In Südtirol versickern 30 Prozent des Trinkwassers

Diskussion um Trinkwasserverluste in Bozen

Freitag, 05. August 2022 | 13:56 Uhr

Bozen – Dass ein Drittel des Trinkwassers in Südtirol verloren geht, findet das Team K skandalös. Im Rahmen der Generaldebatte zum Nachtragshaushalt hat das Team K auch einen ausführlichen Antrag mit mehreren Maßnahmen zur Bekämpfung der Dürre eingebracht. Die Mehrheit habe jedoch alle eingebrachten Vorschläge abgelehnt. „Die Realität sieht aber anders aus. Obwohl bereits einiges unternommen worden ist, werden wichtige Maßnahmen und Investitionen weiterhin nicht angegangen. In der Zwischenzeit deuten die verfügbaren Daten auf eine nicht hinnehmbare Entwicklung hin“, so das Team K.

„Die Koordinierung zwischen den verschiedenen Ämtern des Landes ist bereits im Gange”, erklärte etwa Landesrat Giuliano Vettorato laut Team K. Wenn man aber den Fachleuten Glauben schenke, die sich mit künstlichen Regenwasserauffangbecken und intelligenter landwirtschaftlicher Bewässerung – den wichtigsten Instrumenten zur Wassereinsparung – beschäftigen, sei Südtirol in Wirklichkeit noch weit von einer Lösung entfernt. „Kurz gesagt, die Bürokratie erschwert eine effiziente Zusammenarbeit der vielen beteiligten Ämter (Stadtplanung, Landwirtschaft, Katastrophenschutz, Umweltamt, Stadtplanung, Forstwirtschaft…), um die für die Durchführung der Projekte erforderliche Zeit zu verkürzen“, so das Team K. Der Bau künstlicher Wasserspeicher und neuer Wasserleitungen – ein weiterer Vorschlag des Team K – werde jedoch von entscheidender Bedeutung sein, um diese Herausforderungen zu bewältigen. In diesem Sinne sei eine umfassende Strategie auf Landesebene erforderlich. „Es ist nicht sinnvoll, nur punktuell einzelne Probleme vorübergehend zu entschärfen. Wir brauchen eine ökologische und langfristige Vision, die Politik, Techniker der Provinz und Experten des Sektors einbezieht, um die Bedürfnisse der verschiedenen Gebiete zu errechnen und zu beheben“, so das Team K.

Besonders die Daten und Zahlen zu den Wasserlecks seien besorgniserregend. „Die Daten für Südtirol sind zwar besser als die katastrophale Lage auf nationaler Ebene, trotzdem ist es notwendig, einzugreifen und vorausschauend zu investieren. Im Jahr 2020 erreichten in Südtirol etwa 32,5 Prozent des in die Leitungen eingespeisten Trinkwassers die Wasserhähne nicht, und selbst wenn man eine unvermeidbare Wasserdispersion der Anlagen von fünf bis zehn Prozent berücksichtigt, gibt es immer noch Millionen Kubikmeter Wasser, die durch Investitionen in die Wartung hätten gerettet werden können. Im Laufe der Zeit hat sich die Situation immer weiter verschlechtert: zwischen 2008 und 2020 sind die Verluste um rund zwölf Prozent angestiegen – von 20,4 auf 32,5 Prozent, wobei der Wert 2018 bereits bei 26,9 Prozent lag. Durch undichte Wasserleitungen verliert allein Bozen jährlich Trinkwasser im Ausmaß der Hälfte des Kalterer Sees. Im ganzen Land versickert ein Drittel des eingespeisten Wassers – und das in Zeiten der Dürre und des Wassermangels. Fast schon eine Frechheit, wenn die Landesregierung nun die Bürger auffordert, doch beim Zähneputzen und Duschen Wasser zu sparen. Diese Zahlen sind skandalös, darum muss schnellstmöglich in neue Leitungen und Sanierungen investiert werden“, so das Team K. Landesrat Vettorato habe zwar zusätzliche Mittel und Maßnahmen versprochen, die Landtagsabgeordneten des Team K werden sich aber weiterhin intensiv mit diesem Thema beschäftigen.

“Auch angesichts der drastischen Kürzungen der Ressourcen für die Instandhaltung der Kläranlagen kann es zu weiteren technischen Defekten und Problemen kommen. Auf diese Unterfinanzierung haben auch bereits die zuständigen Experten aufmerksam gemacht. In Bezug auf den zentralen Bereich der Wasseraufbereitung müssen wir als Opposition weiterhin wachsam bleiben”, so Paul Köllensperger, Landtagsabgeordneter des Team K.

“Landesrat Vettorato hat unsere Vorschläge als ‚akzeptabel‘ bezeichnet, sie dann aber abgelehnt”, kommentiert Paul Köllensperger, “wir werden die Umsetzung jedes einzelnen Punktes, den wir vorgeschlagen haben, überwachen, schließlich sind sie ‚bereits dabei‘ diese Maßnahmen umzusetzen. Und das mit glänzenden Ergebnissen, wenn man die Daten betrachtet.”

SEAB geht das Problem der Wasserverluste seit Jahren systematisch und vorausschauend an

Hinsichtlich der öffentlichen Debatte zum Thema Verluste im Bozner Trinkwassernetz, veröffentlicht die SEAB AG folgende Stellungnahme des technischen Direktors, Ing. Stefano Sacchi:

Die SEAB AG kümmert sich seit über 20 Jahren professionell und verantwortungsvoll um das Bozner Trinkwassernetz. Der überwiegende Großteil der Investitionen ist in diesem Zeitraums immer in den Bereich Trinkwasser geflossen – weil die immense Bedeutung eines funktionierenden Trinkwassernetzes schon immer die Basis für alle zukunftsweisenden Entscheidungen bei der SEAB AG war.

Das Thema der Verluste des Wassernetzes wird seit mehreren Jahren systematisch und mit Weitsicht behandelt und gehört zur absoluten Priorität. Die Strategien der Bekämpfung der Wasserverluste basieren auf den Richtlinien der International Water Association (IWA) und bestehen aus verschiedenen Projekten, die alle auf eine Verringerung der Verlustrate abzielen und eine langfristige Wirkung haben:

1.       Leckageortung: Stetige Suche nach undichten Stellen/Wasserlecks und anschließende punktuelle Reparaturen (jedes Jahr wird eine Mindestanzahl an km durchsucht);

2.       Gezielte Investitionen: durch diese werden beschädigte Netzabschnitte schrittweise durch neue Ersetzt, d.h. ständige Verringerung veralteter Netzabschnitte;

3.       Hydraulische Netzmodellierung: Es handelt sich um ein eigenständiges Projekt, bei dem mithilfe spezialisierter Software Simulationen zur Unterteilung des gesamten Netzes in Teilnetze durchgeführt werden; in diesen Teilnetzen kann dann der Wasserdruck an die Erfordernisse angepasst, bzw. reduziert werden, was einerseits zur Verminderung der Verluste führt und andererseits eine schnelleren Ortung der Leckagen ermöglicht;

4.       Verbesserung der Genauigkeit der Wassermessung durch Kampagnen zum Austausch der Zähler durch intelligente Smart Meter Systeme direkt bei den Endkunden.

Die genannten Projekte werden in enger Zusammenarbeit und mit der Zustimmung und Unterstützung der Gemeinde Bozen vereinbart und durchgeführt. Dass diese Projekte mit größter Sorgfalt verfolgt werden beweist auch die Tatsache, dass sich die Wasserverluste des Bozner Netzes in den letzten Jahren verringert haben. Denn, während es physiologisch ist, dass die Wasserverluste von Jahr zu Jahr zunehmen (wie auch die Daten auf Provinzebene zeigen), sind die Verluste in der Stadt Bozen von 31,8 im Jahr 2016 auf 29,2 Prozent im Jahr 2021 gesunken.

Obwohl sich die Verluste des Bozner Trinkwassernetzes unter dem nationalen Durchschnitt (2020: 36,2 Prozent) befinden und auch den regionalen Vergleich nicht scheuen müssen, wird dieses Thema auf eine systematische und nachhaltige Weise, mit modernsten verfügbaren Technologien und einem professionellem Team von elf Wasserarbeitern und vier Wassertechnikern weiterhin als absolute Priorität behandelt.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "Diskussion um Trinkwasserverluste in Bozen"


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sakrihittn
sakrihittn
Universalgelehrter
3 Tage 4 h

Dann reist mal schön alle Strassen auf und tauscht die Rohre aus. Die Autofahrer und diejenigen die bezahlen werden sich freuen. Und dies alles innerhalb 3 Jahre. Viel spass👍

LouterStyle
LouterStyle
Superredner
3 Tage 2 h

man muas meistens net aureißen um rohre zu sanieren

BEATS
BEATS
Superredner
2 Tage 21 h

@LouterStyle wir reden aber nicht vom Abwasser 😂

Richter
Richter
Grünschnabel
3 Tage 42 Min

Super! Wir dürfen untertags nicht beregnen un wenn man etwas weiter runter fährt, in die Poebene, da wird untertags fleißig bewässert!

Kongo
Kongo
Grünschnabel
3 Tage 3 h

Ich glaube nicht das 30 Prozent versickern, schon eher das 30 Prozent irgendwo verschwinden.

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