigt, wird Madè Neumair in dem Bericht zitiert. Bei mehreren Gelegenheiten habe ihr Bruder Gefühlskälte an den Tag gelegt und fast deutlich gemacht, dass sein Handeln gerechtfertigt gewesen sei. Seiner Tante Michaela – die ihn im Gefängnis besucht hatte – erklärte er auf die Frage, ob er denn realisiere, dass seine Schwester jetzt ganz allein dastehe, dass auch er immer alleine gewesen sei.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen