Blick in den Spiegel sehr erhellend – ein Kommentar

Die Straßen verstopfen wir alle

Donnerstag, 09. Juni 2022 | 01:56 Uhr

Bozen – Das erste große richtige Pfingstwochenende nach der Pandemie brachte nicht ganz unerwartet eine Verkehrsflut, wie sie selbst vor dem Ausbruch der ersten Coronawelle nie erlebt worden war.

Es bedurfte aber keines Propheten, um vorherzusagen, dass Menschen, die fast zwei Jahre lang nicht mehr reisen konnten, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ins Auto steigen würden. Heuer noch mehr als in den vergangenen Jahren standen bei unseren nördlichen Nachbarn dabei Sehnsuchtsorte wie Südtirol und der Gardasee ganz besonders hoch im Kurs. In jedem Fall war auf der Autobahn und auf Südtirols Straßen so viel Verkehr, dass zu gewissen Zeiten gar nichts mehr ging und alle im Stau steckten.

APA/APA (dpa)/Sina Schuldt

Wie im Land der Nörgler und Neider nicht anders zu erwarten, wurden wieder Klagen über die „Fremmen“ laut, die allein schuld an den heillos verstopften Straßen seien. Vergessen scheinen die langen Wochen, als alles geschlossen war, kaum jemand die eigenen vier Wände verlassen durfte und – das Allerschlimmste – viele um ihren in erster Linie vom Tourismus abhängigen Arbeitsplatz bangten. Schwer lastete damals die Angst vor der Zukunft auf den Gemütern der Südtiroler.

stnews/luk

Besonders amüsant ist aber, dass so getan wird, als ob die Südtiroler kein reisefreudiges Völkchen seien. Nach zwei Jahren mehr oder minder gefühltem Eingesperrtsein nützten auch viele Einheimische den „Ponte des Jahrzehnts“ aus, wie meine Arbeitskollegin das verlängerte Wochenende vom Staatsfeiertag bis zum Pfingstmontag bezeichnete, um fernab der Heimat Städte und ferne Regionen zu besuchen oder im Meer und im See zu planschen.

Kalterer See lpa

Sind dort nicht auch wir jene „Fremmen“, die angeblich alle Straßen verstopfen? Das wird ganz sicherlich so sein, aber mit unserer Reisefreude tragen wir mit dazu bei, auch dort vielen Menschen vor ihrer Haustür ein einträgliches Auskommen zu ermöglichen. Nichts erhellt das Gemüt eines Nörglers und Neiders so sehr wie der Blick in den eigenen Spiegel.

Von: ka

Bezirk: Bozen

Kommentare

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29 Kommentare auf "Die Straßen verstopfen wir alle"


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N. G.
N. G.
Kinig
16 Tage 1 h

Super Kommentar! Einen Satz möchte ich verhorheben:

“Nichts erhellt das Gemüt eines Nörglers und Neiders so sehr wie der Blick in den eigenen Spiegel”.

Wie bei allem, wenn etwas in Südtirol schlecht läuft, ist der Tourismus schuld.
Wars die Pandemie, der Verkehr, wer weiss nich alles, WIR sind es jedenfalls nicht!
Wir sind richtig gut darin, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Verstopfen unsere Strassen, genauso wie Touris es tun und in unserem Urlaub wir selbst dann auch andere Gegenden.

Faktenchecker
15 Tage 10 h

Unsere sagtst Du als Deutscher?

Kingu
Kingu
Superredner
15 Tage 6 h
In anderen Gegenden hat man auch früh genug Abhilfe geschaffen und in das staatliche Strassennetz investiert. Warst du schon einmal auf dem Reschenpass? Wenn ich über Nauders in die Schweiz fahre, dann denke ich mir, Südtirol hat ein höheres Budget als Nordtirol und Osttirol zusammen und die Strasse schauen aus, als wären wir in Südtirol ein 3. Weltland. Der Brennerbasistunnel ist primär für den Schienenverkehr und wird die Brennerautobahn kaum entlasten, weil dafür muss er zu meiner Lebenszeit fertiggestellt werden und die Frächter werden das Angebot nicht annehmen, ihre Ware am Güterbahnhof in Bozen zu verladen und in Nordtirol oder… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
15 Tage 2 h

@Faktenchecker Grins! Da sieht man wie aufmersam du Kommentare liest.
Ich bin Südtiroler, das weiß hier inzwischen jeder und sogar aus welcher Stadt!
Also liest du die Berichte auch so? Das erklärt vieles! Blamabel!

Tina1
Tina1
Superredner
15 Tage 11 h

Wer “Alle”… Ich zum Bsp nicht weil ich nicht fahre, meine Steuer und Versicherung und alles dazugehörige trotzdem zahle. Und was ist mit der Lebensqualität der an den verstopften Straßen lebenden? Zählt natürlich nicht! Die haben die “Fremmen” Erholungssuchenden.😡

Hustinettenbaer
15 Tage 6 h

@Tina1
Dann bist du eine Ausnahme von der Regel.
Alle anderen müssen sich an die eigene Nase packen und denken: Du steckst nicht im Stau, du bist der Stau.
Die Anwohner: “Untersuchung belege, dass sich bei Frauen, die näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsstraße lebten, die allgemeine Sterblichkeit um mehr als 40 Prozent erhöhe. Das Risiko an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben, steige sogar um fast 80 Prozent”
https://www.welt.de/wissenschaft/article10690212/An-der-Hauptstrasse-wohnen-macht-krank.html#:~:text=Wer%20an%20viel%20befahrenen%20Stra%C3%9Fen,viel%20gef%C3%A4hrlicher%20als%20bislang%20angenommen.&text=Schadstoffen%20in%20der%20Atemluft,Gesundheitsgefahren%20aus%20als%20bisher%20bekannt.

Staenkerer
15 Tage 3 h

i benutz nur de öffentlichn verkehrsmittel, fohr ollerfings dankenbar oanmol de woch mit jemand mit zum eikauf der sowieso fohrt, deswegn fühl i mi nit ongsprochn, möcht ober schun an oll de pendler erinnern de von bergdörfer oder von täler zur orbeit fohrn müßen, von de konn man weder verlongen das se nie mitn auto fohrn, und wenn se nor ewig zeit brauchn dorfn no nix sogn?
mir leiden olle darunter a durchzugslond zu sein, a de, de wie i nit mitn eigenen auto im dtau steckn!

Hustinettenbaer
15 Tage 1 h

@Staenkerer
Ich will auch niemand an den Karren fahren oder das berufliche… Autofahren ausreden.
Mit dem Zug nach Südtirol hab ich ein paar Mal durchgezogen. Mit Gepäck sehr unkomfortabel. Also doch wieder Auto.
Wir Touris könnten am Urlaubsort auf´s Autofahren weitgehend verzichten.

Staenkerer
14 Tage 8 h

@Hustinettenbaer meine bekonnte aus stuttgarter wollte vorigesjohr aus gründen undrer hohen spritpreiße es auto bei ihrer pension in neustft-imgebung stien lossn und NUR mehr den gästefohrkorte für bus und bahn benutzn, hots ober bold augenn do se ihre einkäufe nor olm 5 min(!!!!) von der busholtestelle a anhöhe bis zur pension aufischleppen mußte! du sigsch, man konn von de gäste mit OLLES verlongen ….

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 3 h

@Staenkerer Gerade weil du aus dem Pustertal bist, solltest du wissen, dass das für Pendler kein Problem ist! Das weiss ich persönlich! Red nicht..! Die jammern nur weils 5 Min. länger dauert und alle selbst mit Auto fahren WOLLEN! NICHT MÜSSEN!

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 3 h

@Staenkerer Im Betrieb in dem ich arbeite, fährt ein Drittel mit Auto, wegen 10 Minuten Zeitersparnis? Erklär das dann, warum? Die fahren erst jetzt Bus, weil ihnen der Sprit zu teuer wird!
Dein Argument ist Quatsch!

N. G.
N. G.
Kinig
13 Tage 22 h

@Staenkerer Tatsächlich 5. Minuten musste sie schleppen?
Ein Wahnsinn!
Mein Bäcker ist zu Fuß 2 Minuten entfernt, ich nehm den Flieger, sonst muss ich noch Brot schleppen!

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
13 Tage 17 h

@N. G. einkäufe und brot kaufen sind doch noch 2 verschiedene paar schuhe, denk ich.

Faktenchecker
11 Tage 6 h

@N. G.
Das ist Lörrach.

falschauer
15 Tage 6 h

nein mit diesem kommentar kann man einverstanden sein, ja der tourismus ist für unsere wirschaft überlebenswichtig, aber es gilt auch grenzen zu setzten. damit dieser nicht überhand nimmt, solche verhältnisse wie am letzten wochenende sind für einheimische in vielerlei hinsicht eine zumutung ganz abgesehen davon, dass der obgenannte wirtschaftliche vorteil auch schnell zum nachteil werden kann, die lebenhaltungskosten, die mieten, die wohnungspreise und vieles andere steigt ins unendliche, ohne die massive beeinträchtigung unsere lebensqualität in den verschiedensten bereichen zu erwähnen

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 3 h

Du hast was überlesen! Der Kommentar sagt auch, WIR selbst sind MIT die Übeltäter! Darum gehts mit und auch dem Schreiber!

N. G.
N. G.
Kinig
14 Tage 3 h

Ansonsten , bin ich völlig bei dir, wir leben vom Tourismus. Die Frage ust nur, wue gestalten wit diesen und vor allem, die damit verbunde Verteuerung für uns muss verhindert bzw. ausgeglichen werden um den sozialen Frieden zu gewährleisten!

l OneManArmy l
l OneManArmy l
Superredner
15 Tage 22 h

Dann lieber Autor, fahren sie nächstes Jahr zu dieser Zeit bitte durch Vinschgau. 30 km Stau, durchschnittsgeschwindigkeit 15 km/h. Dann haben sie 2h Zeit sich die Kennzeichen anzusehen.

Tina1
Tina1
Superredner
15 Tage 11 h

I one…der Autor möche ja vom Kuchen mitnaschen.

Unioner
Unioner
Tratscher
15 Tage 1 h

Man könnte einiges verbessern. Dazu gehört z.B. ein Fahrverbot für Wohnmobile bei bestimmten Pässen.Wo es so eng ist das man nicht in einem Zug die Kehren schafft. Ich fahre selbst mit dem Motorrad nur in der Woche durch Südtirol und verstehe die Einheimischen. Mit dem Auto würde ich nicht nach Südtirol fahren das macht keinen Spaß.

Staenkerer
14 Tage 7 h
i verstea als einheimischer südtiroler de unsre schöne heimat erkunden welln und mit nur Wellness mochn welln, oder de städte und sehenswürdigkeitn in de täler besichtigen welln schun das sie dazua es auto benutzn! viele schönheitn sein holt mit de öffentlichn busse kaum zu erreichn, denn de fohrn seltn im tog dort hin, oder de jeweiligen holtestelln sein a stuck entfernt vom ziel! es gleiche gild für viele leichte, a von ungeübte bergwondrer mochbore höhenwegesteige! mitn auto ersport man sich so monchen anstieg bis eigendlichnbwonderweg den man mochn will! i glab mir “bergler” vergessn beim kritisiern oft das viele flochländer… Weiterlesen »
Bauchnoblwollwuzl
13 Tage 22 h

MEIN Auto verursacht nicht den Stau, ist ja nur eins. Das Problem sind die ganzen anderen Autos. 😂😂😂🙈😂😂😎

EviB
EviB
Superredner
15 Tage 4 h

👏🏼👍🏼 dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Storch24
Storch24
Kinig
14 Tage 22 h

Heute war in Bozen gar nichts verstopft. Innenstadt von 10:00 bis 13:00 für den Verkehr gesperrt, weil 100 Studenten auf die Straße gingen (Klimaschutz……)

merlinita
merlinita
Neuling
13 Tage 11 h
Meiner Meinung nach ist viel von unserem Verkehrschaos dem grossteils mittelalterlichem Strassenbau zu verdanken, ich bin ex-puschtra und bin oft nach Österreich oder auf der anderen Seite nach Verona gefahren, welche teils skurilen Strassenverwindungen da vorhanden sind ist schon erstaunlich, in Osttirol gehts komischerweise auch meist gerade und breit und man kommt auch mal gut an nem Brummi vorbei und unten in Verona sind zwar die Strassen ned so schön wie in AT aber man hat zig Möglichkeiten um an den gleichen Ort zu kommen, im Pustertal wird hingegen versucht mögliche Umwege zu blockieren, siehe alte Strasse Percha-Bruneck z.B., oder… Weiterlesen »
Rosenrot
Rosenrot
Superredner
13 Tage 5 h

Ich habe über Pfingsten 3 Tage in Jesolo und die darauffolgenden 3 Tage in Malcesine am Gardasee verbracht. Der Anteil an Südtirolern war enorm. Somit verursachen sie genauso viel Verkehr wie andere ausländische Touristen auch. Jene, die hier über den Verkehr meckern, kommen vermutlich aus ihrem Tal nie heraus, denn sonst würden sie merken, dass auch unsere Leute viel unterwegs sind. 

Guenther
Guenther
Neuling
13 Tage 15 h

Stimme ich voll zu, danke für diesen tollen Bericht 😊

Offline1
Offline1
Kinig
12 Tage 4 h

Viele Urlauber, die wie ich im Vinschgau ihr Quartier haben, lassen das Auto dauerhaft während des ganzen Urlaubs stehen und fahren mit der Vinschger Bahn und anderen ÖPNVs. Da jedoch die Landesregierung nicht in der Lage ist, wirtschaftlich solvente Bauunternehmen mit wichtigen Arbeiten, wie an der Bahn (Töll !!), zu beauftragen und dann noch Chaos beim Schienenersatzverkehr entsteht, steigen Einige dann halt doch für Fahrten nach Meran und ins Burggrafenamt aufs Auto um, was das Chaos und die Dauerstaus noch verstärkt.

OrB
OrB
Universalgelehrter
10 Tage 5 h

Letztes Jahr im Frühjahr als die Grenzen noch zu waren, konnten wir Einheimischen an den Wochenenden locker einen Ausflug machen ohne im Stau zu stehen.
Es fehlten die Touristen, also wer verursacht den Großteil des Verkehrschaos?

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