Österreichische Virologen pflichten Drosten-Einschätzung bei

Diskussion nach Aussage Drostens zu Corona-Endemie

Dienstag, 27. Dezember 2022 | 15:22 Uhr

Die Aussage des deutschen Virologen Christian Drosten in einem Interview, dass die Corona-Pandemie nach seiner Ansicht vorbei sei, hat eine Diskussion ausgelöst. Forderung nach Lockerungen der Sicherheitsmaßnahmen wurden laut. Doch das Beratungsgremium Gecko warnte bereits vor Weihnachten, dass man Corona auch beim Übergang in eine Endemie nicht unterschätzen sollte. Selbst dann könnte es “zu massiven Beeinträchtigungen” kommen, die lokale Maßnahmen nötig machen würden.

“Wir erleben in diesem Winter die erste endemische Welle mit SARS-CoV-2, nach meiner Einschätzung ist damit die Pandemie vorbei”, sagte der Leiter der Virologie an der Berliner Universitätsklinik Charité dem “Tagesspiegel”. Die Immunität in der Bevölkerung werde nach diesem Winter so breit und belastbar sein, dass das Virus im Sommer kaum noch durchkommen könne, zitierte ihn die dpa am Montag. Als einzige Einschränkung nannte Drosten einen weiteren Mutationssprung. “Aber auch das erwarte ich im Moment nicht mehr.”

Die Virologin Dorothee von Laer von der Medizinischen Universität Innsbruck schloss sich der Ansicht von Drosten an, dass die Pandemie vorbei ist. Corona habe sich “ausgeschlichen” und nun eingereiht in die sonstige Reihe an Erkältungskrankheiten oder Virusinfektionen wie etwa die Grippe, erklärte Von Laer gegenüber der APA. Covid-19 werde ebenso wie diese bleiben. Auch die Innsbrucker Virologin führte die mittlerweile vorhandene breite Grundimmunität in der Bevölkerung an, die dazu führe, dass weitaus weniger Menschen erkranken und wenn sie erkranken, dann nicht mehr so schwer wie in früheren Zeiten.

Auch der österreichische Genetiker Ulrich Elling kann der Aussage des deutschen Virologen Christian Drosten beipflichten, dass nun die erste endemische Welle mit SARS-CoV-2 im Rollen ist. “Die Pandemie in dem Sinne” sei damit vorbei, Covid-19 aber “gekommen, um zu bleiben”, so Elling. Wenn man “Pandemie” so definiert, dass ein neuer Erreger auf eine immunologisch unvorbereitete Bevölkerung trifft, dann sei diese Phase der Auseinandersetzung mit dem SARS-CoV-2-Erreger tatsächlich mehr oder weniger abgeschlossen, so der am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) tätige Forscher im Gespräch mit der APA. Wenn Drosten jetzt von Endemie spricht, treffe das zu, da sich nun eben zum allergrößten Teil Menschen mit Covid-19 infizieren, die dem Erreger schon ausgesetzt waren.

Nachdem in Österreich die Omikron-Variante seit rund einem Jahr für eine breite Durchseuchung sorgt und vor relativ kurzer Zeit die BA.5-Untervariante eine Welle mit rund zwei Millionen Infizierten und somit kürzlich erst Genesenen verursacht hat, “haben die Leute jetzt eine breite immunologische Basis aufgebaut”, sagte Elling: Damit habe man es aktuell mit einer “endemischen Welle” zu tun. Am ehesten finde man noch in den höheren Alterskohorten Menschen, die wirklich noch keine Covid-Infektion durchgemacht haben. Dazu komme, dass der Schutz vor Neuansteckung nach Infektion länger anhalte als ursprünglich vermutet.

Allerdings sehe man nun die starken “Nachwehen der Pandemie”, mit vielen RS-Viren- und Influenza-Infekten. Dazu komme eine gewisse “Erosion im Gesundheitssystem”, wo das vielfach durch die Pandemie ausgelaugte und ausgedünnte Personal wieder mit einer sehr hohen Belastung konfrontiert ist, und etwa gerade im Kinderbereich Ressourcen fehlen. In vielen Zusammenhängen würden nun strukturelle Probleme durch Einsparungen im Gesundheitsbereich deutlicher greifbar.

Mit SARS-CoV-2 habe man nun ein neues Virus sozusagen im Portfolio der gängigen Krankheitserreger, “das bleiben wird”, betonte Elling. Wie oft sich Menschen damit aber längerfristig im Schnitt tatsächlich anstecken können, lasse sich noch kaum abschätzen.

Das hängt auch von der weiteren Wandelbarkeit des Erregers ab. Der Forscher ist seit langem Teil des Teams, das die weiter hurtige Erbgutentwicklung des Virus wissenschaftlich analysiert. Damit es in der aktuellen Situation wieder zu systemkritischen Überlastungen durch SARS-CoV-2 kommt, müsste sich eine “komplett verrückte Kombination” entwickeln. Einen solchen “Gamechanger”, der auch die “Krankheitsschwere” wieder deutliche erhöht, sieht Elling momentan nicht am Horizont, und hält er auch für immer unwahrscheinlicher.

Die Möglichkeit bleibe aber als “Dark Horse” trotzdem durchaus weiter erhalten. Dementsprechend plädiert der Genetiker auch dafür, weiter einen wissenschaftlichen Überblick über die Variantenentwicklung zu wahren. Das sei im Vergleich zu vielen anderen Maßnahmen während der Pandemie auch wirklich nicht teuer, so der Wissenschafter.

Epidemiologin Eva Schernhammer, Mitglied der österreichischen Gecko-Kommission, stellte bereits vor fünf Tagen fest, dass wir uns einer endemischen Phase nähern könnten. Derzeit sprächen die vorliegenden Indikatoren dafür. “Wenn das Auftreten von SARS-CoV-2-Infektionen relativ gleich bleibt oder vorhersehbar wird, so wie dies etwa bei der Influenza der Fall ist, da ihr wellenförmiges saisonales Auftreten relativ gut antizipierbar ist.”

Die Gecko hielt in diesem Zusammenhang aber fest, dass Corona auch bei einem endemischen Zustand Probleme bereiten wird, alleine dadurch, dass es weltweit eine höhere Krankheitslast geben werde. Dazu werde “Long Covid” das allgemeine Wohlbefinden und die Fähigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, beeinträchtigen und die Gesundheitskosten in die Höhe treiben. Wenn eine Erkrankung endemisch werde, bedeute das jedoch nicht unbedingt auch eine positive Entwicklung, warnte Schernhammer: “So ist beispielsweise Malaria in gewissen Breitengraden endemisch. Das macht Malaria jedoch nicht ungefährlicher.”

Derzeit sind laut AGES-Update 45.826 Menschen in Österreich mit Corona infiziert. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich liegt aktuell bei 333,6 Infektionen pro 100.000 Einwohnern, am Vortag waren es noch 366,5. Am Montag kamen 2.231 neue Infektionen hinzu. Das liegt weit unter dem Schnitt der vergangenen sieben Tage mit 4.302 neuen Fällen. Im Spital lagen mit Stand heute Vormittag 1.150 Infizierte, was ein Minus von 16 im Vergleich zum Vortag bedeutet. Davon befinden sich 52 auf der Intensivstation, das sind um elf weniger als gestern. Am Montag wurden drei Todesfälle gemeldet. Damit stieg die Zahl der Corona-Toten in Österreich auf insgesamt 21.376.

Als Endemie bezeichnet man eine einheimisch gewordene Infektionskrankheit, die ständig innerhalb eines begrenzten Gebiets vorkommt – wie zum Beispiel Cholera, Pest und Typhus; in Mitteleuropa Lungentuberkulose, Masern oder Scharlach. Eine Epidemie ist das stark gehäufte, örtlich und zeitlich begrenzte Vorkommen einer Erkrankung. Dazu gehören viele Tropenkrankheiten wie die Dengue, aber auch Cholera, Grippe, Typhus, Pest und Kinderlähmung. Eine Epidemie, die sich über Länder und Kontinente hinweg ausbreitet, heißt Pandemie. Dazu zählen Aids, aber auch die Pest im Mittelalter oder die Grippe, die im 20. Jahrhundert zu drei Pandemien führte. An der “Spanischen Grippe” von 1918 starben mit 25 bis 50 Millionen mehr Menschen als im 1. Weltkrieg. Es folgten 1957 die “Asiatische Grippe” mit rund einer Million Toten und die “Hongkong-Grippe” 1968 mit etwa 700.000 Toten weltweit. Auch die Ausbreitung von Corona wurde 2020 zur Pandemie.

Von: apa

Kommentare

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24 Kommentare auf "Diskussion nach Aussage Drostens zu Corona-Endemie"


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Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 6 Tage

…Drosten hat bis jetzt eigentlich immer richtig gesehen…

hogo
hogo
Tratscher
1 Monat 6 Tage

@doolin jo jo so wia Dr Lauterbach ah olm recht hot und hatte 🫣😂😂
dess sein ols Trauerweiden im Wind und mehr nit🤨

L.G
L.G
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Dann hatte er auch recht mit seiner fatalen Fehleinschätzung damals zur Vogelgrippe? Wer dem jetzt noch recht gibt muss wohl ein wenig geistig umnachtet sein :-))

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
1 Monat 5 Tage

@L.G
Das mit ” geistig umnachtet ” – trifft wohl eher auf Dich selbst zu !
lm herziehen über andere bist du einsame Klasse – – BRAVO👏👏👏

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@südtirolfan
Warum immer gleich mit persönlichen Beleidigungen kommen, nur weil jemand einer anderen Meinung ist als du? Hat bei dir die Erziehung fehl geschlagen?

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
1 Monat 5 Tage

@SilviaG
Was geht’s dich an ?
War mein Kommentar an dich gerichtet ?
NEIN !
Und meine Erziehung geht dich ungefähr so viel an – wie wenn im Ultental ein Baum umfällt…😉

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
1 Monat 5 Tage

@SilviaG…bei 7 Stunden Zeitunterschied🤣🤣 bist Du heute aber früh aufgestanden🤣🤣….

L.G
L.G
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Danke für deine belobigung. Ich fühle mich geehrt. Aber habe ich dich mit dem angesprochen? Fühlst du dich ertappt ;.)) haha

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@Südtirolfan
Ob in Ulten ein Baum fällt geht mich sehr wohl etwas an
@Rudolfo
Guten Morgen
Letzte Nacht wurde es etwas spät, konnte dann wegen der Umstellung nicht schlafen, dann habe ich mir die Zeit genommen dich etwas zu ticken.

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
1 Monat 5 Tage

@SilviaG..das kann vorkommen. Wünsche Dir noch schöne Tage, ein gutes neues Jahr und bleib gesund und optimistisch…

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Es gib immer einige de net wohr hobn welln das man zum normalzustand zurückkehren kon oder soll

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 6 Tage

Eben, dann kehre zum Normalzustand zurück!

Vfc
Vfc
Tratscher
1 Monat 5 Tage

es haette nie einen Ausnahmezustand gebraucht

L.G
L.G
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Nein bleib du in deinen Pandemiepanikmodus. Maskenträger sind in den Fabriken immer gern gesehene Mitarbeiter- ;.))

Faktenchecker
1 Monat 6 Tage

Nur eine Einzelmeinung.

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

Dann lass ich die Sektkorken knallen 🍾🍾🍾🥂🥂

SilviaG
SilviaG
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@ebbi
Die habe ich schon lange knallen lassen. Was der Drosten heute behauptet, sagen bessere Experten schon seit einem Jahr

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
1 Monat 5 Tage

@SilviaG ja, eine Expertise über die Experten steht sicherlich in erster Linie Ihnen zu.

magg
magg
Grünschnabel
1 Monat 5 Tage

Wenn man bis jetzt die ganzen Pandemiestrategien mitgetragen hat, kann man noch einige Wochen durchhalten, damit die Krankenhäuser nicht nochmehr überlastet werden, die zur Zeit mit anderen Atemwegskrankheiten zu kämpfen haben.

snip
snip
Superredner
1 Monat 5 Tage
Vielleicht denkt der oane oder andere Kommentar Schreiber nach ob er Experte für Atemwegserkrankungen und epidemiologie isch oder vielleicht decht ned um dann ned vorschnell Sachen zu schreiben, de decht a bissl differenzierter darzulegen sein als beim Stammtisch normal gredt wuret. Drosten mit Virologie Charité isch Sars Corona Experte vor 2019 gewesen und jetzt a no. Ned für influenza oder RSV oder was anderes. Er hat a staatlichen Auftrag die Referenz zu Coronaviren Analyse zu sein. Ned so wie Lauterbach, streeck, oder wie die alle hoassen. Deswegen hot Ned er Olm 100% Recht aber besser erst lest man Interviews oder… Weiterlesen »
Mico
Mico
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

er hat zu wenig macht…. und fertig

Rudolfo
Rudolfo
Kinig
1 Monat 5 Tage

Da China ja soooo🙈 weit weg von Europa liegt, wird Herr Drosten schon Recht haben. Das haben ja auch einige SN ExpertenInnen schon länger vorausgesagt. Ich ziehe den 🎓 vor Denjenigen, nehme alle 🔮 Unterstellungen zurück und behaupte das Gegenteil🤣🤣🤣🤣..

OH
OH
Superredner
1 Monat 4 Tage

Ich gebe dem Drosten einfach Recht. Für mich ist das schon lange keine Pandemie mehr !!!

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