Die Pressekonferenz zum ÖSV-Dopingskandal

Doping-Razzia: “Schockstarre” in Seefeld

Mittwoch, 27. Februar 2019 | 18:36 Uhr

Teile des ÖSV-Langlaufteams sind wie schon bei den Olympischen Spielen 2002, 2006 und 2014 in einen Dopingskandal verwickelt. Ermittler des Bundeskriminalamtes nahmen am Mittwoch während der Nordischen WM in Seefeld Dominik Baldauf und Max Hauke unter Eigenblutdopingverdacht fest. Betroffen sind aber nicht nur sie, heimische und deutsche Behörden haben ein internationales Netzwerk ausgeforscht.

Im Zuge der koordinierten Aktion “Operation Aderlass” wurden insgesamt 16 Hausdurchsuchungen durchgeführt und neun Personen festgenommen, gaben die Ermittlungsbehörden bekannt. Unter den Festgenommenen befindet sich als mutmaßlicher Haupttäter einer “kriminellen Gruppierung” ein deutscher Sportmediziner, der das Blutdoping mit Komplizen an den Athleten durchgeführt haben soll. Neben Hauke und Baldauf stehen auch ein kasachischer und zwei estnische WM-Teilnehmer unter Verdacht. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Einer der Sportler wurde in Seefeld auf frischer Tat ertappt. Er sei in Seefeld in seiner Unterkunft “mit einer Blutkonserve im Arm” aufgegriffen worden, so die Ermittler. Die Namen der verdächtigen Athleten nannten sie jedoch nicht. Im Zusammenhang mit dem festgenommenen Sportmediziner aus Erfurt und seiner Komplizen sprachen sie von einer “geschlossenen Indizienkette”. So sei etwa in Erfurt ein komplettes Dopinglabor inklusive Equipment wie Blutkonserven und Zentrifugen ausgehoben worden, das dem Sportmediziner zugerechnet wird.

Man ermittle seit mehreren Monaten “wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Sportbetruges sowie der Anwendung von unerlaubten Wirkstoffen und Methoden zu Dopingzwecken”. Die Gruppierung in Erfurt sei dringend verdächtig, “seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern durchzuführen, um deren Leistung bei nationalen und internationalen Wettkämpfen zu steigern und dadurch illegale Einkünfte zu lukrieren”, hieß es weiter. Die Sportler selbst seien nicht Teil dieser Organisation gewesen, stünden aber in Verdacht, sich mit Blutdoping behandelt haben zu lassen.

Die Causa dürfte über den Langlauf hinausgehen. “Es sind sicher auch noch andere Sportarten betroffen”, sagte ein BK-Ermittler. Die “kriminelle Organisation” sei seit mehr als fünf Jahren weltweit tätig gewesen. Weitere Details wie Entscheidungen über Untersuchungshaftanträge wollen sie in den nächsten Tagen bekanntgeben.

Der auch schon bei der folgenschweren Polizeirazzia bei Olympia 2006 in Turin sowie den Dopingfällen Johannes Dürr 2014 bei den Winterspielen in Sotschi und von Harald Wurm 2016 amtierende ÖSV-Langlaufchef Markus Gandler reagierte tief betroffen. “Das ist ein harter Schlag für den Langlauf im allgemeinen. Ich stehe unter Schockstarre”, erklärte der Tiroler.

Innerhalb des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) gebe keine Hinweise auf Beteiligungen von eigenen Betreuern, es handle sich um Einzeltäter, betonte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. “Ich bin zutiefst verärgert, dass einzelne Athleten scheinbar nichts aus der Vergangenheit gelernt haben. Im ÖSV gilt Null-Toleranz gegenüber Doping”, so Schröcksnadel. Gegen Einzeltäter sei man machtlos, ergänzte der Langzeitchef des Verbandes und kündigte eine Neuorganisation der Langlaufsparte nach dieser Saison an.

Damit sind auch die Tage von Gandler gezählt. Man werde sich nach der WM trennen, bestätigte Schröcksnadel noch am Mittwoch. Auch ÖSV-Langlaufkoordinator Trond Nystad deutete seinen Abschied bereits an. “Es ist klar, dass das die Aufgabe für mich uninteressant macht”, sagte der Norweger.

Gandler gab an, dass ihm bis dato nie etwas im Zusammenhang mit Dopingvergehen bei Baldauf und Hauke aufgefallen war. Man könne sie aber nicht ständig überwachen. “Das sind freie Leute, sie haben genügend Freizeit, um so einen Blödsinn zu machen.” Er hoffe außerdem, “dass es mehr erwischt, nicht nur den ein oder anderen, sondern auch die Drahtzieher.” Sein ehemaliger WM-Goldstaffelkollege Alois Stadlober war ebenso erschüttert. “Dümmer geht es nicht mehr, und tiefer kann man gar nicht mehr fallen”, sagte Stadlober, dessen Kinder Teresa und Luis an der WM teilnehmen.

Die mutmaßlichen Vergehen von Baldauf und Hauke seien “nicht nachvollziehbar, man kennt die betroffenen Sportler. Sie wissen, was auf einen einstürzt, was auf einen Johannes Dürr eingestürzt ist, was der alles verloren hat.” Dürr war es, der vor einigen Wochen mit seinen Aussagen über Blutdoping in einer TV-Dokumentation die Behördenermittlungen angestoßen hat.

Von: apa

Kommentare

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17 Kommentare auf "Doping-Razzia: “Schockstarre” in Seefeld"


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herbstscheich
herbstscheich
Superredner
23 Tage 21 h

wär schon lustig wenns auch mal im Profifussball solche “Kontrollen” gäbe ( Doping & Drogen z.b.)

Uuuups
Uuuups
Grünschnabel
23 Tage 16 h

Die gibt es schon, die frage ist nur wieviel davon vertuscht wird…

luisa
luisa
Grünschnabel
23 Tage 2 h

Sel gibs schun la kua sorge

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Grünschnabel
23 Tage 2 h

Ich denke so ziemlich alle, da ist einfach zu viel Geld im Spiel.

Mauler
Mauler
Tratscher
23 Tage 14 h

Und solche Deppen hoasn sich Spitzensportler…
Olle a Leben long sperrn und a saftige Strofe!
Ziachn in gonzen Sport in Dreck!

Staenkerer
23 Tage 13 h

traurig wenn ba de sportler de spitze von verbotenem getzixe kimmt, schlieslich sein viele von de idole und vorbilder für kinder und jugendliche!
i kenn a a poor extremsportler in de kinder nochzueifern versuchn, wenn man nor an oll de anabolika und ondre möglichkeitn denkt, keimen schun bedenkn auf!

Marco schwarz
Marco schwarz
Tratscher
23 Tage 15 h

Komisch, als wär das was Neues und alle sind schockiert. Lächerlicher gehts nimmer… Komisch nur dass seit 2002 der Name des österreichischen Nordischen Direktors immer wieder auftaucht. Wär Zeit die Koffer zu packen, oder?

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
23 Tage 2 h

markus gandler wurde bereits gefeuert

Bella Bionda
Bella Bionda
Tratscher
23 Tage 12 h

Doping beim langweiligsten Wintersport ever – jetzt ist er wenigstens in aller Munde

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
23 Tage 2 h

du nennst langlaufen langweilig?… hast du es schon einmal praktiziert?…wenn nicht dann schweige….langlaufen ist neben dem tourengehen eine der schönsten sportarten überhaupt, alleine in der freien natur (anstatt bei liften anzustehen) in den bewegungsablauf ist der ganze körper involviert…..aber wenn man sport nur im tv verfolgt werden solche kommentare gepostet

aristoteles
aristoteles
Universalgelehrter
22 Tage 19 h

@falschauer, vielleicht meint er zuschauen. das mir ist mir auch zu langweilig

falschauer
falschauer
Universalgelehrter
22 Tage 13 h

@aristoteles… ich schrieb ja, aber wenn man sport nur im tv verfolgt (zuschaut), werden solche kommentare gepostet….

was ich jedoch unerhört finde ist, dass jemand schreibt, dass diese “langweilige” sportart eines skandals bedarf um in blickfeld gerückt zu werden….

Parteikartl
Parteikartl
Grünschnabel
23 Tage 17 h

Do will niamand so recht ran, denn Doping gibt es seit Jahrzehnten

Staenkerer
23 Tage 16 h

ob de schun nix gewisst hobn, de jetz in “schockstarre” sein?

widder52
widder52
Grünschnabel
23 Tage 2 h

mit Orangensaft lauft man keine 30 oder 50 km! Die Frage ist wo ist das Limit was man einnehmen darf

Tabernakel
23 Tage 10 h

Das zieht sich durch alle Nationen.

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Grünschnabel
23 Tage 2 h

Warum wird ein so großer Wirbel darum gemacht? Im Profisport wird durch die Bank gedopt!! Angefangen beim Radsport, Leichtathletik, Wintersport, Fußball, einfach überall. Woher sollen die astronomischen Leistungen auch kommen. Viel Training sicherlich aber ab einem gewissen Punkt braucht es Zusatzmittel.  

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